Deutschland und Mallorca – eine ganz besondere Beziehung

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Alexander Sepasgosarian ist Chefredakteur des Mallorca Magazins.

Alexander Sepasgosarian ist Chefredakteur des Mallorca Magazins.

Wenn eine deutschsprachige Lokalzeitung in einem fremden kulturellen Umfeld existiert, dann ist das vor allem eines: ungewöhnlich! Und wenn sie darüber hinaus mehr als ein halbes Jahrhundert zu existieren versteht, dann ist das nicht nur ungewöhnlich, sondern ein Ereignis: 50 Jahre Mallorca Magazin – das ist ein Meilenstein in der Geschichte der deutschsprachigen Medien im Ausland. Mit Freude und Dankbarkeit und auch ein wenig Stolz blicken wir auf ein journalistisches Produkt, dessen allererste Anfänge selbst für die dienstältesten Wegbegleiter des Magazins gefühlt in Zeiten liegen, die man allenfalls als Kind oder als noch sehr junger Erwachsener in eigener Anschauung miterlebt hat.

Indes, das Mallorca Magazin ist weit mehr als eine Wochenzeitung der Insel in deutscher Sprache, wie sie am 19. Juni 1971 vom weitsichtigen Medienunternehmer Pere A. Serra an die Kioske und damit an das Licht der Öffentlichkeit gebracht wurde. Das Blatt ist der wohl deutlichste und beständigste Ausdruck des Interesses, das deutsche Bundesbürger – ebenso wie deutschsprachige Europäer – der Insel und ihrem Geschehen entgegenbringen. Ohne dieses Interesse an Mallorca hätte es das Mallorca Magazin nicht über fünf Jahrzehnte geben können. Und ohne die Informationen über die Insel, die sich Woche für Woche für Woche auf den Seiten des Magazins niederschlagen, hätte dieses Interesse an der Insel nicht jedes Mal neu angefacht werden können. Von daher sind das Blatt und seine Lesegemeinschaft eine einzigartige Erfolgsgeschichte! Umso mehr, wenn berücksichtigt wird, dass diese Gemeinschaft nicht nur aus den lesenden Käufern und Abonnenten besteht, sondern auch die unzähligen Geschäftspartner, Anzeigenkunden und Freunde des Hauses miteinschließt. All diesen häufig seit vielen Jahren treuen Leserinnen und Lesern sowie den Mitwirkenden und Unterstützern des Mallorca Magazins sei an dieser Stelle unser außerordentlicher Dank ausgesprochen! Ihre Freude und Zufriedenheit über unsere Zeitung – in gedruckter wie digitaler Form – sind uns Verpflichtung und Ansporn auch für die Zukunft, die philosophisch gesprochen, jeden Tag aufs Neue beginnt.

Die deutsch-mallorquinische Verbundenheit, wie sie sich seit 50 Jahren in Form des Mallorca Magazins manifestiert, ist ein ganz und gar eigenständiges gesellschaftliches wie kulturpolitisches Phänomen. Es zeugt von der regen Anteilnahme, die Mallorca im deutschen Seelenleben auszulösen in der Lage ist. Als erfahrene Profis und Medienschaffende wissen wir, dass nahezu jedes Ereignis, das sich auf der Insel zuträgt, irgendwo seinen Widerhall in Deutschland und im deutschsprachigen Ausland findet. Die Hinwendung der Deutschen zu „ihrer” Insel, wie sie in emotionalen Bekundungen nicht müde werden zu betonen, ist von ganz besonderer, geradezu sinnstiftender Art. Mallorca ist ein Sehnsuchtsort für Millionen Bundesbürger – seien es Zweithausbesitzer, Wanderer, Kunstmaler, Unternehmer, Sonnenhungrige, Radsportler, Sprachschüler, Gourmets, Rentner, Handwerker, Golfer oder ja, auch diese sind zu nennen, schlicht Partyenthusiasten. Das Kuriose dieses Sehnsuchtsortes ist, dass – im Gegensatz zu vielen anderen Orten auf dieser Welt – das sehnsüchtige Bedürfnis, hier zu sein, sich relativ leicht als authentische Inselerlebnisse verwirklichen lässt – und sei dies auch nur in Form von einigen Tagen (oder gar Wochen oder Monaten) Urlaub.

Diese innere Hinwendung nach Mallorca hat sich bereits beobachten lassen, lange bevor es das Mallorca Magazin gab. Deutsches Wirken auf der Insel lässt sich dokumentieren lange vor dem Aufkommen des Massentourismus in den 1960er Jahren. Es ist nur wenig bekannt, aber deutsche Institutionen besitzen teilweise eine sehr lange Tradition auf der Insel. Bereits das Königreich Preußen unterhielt schon vor der Gründung des Norddeutschen Bundes 1867 einen (mallorquinischen) konsularischen Agenten in Palma. 1906 wurde mit Karl Schrader der erste deutsche Ehrenkonsul auf Mallorca ernannt, im selben Jahr gründete sich ein deutscher evangelischer Kirchenverein, 1912 wurde erstmals eine deutsche Schule auf der Insel ins Leben gerufen. Zwischen den Weltkriegen ließen sich ebenfalls Tausende Deutsche auf Mallorca nieder. Unter ihnen befanden sich nicht nur Exilierte, die vor den Nazis geflohen waren, sondern auch schon frühzeitig berufstätige „Residenten” – wie man heute sagen würde – unter ihnen Hoteliers, Gastronomen, Handwerker, Ärzte, Architekten, Fotografen, Handelsvertreter, Pensionäre und – auch damals schon – der eine oder andere Aussteiger ...

Kehren wir zurück in die 50 Jahre deutsch-mallorquinische Geschichte, wie sie nunmehr im Archiv des Mallorca Magazins zu finden ist. Aus diesem Zeitraum sind unzählige Beispiele zu finden von deutschem unternehmerischen Wirken auf der Insel. Es ist ganz beachtlich, was Deutsche und Mallorquiner gemeinsamen geschaffen haben, das sich wiederum in Form von Arbeitsplätzen und Wertschöpfungen herauskristallisierte. Unternehmer wie Hasso Schützendorf oder Horst Abel, die später gemeinhin als Mallorcas „Mietwagen-” und „Wurstkönig” mediale Bekanntheit fanden, waren in den 1970er Jahren lediglich Vorreiter für wirtschaftliche Tätigkeiten auf der Insel, aus denen auch für viele Einheimische Jobs und Auskommen hervorgingen. Heute gibt es zahllose Baufirmen, Handwerksbetriebe und anderweitige Dienstleistungsunternehmer, in denen Deutsche und Mallorquiner tätig sind und gemeinsam Einnahmen, Gewinne und Wohlstand erzielen. Dass diese Entwicklung keine Einbahnstraße ist, zeigen die Strategien mallorquinischer Hotelkonzerne, die ihrerseits nach Deutschland expandieren und – wie im Falle von Riu – darüber hinaus Anteilseigner an deutschen Reiseunternehmen wie Tui sind.

Einen Eindruck von den deutsch-mallorquinischen Kooperationen, die sich für die Zukunft der Insel abzeichnen, gab das Forum „Mallorca und Deutschland, gemeinsam Zukunft gestalten”, das aus Anlass des 50-jährigen Bestehens des Mallorca Magazin am 13. Oktober im Museum Es Baluard in Palma stattfand. „Silicon Island” – das Schlagwort zeigt die ehrgeizige Richtung an, in die die Insel sich in den kommenden Jahren als hochmoderne und zugleich nachhaltige Destination entwickeln wird. All das zuvor gesagte macht deutlich: Zwischen Mallorca und Deutschland bestehen unendlich viele emotionale, wirtschaftliche, freizeitliche, gesellschaftliche, kulturelle und – das ist herausragend – stets freundschaftliche Beziehungen. Dieses Erfolgsmodell, das sich über die Jahrzehnte herausgebildet hat, ist einzigartig in Europa. Dieses reichhaltige Vermächtnis aus der Vergangenheit ist der Weg in eine nicht minder spannende und herausfordernde Zukunft. Für Mallorca, und für uns alle, deren Herz an dieser Insel hängt.

Alexander Sepasgosarian ist Chefredakteur des Mallorca Magazins.

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