98 Tage Alarmzustand: So war das auf Mallorca. Eine Chronologie

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Die Avenidas in Palma auf dem Höhepunkt derAussgangssperre. Wo sonst Tausende Autos fahren, herrschte am 30. März gespenstische Leere.

Die Avenidas in Palma auf dem Höhepunkt derAussgangssperre. Wo sonst Tausende Autos fahren, herrschte am 30. März gespenstische Leere.

Foto: Jaime Morey

Der Alarmzustand, der in Spanien und damit auch auf Mallorca am 14. März ausgerufen worden war, um das Coronavirus einzudämmen, endet in der Nacht von Samstag auf diesen Sonntag, 21. Juni. Damit dauerte der Alarmzustand 98 Tage, berichtet die spanischen Tageszeitung Ultima Hora online.

Mit dem Ende des Notstands und dem Eintritt in die "Neue Normalität" werden die Beschränkungen des gesellschaftlichen Lebens, der Mobilität und der Wirtschaft teilweise aufgehoben. Weitere Einschränkungen bestehen jedoch fort (Hier finden Sie eine Übersicht der Regeln in der "Neuen Normalität". Sie gilt bis eine Impfung gegen das Coronavirus gefunden ist).

Und das waren die herausragenden Statione des Alarmzustands:

- 14. März. Die Regierung ruft spanienweit für zwei Wochen den Alarmzustand aus, mit Maßnahmen, die den Personenverkehr und die wirtschaftliche Tätigkeit stark einschränken. Die Prozessionen zur Karwoche werden abgesagt. Um 22 Uhr treten Tausende an ihre Fenster oder auf ihre Balkone und klatschen minutenlang. Sie wollen damit dem medizinischen Personal in den Kliniken und Krankenhäusern ihren Dank bekunden. Der Beifall wiederholt sich danach täglich um 20 Uhr.

- 15. März. Der Alarmzustand leert die Straßen, und die ersten Sanktionen werden bei Verstößen gegen die Ausgangssperre verhängt. Neben der Polizei wachen auch Streitkräfte auf die Einhaltung der Regeln.

- 16. März. Spanien schließt seine Landgrenzen. Einreisen dürfen nur noch Menschen mit Erstwohnsitz in Land, Transporteure von Waren oder Betroffene von höherer Gewalt. Erste Unternehmen beantragen Kurzarbeit (ERTE).

- 17. März. Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigt die Mobilisierung von 200 Milliarden Euro an, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Epidemie zu bekämpfen.

- 18. März. Der König richtet eine Botschaft an die Nation, in der er zur Einheit aufruft. Warnung vor der Verbreitung des Coronavirus in Pflegeheimen.

- 20. März: In Spanien werden die ersten 2000 Todesfälle registriert, die Zahl der Infektionen übersteigt 20.000.

- 22. März. Sánchez kündigt die Verlängerung des Alarmzustands bis 11. April an.
Die Rolle der Armee im Kampf gegen das Virus wird gestärkt. In Madrid nimmt im Ifema-Messegelände ein provisorisches Krankenhaus mit einer Kapazität von 5500 Betten den Betrieb auf.

- 23. März. Der Eispalast in Madrid wird in eine Leichenhalle umfunktioniert. Das Militär stößt bei Kontrollen auf Tote in mehreren Altenheimen.

- 25. März. Mit 3434 Todesfällen ist Spanien - nach Italien - das Land mit den meisten Opfern in der Welt.

- 26. März. Das spanische Parlament bewilligt die erste Verlängerung des Alarmzustands.

- 29. März. Das Kabinett beschließt alle nicht lebenswichtigen wirtschaftlichen Aktivitäten stillzulegen. Gearbeitet wird nur noch in Betrieben, die die Versorgung der Gesellschaft mit Lebensmitteln, Wasser und Energie aufrechterhalten.

- 30. März. Trauerfeiern zu Beerdigungen werden untersagt. In Madrid landet ein erstes Flugzeug mit Hilfs- und Schutzmaterial aus China.

- 31. März. Der Ministerrat beschließt neue wirtschaftliche und soziale Maßnahmen, darunter: ein Moratorium für Sozialversicherungsbeiträge, ein Verbot von Zwangsräumungen und Kürzungen der Grundversorgung, Mietzuschüsse und Arbeitslosenunterstützung.

- 1. April. Über 100.000 Menschen sind infiziert und 9000 Todesfälle sind zu beklagen.

- 2. April. Es wird mit 950 Opfern spanienweit eine neue Höchstzahl an Todesfällen an einem einzigen Tag verzeichnet. Die Zahl der Todesfälle übersteigt 10.000.

PALMA. EPIDEMIAS. CORONAVIRUS. ESTADO DE ALARMA. LAS AVENIDAS VACIAS POR EL CONFINAMIENTODer Borne in Palma am 4. April: Niemand unterwegs. Foto: Archiv Ultima Hora

- 9. April. Das Parlament bewilligt die zweite Verlängerung des Alarmzustands bis zum 26. April.

- 13. April. Industrie- und Beschäftigte der Baubranche kehren zur Arbeit zurück.

- 14. April. Der Internationale Währungsfond prognostiziert für die spanische Wirtschaft einen Konjunkturrückgang von 8 Prozent im Jahr 2020 sowie einen Ansteig der Arbeitslosigkeit auf über 20 Prozent.

- 18. April. Die Zahl der Todesfälle übersteigt 20.000.

- 21. April. Nach massiver Kritik revidiert die Regierung ihre Entscheidung, Kindern bis 14 Jahre zu erlauben, einen Erwachsenen zum Supermarkt, zur Apotheke oder zur Bank zu begleiten.

- 22. April. Das Parlament stimmt der dritten Verlängerung des Ausnahmezustands bis zum 9. Mai zu.

- 26. April. Erstmals dürfen Kinder begleitet von ihren Eltern wieder im Freien spazieren gehen. Die täglich registrierte Zahl der Todesopfer sinkt auf 288.

Kinder dürfen erstmals nach sechs Wochen wieder nach draußen. Foto: V. Gomila

- 27. April. Das Gesundheitsministerium beginnt die Studie in 36.000 Familien, um die tatsächliche Ausbreitung des Coronavirus in Spanien herauszufinden.

- 28. April. Die Regierung verabschiedet einen Deeskalationsplan mit vier Phasen, samt unterschiedlichen Geschwindigkeiten je nach Inseln und Provinzen und einer voraussichtlichen Dauer zwischen 6 und 8 Wochen.

- 30. April. Die spanische Wirtschaft bricht im ersten Quartal um 5,2 Prozent ein.

- 1. Mai. Das provisorische Krankenhaus auf dem Messegelände schließt seine Pforten. Dort waren in 40 Tagen fast 4000 Patienten behandelt worden.

- 2. Mai. Tausende von Menschen gelangen am ersten Tag der Lockerungen der Ausgangssperre ins Freie. Es gelten je nach Alter und Region Zeitfenster für Spaziergänge und sportliche Aktivitäten. Die Zahl der Todesfälle in Spanien erhöht seit Ausbruch der Pandemie auf mehr als 25.000.

- 4. Mai. Es beginnt die Phase 0 der Deeskalation, die unter anderem mit der Eröffnung von Friseursalons startet. Für kleine Geschäften müssen Termine vereinbart werden, Restaurants dürfen Essen zum Mitnehmen anbieten. In öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Verwendung von Schutzmasken obligatorisch. Die Inseln La Gomera, El Hierro, La Graciosa und die kleine Baleareninsel Formentera treten direkt in Phase 1 ein.

- 6. Mai. Das Parlament stimmt der vierten Verlängerung des Alarmzustands bis zum 24. Mai zu.

- 11. Mai. 51 Prozent der Spanier treten in Phase 1 ein, darunter auch Mallorca. Madrid, Andalusien und die Region Valencia verharren weiter in der Phase 0. Die Zahl der täglichen Todesopfer sinkt auf 123, es ist die niedrigste Zahl seit dem 18. März. Die Regierung unterzeichnet mit Arbeitgebern und Gewerkschaften die Verlängerung der Kurzarbeit ERTE bis Juni.

- 15. Mai. Von diesem Tag an gilt für Einreisende aus dem Ausland in ganz Spanien, also auch auf Mallorca, eine 14-tägige Quarantänepflicht. Wer in einem der wenigen Flüge die Insel erreicht, muss diese Zeit in einem Hotel oder in einer Wohnung verbringen. Er darf nur mit Maske raus, um Lebensmittel oder Medikamente einzukaufen. Die Quarantänepflicht gilt bis zur Aufregung des Alarmzustands.

- 18. Mai. Die Phase 1 wird spanienweit auf 70 Prozent der Bevölkerung ausgedehnt.

- 20. Mai. Die fünfte Verlängerung des Alarmzustands wird genehmigt: bis zum 7. Juni.

- 23. Mai. Tausende von Menschen, die von der rechtspopulistischen Partei Vox aufgerufen dazu wurden, demonstrieren in mehreren spanischen Städten gegen die Regierung. Unterdessen verkündet diese die Wiederaufnahme der Fußballliga in der Woche vom 8. Juni an.

- 25. Mai. Die Deeskalation geht weiter: 53 Prozent von Spanien befinden sich in Phase 1 und 47 Prozent treten in Phase 2, darunter Mallorca, Menorca und Ibiza. Das bedeutet, dass die Menschen erstmals wieder die Strände aufsuchen und im Meer baden dürfen.


Auf dem Sand von Can Pere Antoni war am 25. Mai gehörig was los. Foto: Patricia Lozano

- 27. Mai. Beginn einer zehntägigen Staatstrauer in Spanien.

- 28. Mai. Nissan kündigt auf dem Höhepunkt der Pandemie die Schließung seines Werks in Barcelona an. Im Einzelhandel sinken die Umsätze um 31,5 Prozent.

- 29. Mai. Die Regierung verabschiedet ein Grundeinkommen für Sozialfälle. Das Staatsdefizit verdoppelt sich auf 19,9 Milliarden im April. Der Arbeitgeberverband fordert eine Verlängerung der Kurzarbeitregelung ERTE bis Dezember.

- 31. Mai. Die Regierung tritt die Kompetenzen zur Gestaltung der Corona-Regeln in Phase 3 an die autonomen Regionen ab.

- 3. Juni. Sánchez erreicht die sechste und letzte Verlängerung des Alarmzustands bis zum 21. Juni.

- 8. Juni. 52 Prozent der Spanier treten in Phase 3 ein. Das gilt auch für die Menschen auf Mallorca und den Schwesterinseln. Damit ist auch der reiseverkehr zwischen den balearischen Inseln erstmals wieder erlaubt.

- 9. Juni. Die Regierung billigt ein Dekret mit den Maßnahmen, die die Mobilität und Aktivität nach dem Alarmzustand, in der sogenannten "Neuen Normalität" regeln sollen.

- 14. Juni. Die Regierung zieht die Öffnung der Grenzen zum Schengen-Raum auf Sonntag, den 21. Juli, vor. Sánchez kündigt einen Plan zur Reaktivierung der Automobilindustrie mit einem Budget von 3,75 Milliarden Euro an.

- 15. Juni. Deutsche Touristen dürfen im Rahmen eines touristischen Pilotprojekts ohne Quarantänepflicht erstmals wieder nach Mallorca reisen.

- 16. Juni. Die Regierung bewilligt einen 16 Milliarden Euro schweren Fonds für die Autonomen Regionen in Spanien.

- 18. Juni. Die Regierung legt einen 4,25 Milliarden Euro schweren Plan zur Wiederbelebung des Tourismus vor. Die Staatsverschuldung erreicht mit 1,23 Billionen Euro einen historischen Höchststand.

- 19. Juni. Einen Tag vor dem Ende des Alarmzustands steigt die Zahl der Todesopfer von Covid-19 auf 28.315. Die Regierung und die Gemeinden beschließen Regelungen für Flugreisen, Kapazitätskontrollen und Vorschriften für die Tätigkeit nach dem Alarmzustand.

- 20. Juni. Sánchez verkündet die Aufhebung des Alarmzustands an diesem Sonntag, 21. Juni. Zum Ende des Alarmzustands wurden spanienweit 28.322 Todesfälle durch das Coronavirus und 245.938 bestätigten Infektionen gezählt. Auf Mallorca und den Nachbarinseln waren es 2284 Infizierte, 224 Todesfälle sind zu beklagen.

Die Rückkehr zur Normalität, zur "neuen" Normalität: Café-Betrieb auf Palmas Flaniermeile Borne. Foto: Jaume Morey

Kommentar

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Sabine / Vor 11 Tage

Sie hatten vergessen zu erwähnen, dass auf Mallorca in der Altersgruppe bis 65 im Vergleich zum Vorjahr trotz COVID-19 weniger Menschen gestorben sind. In dieser für das Wirtschaftsleben zentralen Altersgruppe war auf Mallorca eine Untersterblichkeit gegeben.

Und woher die vielen Toten in Spanien herrühren wird mehr und mehr deutlich:

https://www.tagesschau.de/ausland/corona-altenheime-spanien-101.html

In Altersheimen erbärmlich und ohne Behandlung gestorben worden.

Veranlassung für einen Lockdown bestand sicher am Beginn. Ab spätestens Mai aber nicht mehr. Und ja, das Leben ist nicht abwägungsfest, die Freiheit war den Menschen bisher immer mehr wert, einschließlich der Risiken bei deren Inanspruchnahme auch zu sterben – siehe Extremsport aber auch Rauchen, Autofahren oder Alkohol trinken. Und mal bitte zusammenrechnen, wie viele Menschen allein dabei in Spanien jedes Jahr sterben.

https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/corona-krise-virus-leben-schutz-abwaegung-risiko-lockerungen-gefahr-triage/

Die Schweiz hat übrigens gerade sämtliche „Maßnahmen“ aufgehoben. Inkl. Maskenpflicht beim Einkaufen oder in Bussen etc. Sehr vernünftig. So wie die Schweden auch. Offenbar dürfen sich neutrale Staaten dem Würgegriff entziehen. Oder das Virus „grassiert“ in diesen Ländern milder.

Bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen für das Billionendesaster zur Verantwortung gezogen werden.

Walter / Vor 11 Tage

Hatten Spanien und Italien (aber auch GB) ihre Gesundheitssysteme in Ordnung gehabt, hätten viele Tausend Menschen NICHT sterben müssen. Dafür ist nun die jeweilige Landeswirtschaft komplett am Boden, was noch mehr Schaden verursacht. DAS hätte verhindert werden können. Sich am Ende nun als der Retter der spanischen Bevölkerung darzustellen, paßt zu einem lupenreinen Sozialisten. Pedro Sánchez wird über die Corona Krise fallen.