Gin-Tonic-Welle wird immer mallorquinischer

Bars in Palma haben bis zu 120 Gin-Sorten im Angebot, darunter vier von den Inseln

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Bruno Landin vom Ginbo versprüht das Aroma der Zitrusfrüchte erst im letzten Moment im Glas.

Bruno Landin vom Ginbo versprüht das Aroma der Zitrusfrüchte erst im letzten Moment im Glas.

Foto: Foto: Michael Maier
Bruno Landin vom Ginbo versprüht das Aroma der Zitrusfrüchte erst im letzten Moment im Glas.Die Limonade fließt über einen Mixerlöffel ins Glas.

Bitter-aromatisch und leicht auf der Zunge prickelnd: Der Klassiker Gin Tonic erlebt seit Jahren ein Revival und genießt auf der Insel eine besondere Popularität, was auch der erfrischenden Wirkung an heißen Sommertagen zu verdanken sein dürfte.

Kaum eine Hotel-Lobby oder Strandbar, die die Mischung aus Wacholderschnaps und Tonic Water nicht im Angebot hat. So gibt es das Modegetränk an Orten wie der Sunshine Bar El Sol in Son Serra de Marina in der Basisversion bereits zu Preisen unter fünf Euro.

Das schmeckt nicht schlecht, ist allerdings nicht zu vergleichen mit dem Zauber, den hauptberufliche Cocktailmixer rund um das Getränk veranstalten. "Wichtig ist es, die Zitrusfrüchte erst im letzten Moment aufzuschneiden, und ihr Aroma im Glas zu versprühen", sagt Bruno Landin von der Bar Ginbo am Paseo Mallorca in Palma.

Mit 120 verschiedenen Wacholderschnäpsen gibt es dort in einer Bandbreite von acht bis 15 Euro die derzeit wohl größte Gin-Tonic-Auswahl der Insel. Vom klassischen Beefeater oder Gordon's bis hin zum Blue Ribbon mit jamaikanischem Pfeffer oder zum Monkey47 aus dem Schwarzwald.

Die Rezeptur des Goldmedaillengewinners bei der Internationalen Gin-Ausstellung 2011 in London soll von einem ehemaligen Commander der Royal Air Force hinterlassen worden sein, der in der Nähe von Freudenstadt den "Gasthof zum Wilden Affen" betrieb. Mittlerweile hat es der Schnaps mit 47 pflanzlichen Zutaten aus dem deutschen Mittelgebirge offenbar bis nach Mallorca geschafft.

Doch auch die mediterranen Elemente kommen im Ginbo nicht zu kurz: Zur spontanen Verkostung empfiehlt Bruno Landin den katalanischen Gin Mare mit einem Feuerwerk aus Aromen wie Rosmarin, Basilikum und Arbequina-Oliven. Mit 40 Euro Handelspreis pro Flasche spielt das Produkt wie sein Pendant aus dem Schwarzwald in der Champions League der Wacholder-Spirituosen.

"Wichtig ist nicht nur der Gin, sondern auch das passende Tonic Water dazu", meint Landin und lässt die chininhaltige Limonade "1724" aus Argentinien über einen Mixerlöffel ins Glas laufen, damit sich die Kohlensäure nicht verliert. Zur Auswahl gibt es aber auch Produkte von Schweppes und Fever Tree oder ein Getränk ohne Konservierungsstoffe.

Ein Drittel Gin, zwei Drittel Limonade, so das klassische Mischungsverhältnis, das die Künstler hinter der Bar mit Zimt- und Pfefferkörnern, frischer Minze oder einem Hauch Ingwer anreichern. Auch Koriander, Wacholderbeeren oder Chinarinde stehen in kleinen Schälchen für spezielle Mixturen bereit.

Fast schon Ehrensache, dass auch die vier Wacholder-Schnäpse von den Balearen im Ginbo vorhanden sind: Der Xoriguer aus Menorca, wo die Herstellung seit britischen Zeiten Tradition hat, sowie aus Mallorca der 2011 neu kreierte Gin von der Destillerie Suau und die Sorten Son Brull und Onze von der Bodega Can Vidalet bei Pollença. Letztere bestehen nicht aus Getreidedestillat, wie es im Gin-Mutterland Großbritannien üblich ist, sondern aus mallorquinischem Weingeist.

"Onze steht dabei für die elf Inselzutaten, die wir verwenden", sagt Can-Vidalet-Önologe Paul Sonderhoff. Leider gibt es von der nicht überall erhältlichen Delikatesse nur 1500 Flaschen pro Jahr (besonders günstig direkt beim Erzeuger für 28 Euro). Die etwas teurere Son-Brull-Variante für das gleichnamige Hotel produziert Can Vidalet übrigens mit Bio-Zitronen und -Lavendel.

"Die Idee ist vor eineinhalb Jahren entstanden, auch weil Gin zurzeit in Mode ist", so Sonderhoff über das magische Getränk, das mit Tonic Water in ultraviolettem Disko-Licht bläulich schimmert. Den Zaubereffekt bewirkt das Chinin, das in den tropisch-heißen Kolonien des britischen Empire vielleicht noch mehr für seine Wirkung gegen Malaria geschätzt wurde als für den erfrischenden Bitter-Touch.

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