Mallorcas neue Gourmet-Meile

Carrer Blanquerna, Palma de Mallorca |
Die vielen Terrassen laden zum Sitzen ein, auch beim Schinkenlokal "Mariscal del Jamón".

Die vielen Terrassen laden zum Sitzen ein, auch beim Schinkenlokal "Mariscal del Jamón". Foto: pl

Die vielen Terrassen laden zum Sitzen ein, auch beim Schinkenlokal "Mariscal del Jamón".Im "Tru Italia" gibt es gehobene italienische Landweine.Antonio Hidalgo und Küchenchef Juan Antonio Daniel arbeiten unter dem Label "Reserva Ibérica".

Eine Restauranteröffnung jagt in Palmas Fußgängerstraße Carrer Blanquerna in letzter Zeit die andere. Die in der Vergangenheit eher unscheinbare Straße im Windschatten der Innenstadt entwickelt sich nach ihrem Umbau mehr und mehr zur Flaniermeile, wenn auch mit vier Jahren Verzögerung. Dafür ausschlaggebend, dass sich immer mehr Restaurateure ansiedeln, war wohl die Verbannung der Autos im Frühjahr 2013. Nach den Verschönerungsmaßnahmen im Jahr 2010 hatten Fußgänger und Motorfahrzeuge zunächst noch eine Koexistenz geführt. Mittlerweile ist die Achse aber komplett verkehrsberuhigt.

Siedelten sich in einer ersten Welle zunächst Imbissbuden, Fast-Food-Anbieter, Cafés und Konditoreien oder Eisdielen an, so scheint die Verbindung zwischen den Avenidas und dem Freizeitzentrum S'Escorxador, die von den Stadplanern als "urbane Achse" ("Eje Cívico") konzipiert wurde, mittlerweile auch für die gehobene Gastronomie interessant zu werden.

Allein im Mai 2015 haben sich zwei neue Lokale angesiedelt, die auch für ein anspruchsvolleres Publikum durchaus interessant sein dürften. Als Mischung aus Schinkenfachgeschäft und Restaurant präsentiert sich "Reserva Ibérica" im Gebäude Nummer 8. Das Konzept setzt auf feinste iberische Schinkenkeulen aus den geschützten Herkunftsregionen des Festlands von Guijuelo im Norden bis Jabugo im Süden. "Je weiter südlich, desto stärker schmeckt man den Eichelmastgeschmack heraus", sagt Inhaber Antonio Hidalgo.

Etwa 12 bis 20 Euro kosten seine 100-Gramm-Portionen, die man entweder vakuumverpackt mit nach Hause nehmen oder sich mit dem passenden Wein bei Tisch servieren lassen kann. Oder auch mit etwas Prickelnderem: "Viele wissen nicht, dass iberischer Schinken hervorragend zu Champagner passt. Wir haben diverse Sorten im Angebot", so Hidalgo, der unter einer Dachmarke beim Einkauf auf eine Kooperation mit Gleichgesinnten in Barcelona, Tokio und Hongkong zählen kann. Im Angebot sind auch Tapas, ein Tagesmenü für 10,20 Euro sowie eine Abendkarte. Küchenchef Juan Antonio Daniel hat sein Handwerk unter anderem bei Sternekoch Martín Berasetegui gelernt.

Im preisgünstigeren oberen Teil der Straße gibt es iberischen Schinken übrigens auch in einer weniger kostspieligen, wenn auch nicht ganz so qualitätsvollen Variante bei Victor Mariscal im "Mariscal del Jamón".

Italienische Genüsse will hingegen das Ende Mai eröffnete Restaurant "Tru Italia" dem Publikum nahebringen. Es handelt sich um eine Mischung aus Feinkostladen, Bistro und Restaurant. "Wir haben uns für den Standort in der Blanquerna entschieden, weil hier viele Mallorquiner unterwegs sind und wir nicht allein vom Tourismus abhängig sein wollen", sagt Einkäufer Chris Peter, der mit Inhaber Andreas Stulz nach eigenen Worten vier Jahre lang recherchiert hat. Die Ware und größtenteils auch das Personal kommen direkt aus Italien - etwa Leckereien wie Parmaschinken, Peccorinokäse oder das breite Sortiment an gehobenen italienischen Landweinen, die auf der Insel sonst nur schwer zu bekommen sind. Mittelfristig könnte laut Peter im Obergeschoss auch eine Lounge mit Kochkursen entstehen.

Was es in der Blanquerna sonst noch gibt? Etwa die traditionelle Cafeteria "Ben's" und die ebenfalls alteingesessene Bodega Blanquerna, die heute der Hausnummer entsprechend den Namen "bb.8" trägt und auf galicische Küche macht. Oder gleich zwei indische Lokale: das "Royal" und das seit 13 Jahren bestehende Taj Mahal.

Ein Verlust ist hingegen der Abgang von Spitzenkoch Marc Fosh, der neben seinem Sterne-Konzept im Zentrum auch das Tapas-Lokal "Tasca de Blanquerna" unterhalten hatte. An seiner Stelle hat sich nun die Häppchen-Kette "Lizarrán" angesiedelt. (mic)

(aus MM 23/2015)

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