Wie die Milch auf Mallorca zum Superstar wird

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Diese Kuh, die auf den Milchpackungen zu sehen ist, ist schon ein echter Insel-Star.

Diese Kuh, die auf den Milchpackungen zu sehen ist, ist schon ein echter Insel-Star.

Foto: Privat

Wie wird die Milch auf Mallorca zu einem begehrten Inselprodukt? Diese Frage stellen sich gerade hiesige Landwirte, Agrarvereinigungen und Molkereien. Der Grund: Normalerweise kaufen und verarbeiten Bars und (Hotel-) Restaurants 65 Prozent der auf Mallorca produzierten Milch.

Normalerweise. Jetzt ist Corona und die Milchbauern werden aufgrund geschlossener Betriebe ihre Milch nicht los. Um das zu ändern, prescht Mallorcas allgemeine Agrarvereinigung Agama derzeit mit plakativer Werbung voran: „Ahora más que nunca, consumamos leche de nuestras granjas” – zu Deutsch: „Lasst uns heute mehr denn je Milch von unseren Bauernhöfen konsumieren”.

Den Einzelverbraucher dazu zu bewegen, im Supermarkt zum regionalen Produkt zu greifen, statt internationale Discounterware in den Wagen zu legen, das ist das Ziel. Die Werbekampagne schmückt nicht nur viele Haltestellen der Insel, auch Campos ist auf den Zug aufgesprungen und hat seine Maifeier „Fira de Maig” ganz im Zeichen der lokalen Milch ausgerichtet. Zu Hause versteht sich.

„Ich bin sehr froh, dass wir es geschafft haben, die Fira zu den Menschen nach Hause zu bringen und mit der Initiative auch wieder mehr für die heimischen Molkereien zu sensibilisieren”, so Campos’ Bürgermeisterin Francisca Porquer Manresa zu MM. Die „Fira de Maig” ist seit 1978 ein kulturelles und gastronomisches Jahreshighlight, nicht nur für die Campos-Bewohner. In den Vorjahren strömten Mallorquiner, internationale Residenten und Urlauber zur Maimesse in den Ort nahe des Naturstrands Es Trenc, um zu Livemusik zu tanzen, heimische Gerichte zu kosten und bei der Wahl der schönsten Kuh dabei zu sein.

Nicht umsonst wird das Fest auch Kuh-Messe, also „Fira de Vaca” genannt: Neun Viehbetriebe aus Campos bringen es derzeit auf vier lokale Milchmarken. In diesem Jahr fand die Messe zwischen dem 8. und 10. Mai statt, ohne Livemusik, ohne Markt, ohne Riesenfiguren, ohne Besucher. Aber dennoch mit viel Programm: Das Rathaus hat die Kinder animiert, Bilder von Kühen zu malen und damit Fenster wie Balkone zu schmücken, ein Rind aus Pappmaché patrouillierte während der Festtage auf einem Wagen durch die Straßen und ein paar kreative Köpfe haben auf der Website der Initiative „Campos un bon pla” (zu Deutsch so viel wie: „Campos, ein guter Plan”) Videos veröffentlicht, die Molkereien, Viehzucht und die Bedeutung der Milchindustrie auf Mallorca thematisieren.

So feiert ein Ort sein Traditionsfest weiter – nur eben nicht draußen. „Die Menschen sind von der Dekorations-Aktion sogar so begeistert, dass sie diesen Programmpunkt auch bei den nächsten Maifesten beibehalten möchten”, so die Bürgermeisterin.

Begeistert von der Aktion, die Maimesse trotz Lockdown und Ausgangssperre nicht abzusagen, sind auch die Gastronomen des Ortes, wie Isabel Segura vom Restaurant Espins Can Miquel: „Jedes Jahr haben wir Spezialmenüs zum Fest angeboten und das konnten wir auch in diesem Jahr! Nur haben wir sie den Gästen eben nach Hause geliefert”, so die Gastwirtin. Zwölf Euro hat das Menü mit Kroketten, Tintenfisch, Tumbet und Nachtisch gekostet.

Ganz umsonst sind hingegen die 21 Rezepte, die vor allem einheimische Seniorinnen für die hauptsächlich digitale Maifeier bereitgestellt haben. Es handelt sich dabei um eine Likör- und 20 Süßspeisen, die sich mit (Mallorca-)Milch einfach zu Hause nachkochen lassen, wie „Gebratene Milch” mit Zimt und Vanille, oder „Ous a la neu” – die mallorquinische Variante der Schnee-Eier mit mallorquinischen Orangen, viel Zucker und natürlich mit viel Milch.

Hier geht es zu den Rezepten in Katalanisch.

Kommentar

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Majorcus / Vor 8 Monaten

Man könnte auch einfach den Import von Festlandmilch untersagen. Das stärkt die regionale Wirtschaft.

Angel / Vor 8 Monaten

Wie wird die Milch auf Mallorca zu einem begehrten Inselprodukt? Im Sinne der Kühe am besten überhaupt nicht oder zumindest nicht von Kühen, die ihr Leben lang im Stall im eigenen Kot stehen, anstelle in biologischer Freilandhaltung zu leben.