Es sind Zahlen, die einen im Jahr 2020 vom Stuhl gehauen hätten: Am Mittwoch wurden fast 4000 Neuansteckungen mit dem Coronavirus auf den Balearen gemeldet. Was für eine gigantisch hohe Zahl! Und dennoch: Der Dreikönigsumzug fand unter Auflagen, aber immerhin, statt, die Menschen stürmen teils ohne Masken die Straßen und Geschäfte.Das EU-Zertifikat, das vielerorts als Zugangsvoraussetzung verlangt wird, garantiert nicht, dass man sich nicht ansteckt. Denn mitunter wird diese Kontrollprozedur gar nicht durchgeführt.

Dass sich die Corona-Pandemie so verändert hat, dass eine Infektion kein Todesurteil mehr ist, ist der Allgemeinheit klar. Und so lebt man wie früher gruppenfixiert und laut palavernd sein Leben. Warum auch nicht? Ist man zweifach oder gar schon dreifach geimpft, merkt man von dem Virus zwar mehr oder weniger etwas, kuriert das Ganze zuhause aus, aber in die Intensivstation kommt man nicht mehr unbedingt. Die auf dem Vormarsch befindliche Omikronvariante ist auf den Balearen derzeit laut offiziellen Angaben nur mit einem einzigen Patienten dort vertreten. Sämtliche restlichen wurden von der Delta-Variante befallen.

Dennoch: Das rechtfertigt nicht die entfesselten Zustände, die man vielerorts auf der Insel beobachten kann. Eine Omikron-Infektion ist nunmal ebenfalls eine ernste Sache. Die Menschen haben ein Recht darauf, damit nichts zu tun haben zu wollen. Der Staat ist also gefordert.

Doch es passiert nichts. Nimmt man vielleicht eine stärkere Durchseuchung ohne chaotische Zustände in Krankenhäusern bewusst in Kauf, um am Ende den ersehnten endemischen Zustand auf Erkältungsebene schneller erreichen zu können? Das wäre ein nicht unintelligenter Ansatz. Doch irgend etwas zur Eindämmung müsste getan werden, vor allem um Risikopatienten zu schützen. Es böten sich geringere Auslastungen von Bars oder in öffentlichen Verkehrsmitteln an. Auch nächtliche Ausgangssperren zeigten in der Vergangenheit, dass man damit Inzidenzen nach unten bekommen kann.