Die schlechten Nachrichten über die immer höheren Zahlen der Neuansteckungen mit dem Coronavirus hören derzeit nicht auf – und nerven. Doch viele konsumieren sie beinahe täglich gebannt, entziehen kann man sich dem Thema ohnehin kaum. Wer weder Zeitung liest noch auf eine Homepage schaut, wird bestimmt von einem Bekannten über 2000, 3000, 4000 neue Fälle auf den Balearen informiert.

Um ruhig zu bleiben, hilft es, an optimistische Expertenmeinungen zu denken. Die des Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité ist so eine. Vor zwei Wochen stellte er ein Ende der Pandemie in Aussicht. „Den endemischen Zustand werden wir bis Ende des Jahres erreicht haben, wir sind praktisch da”, sagte er. Die Frage sei, ob man das Virus laufen lassen könne. Sprich: Fußballstadien wieder voll machen, Abstandsregeln fallen lassen. „Wir wissen aber nicht, ob wir uns das leisten können, angesichts der Impflücke.”

Wer dauerhaft in Spanien lebt, darf sich mehr Hoffnungen machen, dass die Verantwortlichen das Virus bald laufen lassen. Gesundheitsministerin Carolina Darias sagte, dass es „an der Zeit und notwendig” sei, Corona wie eine Grippe zu behandeln. Die Quarantänezeit wurde von zehn auf sieben Tage verkürzt, schnelle Antigentests ersetzen aufwendige PCR-Tests. Das sind unbekannte Töne einer Regierung, die auf eine unwirksame Maskenpflicht im Freien setzt.

Dennoch sind in Spanien die Voraussetzungen für den endemischen Zustand gut. Mehr als 90 Prozent der Zielbevölkerung ist geimpft. Mehr als neun Millionen Menschen haben sich landesweit infiziert, was zur Massenimmunisierung beiträgt. Das geht schneller als in Deutschland. Dort sind es zwar beinahe genauso viele Genesene, doch die Bundesrepublik hat fast doppelt so viele Einwohner.

Gegen den endemischen Zustand wehrt sich besonders die Weltgesundheitsorganisation. Der spanische Ärzteverband wiederum hält ihn für sinnvoll. Die Diskussion dürfte weitergehen. Dass auf den Balearen eine Untervariante von Omikron festgestellt wurde, ist eine weitere schlechte Nachricht. Aber keine, die beunruhigen sollte.