Die Erwartungen an das neue balearische Tourismus-Gesetz waren enorm. Es werde ein vollkommen neues Tourismusmodell begründen, hieß es vorab. Mallorca und die Nachbarinseln würden weltweit Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit, versprach Ministerpräsidentin Francina Armengol – und das nicht nur beim Thema Umwelt, sondern auch in Sachen Arbeitsbedingungen. Bei genauerem Hinsehen beschleicht einen dann jedoch rasch das Gefühl, dass es mit dem versprochenen großen Wurf doch nicht ganz so weit her ist. Die medienwirksam angekündigte Kehrtwende im Mallorca-Tourismus leitet dieses Gesetz gewiss nicht ein.

Dass die Vergabe neuer touristischer Plätze auf den Balearen nun vorerst blockiert ist und es somit keine neuen Hotels sowie Ferienapartments geben wird, ist tatsächlich radikal. Viele Investoren dürften von der Maßnahme auf dem falschen Fuß erwischt worden sein. Allerdings herrscht auf Mallorca ohnehin seit langem schon Konsens darüber, dass ein weiteres Wachstum der Urlauberzahlen nicht anstrebenswert ist – und schon gar nicht nachhaltig sein kann. Dass die Hoteliers nun verpflichtet werden, auf erneuerbare Energien zu setzen, Einwegplastik zu vermeiden und ihren CO2-Abdruck zu verringern, ist gewiss ein Schritt in die richtige Richtung. Gleichzeitig aber ziemlich halbherzig: Wasserspartasten an den Toiletten sind streng genommen eine Banalität, sollten sie doch eigentlich längst eine Selbstverständlichkeit sein auf einer Insel, die schon seit vielen Jahren über ihre Verhältnisse lebt, was die natürlichen Ressourcen angeht. Dann vielen Betrieben auch noch eine Übergangsfrist bis 2024 einzuräumen, wirkt schon fast wie Hohn.

Ungelöst bleibt trotz der großspurigen Ankündigung der höhenverstellbaren Betten in den Hotelzimmern auch das Problem der Arbeitsbelastung in vielen touristischen Betrieben. Die Servicekräfte dort fordern seit vielen Jahren effektive Kontrollen und klare Grenzen. Auch diese Erwartungen aber enttäuscht das neue Tourismus-Gesetz letztendlich.