Es hatte eines kapitalen Schlags bedurft, um das völlig aus den Fugen geratene sommerliche Urlauberleben an der Playa de Palma zu beenden: Die Corona-Pandemie ließ für zwei Jahre Ruhe in der trubeligen Gegend einkehren, weil gewisse Örtlichkeiten, die Exzesstouristen wie das Licht die Motten angezogen hatten, nicht öffnen durften. Kaum Betrunkene waren denn auch zu sehen, kaum deutschsprachige Urlauber, die sich unangemessen anzogen oder daneben benahmen.

Vorbei! Dass es dieses Jahr wieder so ungezügelt wie vor Corona zugehen könnte, ist nicht unwahrscheinlich. Oder kommt es doch anders? Partytempel wie Megapark und Bierkönig haben sich immerhin verpflichtet, allzu abgefahrene Exzesse nicht mehr zu tolerieren. Ob Penis- oder Borat-Kostüme oder nackte Oberkörper – das soll dort nicht mehr möglich sein. Man handele im Sinne der Unternehmervereinigung Palma Beach, so Megapark-Manager Carlos Lucio. Die hatte sich schon vor Corona die Zivilisierung der Urlauberzone zwischen Can Pastilla und Arenal auf die Fahnen geschrieben. Doch der Wunsch ist eine Sache und die Realität könnte eine andere sein. Dass viele, die sich früher im öffentlichen Raum so ziemlich alles erlaubten, jetzt schon ungeduldig mit den Füßen scharren, um nach Mallorca zu kommen, darf vermutet werden. Zu lang waren diese Leute halt coronabedingt auf Entzug. Und so ist es fraglich, ob es am Ballermann in diesem Sommer deutlich zivilisierter zugeht, zumal man, frei nach Carlos Lucio, nicht von den Gästen erwartet, im Anzug aufzutauchen.

Dennoch: Die Initiative des Nachtlokalverbands Abone (S. 10) ist löblich. Auch hier merkt man langsam, dass die Zeit völlig entfesselter Exzesse wohl vorbeigeht. Man setzt auf Party ohne vulgäre Einlagen. Und so ist es möglich, dass man an der Playa de Palma dieses Jahr zumindest nuancenhaft eine Zivilisierung registrieren kann. Denn war es nicht so, dass schon vor Corona Porno-Discos oder ähnliches verschwanden, um einem ansatzweise solideren Party-Geist Platz zu machen?