Am kommenden Freitag (12.08.) wird der polnisch-kanadische Pianist Jan Lisiecki im Innenhof von Schloss Bellver zusammen mit den Balearensinfonikern unter Pablo Mielgo Beethovens Klavierkonzerte Nr. 4 und 5 spielen. Kleine Einführung: Der Weg zu Beethoven

Am Anfang war das barocke Concerto grosso. Das Prinzip war ebenso einfach wie praktikabel: ein paar Leute fanden sich zusammen, in zwei Gruppen, einer größeren von bis zu 20 Musikern und einer kleineren, in der die Instrumente solistisch behandelt wurden. Und die machten zusammen Musik, spielten im Wechsel zwischen Tutti (alle) und Concertino (so nannte man die kleine Gruppe). Daraus entwickelte sich das Solokonzert, in dem nur noch 1 Instrument dem Orchester gegenüberstand. Meist war es die Violine, der der Solopart zugedacht war. Vivaldi (1678-1741) schrieb mehrere Hundert solcher Geigenkonzerte, am bekanntesten wurde der Zyklus „Die vier Jahreszeiten“. Über Vivaldis Massenproduktion spottete Igor Strawinsky, der rothaarige Priester (und Draufgänger) aus Venedig habe „500 mal das gleiche Konzert“ geschrieben. Damit traf er den Nagel auf den Kopf: die meisten dieser Barockkonzerte waren Dutzendware „von der Stange“, individuelle Züge trug kaum eines davon; selbst das Soloinstrument war austauschbar. Es war eben Unterhaltungsmusik, mal mehr, mal weniger originell.

Das änderte sich spätestens mit Mozart, seine Klavierkonzerte waren dem Instrument auf den Leib geschrieben (und ihm selber, er war ja meist Komponist und Pianist in Personalunion). Jedes seiner 27 Klavierkonzerte ist ein Individuum, einmalig und unverwechselbar. Das formale Gerüst war die von seinem Freund und Kollegen Joseph Haydn „erfundene“ Sonatensatzform. Aus dem einfachen barocken Prinzip der Aneinanderreihung war ein von Gegensätzen geprägter Dualismus geworden. Der und der Dialog, der sich zwischen Solist und Orchester abspielt, machen seine Konzerte so spannend. Das Orchester gewann zunehmend an Bedeutung, vor allem die Holzbläser führten oft eigene Dialoge oder kommunizierten mit dem Klavier. Und die Musik wurde sinfonisch: aus der einfachen Abfolge netter Melodien wurde eine raffinierte Entwicklung und Verflechtung der Themen. Unterhaltenden Charakter hatten Mozarts Konzerte immer noch, nur war es jetzt eben ein höheres Niveau, auf dem diese Unterhaltung stattfand.

Wenn Ihnen jemand erzählt, Beethoven habe das „sinfonische Konzert“ erfunden (Wikipedia zum Beispiel tut das), glauben Sie es nicht, es ist einfach nicht wahr: das war Mozart! Beethoven erkannte das und wusste es zu würdigen. Mozarts großartiges d-moll-Konzert KV466 hat er öffentlich gespielt und sogar eine Kadenz zum ersten Satz geschrieben. Die sollten Sie sich unbedingt einmal anhören. Sie werden dann verstehen, was sinfonisch bedeutet. In dieser Aufnahme mit dem großen Arturo Benedetti Michelangeli beginnt sie etwa bei Minute 11.10: https://www.youtube.com/watch?v=DDs42lqqSmc&list=OLAK5uy_mgCm5q5eRsitiJi8VTuz_X2R6BJIzo0CI&index=1

Beethoven/Michelangeli führt fort, was Mozart bereits in seiner Komposition angelegt hat: er entwickelt einzelne Motive, vor allem aus dem 1.und2.Thema, weiter und verknüpft sie miteinander. – Natürlich sind solche Kadenzen neben der Reflektion über den Satz auch dazu da, ein wenig virtuos aufzutrumpfen. Das gilt für das ganze Konzert: beide, Mozart und Beethoven, waren gefeierte Pianisten und führten ganz gern vor, was sie „drauf hatten“.

In dieser Beethovenkadenz zu einem Mozartkonzert ist bereits Beethovens eigenes Komponieren angelegt. Versuchen Sie, seine Konzerte vor diesem Hintergrund zu hören! – Zum 4.und 5. Klavierkonzert erzähle ich Ihnen demnächst mehr an dieser Stelle.