Zugegeben, ein wenig naiv mutet es schon an, wenn Juan Ferrer, Gründer der Qualitätsoffensive „Palma Beach”, davon spricht, die Urlaubermeile Playa de Palma in ein neues Mykonos verwandeln zu wollen. Aber: Jeder große Visionär war am Anfang mal „ein Spinner”. Und dass ein Wandel möglich ist, zeigen zumindest die schicken Lokale im Ibiza-Stil, die der ersten Meereslinie des „Ballermanns” bereits heute einen deutlich frischeren Anstrich geben als noch vor ein paar Jahren. Das war’s dann aber auch. Denn direkt dahinter herrscht – von den oasengleich verstreuten Fünf-Sterne-Hotels einmal abgesehen – noch der gleiche Sumpf wie eh und je. Da wird in Badelatschen und Fußballtrikots „druckbetankt”, bis sich Magen- und Blaseninhalt den Weg ins Freie bahnen und irgendwo in einer Straßenecke landen. Da werden die Nachbarn bis tief in die Nacht, im besten Fall mit Partyschlagern, im schlimmsten mit Gegröle aus heiseren Kehlen wachgehalten. Da wird sich schlicht und ergreifend – gezielt – derart die Kante gegeben, dass man nicht mehr weiß, wo oben und unten ist.

„Endlich normale Leute”, sagt Prolet Tommie zu seinem Freund Mario in dem Film „Ballermann 6” beim Anblick der eimersaufenden und sonnenverbrannten Horden an dem gleichnamigen fast schon sagenumwobenen Strandkiosk. Das Tragische ist, dass sich genau diese Einstellung in vielen Teilen der deutschen Gesellschaft – unabhängig von der sozialen Schicht – durchgesetzt hat: Es ist normal, zum Saufen nach „Malle” zu fahren! Aber genau das ist es nicht! Es ist schlicht nicht normal, an einen Urlaubsort zu kommen, um einen „Abriss” zu veranstalten, auch wenn „die Touristen ja das Geld auf die Insel bringen”, wie es so gerne heißt.

Ja, die Playa de Palma braucht einen tiefgreifenden Wandel, da hat Juan Ferrer recht. Ein mindestens genauso tiefgreifendes Umdenken muss aber bei jenen stattfinden, die schon torkelnd und mit der Musikbox auf dem Arm aus dem Flieger steigen, um auf Mallorca „steil zu gehen.” Sie müssen verstehen, dass sie eben nicht die „normalen Leute” sind.