Sabine Christiansen: Berlin als Vorbild für Mallorca?

Imagewandel und Tourismus: Fernsehjournalistin hielt Vortrag zur Zukunft der Insel

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40 Jahre Mallorca Magazin

Sabine Christiansen während ihres Vortrags "Mallorca auf dem (richtigen?) Weg in die Zukunft".

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Die TV-Moderatorin Sabine Christiansen hat der Tourismusdestination Mallorca einen ganzheitlichen Imagewandel empfohlen und als mögliches Vorbild auf Berlin verwiesen. Gerade die Bundeshauptstadt habe angesichts leerer Haushaltskassen die Krise als Chance genutzt und innerhalb weniger Jahre für sich ein ebeso neues wie positives Markenzeichen geschaffen. "Berlin ist arm, aber Berlin ist sexy", sagte Christiansen am Samstagabend in ihrem Vortrag vor balearischen Spitzenpolitikern. Die Konferenz war von der deutschsprachigen Wochenzeitung Mallorca Magazin anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens organisiert worden.

Die Bundeshauptstadt ist nach Christiansens Worten mangels Industrieniederlassungen und finanzieller Unterversorgung in einer schwierigen Lage. Dennoch haben die Verantwortlichen es verstanden, Visionen zu entwickeln. Die Bundeshauptstadt habe sich zu einem Zentrum für Eventmarketing und Kulturveranstaltungen gewandelt, das jährlich hohe Besucherzahlen und Einnahmen generiere.

Christiansens Vortrag trug den Titel: "Mallorca auf dem (richtigen?) Weg in die Zukunft". Wie die Fernsehjournalistin vor rund 500 geladenen Gästen darlegte, hat Mallorca sehr wohl das Potenzial, sich von einer gereiften Destination des Massentourismus zu einer modernen Urlaubsdestination zu wandeln. "Umweltschutz", so die TV-Lady, "hat für den modernen Tourismus höchste Priorität."

Die Insel könne durchaus einzelne Erfolge vorweisen: Hierzu zählte Christiansen die Erklärung des Tramuntana-Gebirges zum Unesco-Welterbe. Ein weiteres Plus sei die Tatsache, dass es gelungen sei, die Insel als Drehort für den Hollywood-Film "Cloud Atlas" zu positionieren. Allein die derzeitigen Dreharbeiten brächten Mallorca Einnahmen in Höhe von drei bis fünf Millionen Euro, ganz zu schweigen vom Werbegewinn für die Insel, wenn der Film erst einmal in den Kinos anlaufe.

Viele Einzelmaßnahmen wie etwa der Bau des Kongresspalastes, die Bemühungen zur Etablierung der Insel als Austragungsort für die Formel 1 oder die Potenzierung des europäischen Gesundheitstourismus auf Mallorca würdigte Christiansen als  Schritte in die richtige Richtung. Diese Aktivitäten seien allerdings ohne Koordinierung und effektivere Vermarktung nur wenig wirksam. "Das wäre dann verschenkt."

Christiansens Vorschlag an die Inselpolitiker, die wie in Berlin mit knappen Finanzmitteln zu kämpfen haben, lautete, "Gründen Sie einen Beirat". Als Vorbild nannte sie die asiatische Millionenmetropole Shanghai. In einem solchen Gremium könnten engagierte Vordenker, Fachleute und Mallorca-Liebhaber über alle politischen Grenzen hinweg gratis Anregungen geben, Diskussionen anstoßen und Visionen kreieren. "Es würde die Inselregierung auch nichts kosten, wenn sie auf diese Weise erfährt: Was denken die anderen über uns." Für die Außenwirkung eines neuen Markenimage sei es zudem hilfreich, mit nur einer Stimme zu sprechen: "Mallorca will, Mallorca plant, Mallorca hat das Ziel ..."

Tui-Vorstand Michael Frenzel griff die Anregungen Christiansens auf und plädierte ebenfalls für ein innovatives Image. "Warum nicht die Insel zum Flaggschiff des Elektroautos in Europa machen?", sagte Frenzel. Auf diese Weise könnte Mallorca sowohl seine tourismuspolitischen als auch umweltpolitischen Ziele und Ambitionen zu einer zukunftsträchtigen Initiative bündeln.

Die Mittelmeerinsel sei aufgrund ihrer begrenzten Landfläche und ihrer geographischen Lage im sonnigen Süden geradezu prädestiniert, ein Zentrum des abgasfreien Verkehrs mit Elektroautos zu werden. Dieser auch für die Fahrzeugindustrie interessante Aspekt sei geeignet, Mallorca ein modernes touristisches Markenzeichen zu verschaffen.

Nach Frenzels Worten ist die Mittelmeerinsel ein Urlaubsziel, das ganzjährig die vielfältigsten Ansprüche zu erfüllen verstünde - vom einfachen Partytourismus bis hin zum exklusiven Kultur-, Wellness- oder Luxusurlaub. Gerade diese Bandbreite sollte das neue Markenzeichen der Insel werden und das bisherige Ballermann-Image vollends ablösen. Der sogenannte Ballermann-Tourismus stelle lediglich einen kleinen Teil der Reiseangebote des TUI-Konzerns, der allein in diesem Jahr wieder zwei Millionen Menschen zum Urlaub nach Mallorca gebracht habe

An der Veranstaltung, die in einem gediegenen Rahmen im Kongresszentrum Pueblo Español stattfand, nahmen hochrangige Politiker sowie Repräsentanten der Wirtschaft und Gesellschaft teil, wie der balearische Parlamentspräsident Pere Rotger, der Delegierte der Zentralregierung für den Archipel, Ramon Socías, Palmas Tourismusdezernent und Direktor des Konsortiums zur Sanierung der Playa de Palma, Álvaro Gijón, der Präsident der Handelskammer Joan Gual, Mallorcas Bischof Jesús Murgui, der balearische Medienunternehmer Pere A. Serra, Air-Berlin-Direktor für Spanien und Portugal, Álvaro Middelmann. Unter den deutschen Gästen befanden sich der aus Madrid angereiste Botschafter Reinhard Silberberg, Filmregisser Dieter Wedel, der Musiker Paul Kuhn.

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