Der Weg ins Hundeglück

Deutsche und mallorquinische Tierschützer vermitteln unermüdlich ausgesetzte Tiere

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Mia, hier an einem norddeutschen Strand, stammt aus einem Tierheim auf Mallorca.

Genießt offenbar ihre Freiheit: Mia jagt Phoebe an einem norddeutschen Strand. Beide stammen aus einem Tierheim auf Mallorca.

Ein traurig dreinblickender Hund und eine ernste Katze schauen sich durch ein Gitter an. "No deixis que acabin així" - "Lasst nicht zu, dass sie so enden" ist darunter zu lesen. Diese Motive sind noch bis zum 14. Januar auf einigen städtischen Bussen in Palm zu sehen. Es hat schon Tradition, dass der Tierschutzverein Baldea zum Jahreswechsel auf das Elend vieler Haustiere auf Mallorca hinweist. Es handelt sich um eine Kampagne zur Sensibilisierung, dass Tiere kein Geschenk sind, das man nach den Feiertagen wieder zurückgeben kann.

Dass Haustiere auf einmal unbequem werden und aus der Familie verstoßen werden, ist immer noch Alltag auf Mallorca. Der balearische Tierschutzverein Baldea geht für 2012 von 14.000 bis 16.000 herrenlosen Tieren auf Mallorca aus. Allein die Tierheime Son Reus und Natura Park, wo Tiere aus Gemeinden ohne eigene Auffangstation landen, nehmen im Jahr knapp 9500 Hunde und Katzen auf. "Dazu müssen Sie die Tiere aus rund 100 Katzenhilfen rechnen und aus zahlreichen privaten Hundestationen", sagt Maxi Lange.

Vor einigen Jahren sei der Anteil entlaufener Tiere, die wieder von den Herrchen abgeholt wurden, noch größer gewesen, sagt Maxi Lange. Seit Beginn der Wirtschaftskrise, also etwa seit 2010, würden mehr Tiere gezielt ausgesetzt oder abgegeben, sprich: Diese Vierbeiner will niemand mehr haben. Im Jahr 2011 lag im größten Tierheim der Insel, Son Reus, der Anteil der Tiere, die von ihren Besitzern gesucht und abgeholt wurden, bei knapp über sieben Prozent.

Das bedeutet viel Arbeit für die Tierschützer, die sich darum kümmern, dass Hund, Katze und Co. zu Menschen kommen, bei denen sie willkommen sind. Und einen erheblichen finanziellen Aufwand. "An der Adoption verdienen wir gar nichts", sagt Ralf Meier. Der Deutsche betreibt in Capdepera eine kleine Auffangstation und arbeitet beim balearischen Tierschutzverein Baldea mit.

Hunde werden von den meisten deutschen Tierschutzvereinen auf Mallorca erst zur Adoption freigegeben, wenn sie einen Chip haben und geimpft sind, das verursacht Kosten. Bei Vermittlungen an eine Partnerorganisation in Deutschland muss noch der Flug bezahlt werden, je nach Größe des Tieres zwischen 30 und 75 Euro.

Erst bei der erfolgreichen Weitervermittlung komme Geld zurück, durch die Schutzgebühr von rund 300 Euro, die das neue Herrchen oder Frauchen zahlen muss. Ein Verein wie Beschützerinstinkte in München, für den auch Fernseh-Moderatorin Sonja Zietlow tätig ist, holt so rund 70 Hunde pro Jahr aus Mallorca nach Deutschland. Einer dieser Hunde ist in dieser Woche auf dem MM-Titel zu sehen.

Manchmal hilft aber auch das größte Engagement nichts. Die Stiftung Eurodogs in Sant Llorenç steht zurzeit vor dem Aus. Zwar hatte Betreiberin Veronika Meyer-Tietz viel Geld in ihre Auffangstation gesteckt, mit 7000 Quadratmetern war sie jedoch laut Gemeindestatuten zu klein. "Das Asyl ist geschlossen, die Stiftung bleibt bestehen. Es ist ein Jammer", sagt die Deutsche.

Ausgebaut wird hingegen die Auffangstation der Stiftung Natura Parc in Santa Eugènia. Für 80.000 Euro wird ein Häuschen gebaut, in dem Interessenten für eine Adoption empfangen werden können. Außerdem bekommt jeder Zwinger einen kleinen Hof, damit die Hunde Auslauf haben. Im abgelaufenen Jahr sind im Natura Parc insgesamt 2500 Tiere aufgenommen worden, darunter eine 50-köpfige Schafherde. Insgesamt habe man 830 Tiere zur Adoption freigegeben, 526 wurden an ihre Besitzer zurückgegeben.

Der Natura Parc wurde immer wieder von Tierschützern kritisiert, unter anderem, weil Privatpersonen keinen Zutritt hatten. Das werde sich ab März ändern, sagt Javier Álvarez, Mitarbeiter des Natura Parcs. Dass kranke Tiere im Natura Parc nicht behandelt würden, ein weit verbreiteter Vorwurf der Tierschützer, weist er zurück. "Wir haben keine Möglichkeiten, kranke Tiere zu behandeln, wir bringen sie aber dann zu Tierärzten. In der Regel werden hier aber keine kranken Tiere abgegeben", sagt er.

Natura Parc verwaltet auch das Tierheim von Inca und ist Anlaufstation für diverse kleinere Gemeinden, die keine eigenen Tierheime betreiben. Die "Brada"-Fahrzeuge lesen verlassene Tiere auf und bringen sie zum Natura Parc. Und ja, getötet werde hier auch, sagt Javier Álvarez. Rund 250 Tiere sind es nach Aussage der zuständigen Tierärztin pro Jahr.

Palmas Tierheim Son Reus hat von Februar bis November des vergangenen Jahres 1511 Tiere zur Adoption freigegeben, darunter 1130 Hunde, 293 Tiere wurden in diesem Zeitraum eingeschläfert, darunter 101 Hunde.

Die Tierschützer sind unermüdlich und nutzen verstärkt soziale Netzwerke. Bei Facebook hat sich eine Gruppe gegründet, die über alle zur Adoption stehenden Tiere aktuell berichtet, sie hat mittlerweile mehr als 13.000 Mitglieder. Auf die Möglichkeit, ein Tier kurzzeitig aufzunehmen, bis es sein neues Herrchen oder Frauchen abholt, weist Tierschützerin Sarah Schell hin. "Das ist eine gute Lösung für Menschen, die helfen wollen, aber selbst langfristig keinen Hund aufnehmen können." Diese Tier-Patenschaft läuft nur über einen begrenzten Zeitraum, eben so lange, bis das Tier an den neuen Besitzer übergeben wird. "Jede Hilfe ist willkommen und wirksam", sagt Schell.

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