André Eisermann und die Leidenschaft des Schauspielers

"Du musst da raus - das ist der Kick"

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André Eisermann am Hafen von Port d'Andratx.

André Eisermann am Hafen von Port d'Andratx.

Foto: Susanne Petersen

Er habe Spaß an der Verwandlung, sagt André Eisermann: "Ich liebe es, wenn ich jemand anderes bin." Oder auch etwas anderes: Bei den Berliner Jedermann-Festspielen im Dom am Lustgarten wird der Schauspieler im Oktober in der Rolle des Mammon zu sehen sein. Wie personifiziert man Geld? André Eisermann macht das über und über mit Gold besprüht, bekleidet nur mit "goldener Hose und goldenen Schuhen".

Jedermann, der stirbt, wolle "das Geld ja mitnehmen", so wie viele Leute das Geld im wahren Leben nicht ausgeben, sondern behalten wollen, sagt André Eisermann. Und springt als Mammon durchs Publikum, "baggert die Leute an", verführt sie, "erschreckt sie". Und wenn er so erzählt, ist sie sofort präsent, diese Leidenschaft und Begeisterung, die ihn fürs Theater einnimmt: "Ein Schauspieler muss auf die Bühne. Da übt er sein Handwerk aus - körperlich präsent, stimmlich und sprachtechnisch."

Genau wie gerade beim MM-Interview in Port d'Andratx - auch da eine intensive Präsenz, die sich in jeder Formulierung, bei jedem Thema Raum schafft. André Eisermann "spricht" weniger, er fabuliert, rezitiert, geschliffen jede Formulierung - und durchdacht. "Egal" ist ihm gar nichts - ob es nun ums "Mittelmaß" geht, das das heutige Fernsehen ausmache, oder - am anderen Ende der "Gefühlsskala" - seine Reiseerlebnisse auf der "MS Europa" in die Südsee oder Antarktis: "Als ich im ewigen Eis Pottwale beobachtete, dachte ich: Wer das nicht gesehen hat, hat die Welt nicht erlebt."

Ein Projekt müsse ihm die "Chance einer neuen Erfahrung" geben, etwas zu lernen, zu entdecken. Erzählt er mit lebhafter Gestik, während sein Blick über den Hafen von Port d'Andratx hinaus ins Weite schweift. Stets von "kreativer Unruhe" erfüllt und angetrieben, hat André Eisermann vor rund sieben Jahren mit seinem Lebensgefährten einen "Ruhepol" in seinem Domizil in Cala Llamp gefunden. Da, lacht er, führe er, der sonst "Nachtmensch" ist, ein völlig anderes Leben: Früh aufstehen etwa, um ja nicht den Sonnenaufgang zu verpassen.

Mit Intendant Dieter Wedel, mit dem ihn auch die Liebe zu Mallorca verbindet, hat er just die Nibelungen-Festspiele in seiner Geburtsstadt Worms - André Eisermann als Kaplan - erfolgreich beendet. An verschiedenen Drehbüchern - teils mit Inselthematik - arbeitet auch Eisermann, Details will er aber noch nicht verraten.

Apropos Wedel: Das sei auch so einer, der den Menschen "etwas zu kauen" geben möchte mit seinen Inszenierungen, zum Nachdenken, zum Reiben - und "keinen Brei, den sie nur schlucken sollen". Auch als Schauspieler habe man Verantwortung, deshalb geht er mit Lesungen - Goethes "Die Leiden des jungen Werther" - an Schulen, wo er die Kids nicht selten erstmal vom "Smartphone" weglocken muss: "Ich kann andere nur mit dem bewegen, was mich selbst bewegt."

Sein Handy klingelt, Mutter Karin ruft aus Worms an: "Da wohne ich immer während der Nibelungen-Festspiele", sagt er. Eine "tolle Mutter" habe er, überhaupt sei er dankbar, immer klarer zu sehen, was ihn glücklich mache in seinem Leben: "Familie, Freunde, Gesundheit - und dass ich machen kann, was mir Spaß macht und damit mein Geld verdiene." Viele Menschen seien ja wie Fische im Ozean: "Alles ist da, aber sie haben immer Durst." Sie suchten nach dem, was sie nicht hätten: "Statt zu sehen, was ihnen alles geschenkt ist."

Ein Vertrauen, mit dem André Eisermann immer wieder neu auf die Bühne und ins Leben springt. Angst vorm Scheitern? Die sei dazu da, überwunden zu werden, sagt er: "Jedesmal wenn du hinter der Bühne wartest, dass der Vorhang aufgeht. Du kannst nicht zurück, du musst da raus - das ist der Kick, der Thrill."

ZUR PERSON:
ANDRÉ EISERMANN

1967 in eine Schaustellerfamilie hineingeboren. Selten länger als zwei Wochen an einem Ort: "200 Schulwechsel in neun Jahren". 1988: Beginn der Schauspielausbildung an der Münchener Otto-Falckenberg-Schule. Bei den Salzburger Festspielen ist er der Puck in Shakespeares "Ein Sommernachtstraum". Leinwanddebüt 1991 in Peter Timms Komödie "Go Trabi Go", gefolgt von Martin Weinharts Drama "Durst". Er spielt in Dieter Wedels ZDF-Zweiteiler "Papa und Mama", erhält für die Titelrolle in Peter Sehrs "Kaspar Hauser" Auszeichnungen auf der ganzen Welt. "Schlafes Bruder", in dem er den Musiker Johannes Elias Alder verkörpert, wird für den Golden Globe nominiert. Er arbeitet u. a. mit Michael Haneke, Joseph Vilsmaier, Ruth Berghaus, Jürgen Flimm, Paulus Manker, Leander Haußmann und George Tabori.

 

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