Eine ganz andere Welt

Mit Akribie reinigt Angel Rodriguéz frühmorgens den Strand von Illetes

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Angel Rodriguéz: Den Strand von Illetes "reinigt" er nicht einfach – er kreiert  fast ein kleines Kunstwerk.

Angel Rodriguéz: Den Strand von Illetes "reinigt" er nicht einfach – er kreiert fast ein kleines Kunstwerk.

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Angel Rodriguéz: Den Strand von Illetes "reinigt" er nicht einfach – er kreiert  fast ein kleines Kunstwerk.Angel Rodriguéz: Den Strand von Illetes "reinigt" er nicht einfach – er kreiert  fast ein kleines Kunstwerk.

Morgens, um sechs Uhr dreißig, ist die Welt noch in Ordnung. Dann, kurz vor Sonnenaufgang, beginnt Angel Rodriguéz in der kleinen Bucht von Illetes sein Werk: Er reinigt den Strand.

Wobei: "Reinigen" trifft es eigentlich nicht. Wie er, konzentriert und mit großer Sorgfalt, den Rechen Reihe für Reihe durch den feinen, hellen Sand zieht, das hat schon fast etwas Künstlerisches - und Meditatives. Und tatsächlich empfindet der gebürtige Palmesaner, 57, ähnlich: "Auf jeden Fall eine sehr befriedigende Tätigkeit," lächelt er.

Der "Vorher-Nachher-Effekt" ist gewaltig: Wo zuvor Unordnung und meist auch ein wenig Müll vom Vortag das Bild bestimmen, erfreut gut eine Stunde später ein "frisch gekämmter", goldgelber Sandstrand das Auge. Danach macht sich Angel - mit nicht weniger Akribie - daran, die 16 grünen Liegen, die zuvor abgebürstet werden, fein säuberlich in einer (leicht ovalförmigen) Reihe zu drapieren.

Danach steht noch der Aufbau des Terassenmobiliars im Chiringuito nebenan, dem "Bogambelia", auf seiner Agenda - aber der erste Teil seiner Arbeit gefällt ihm am besten: "Diese Stille hier morgens, man hört fast nur die Meereswellen." Und ab und an eine Seemöwe schreien oder eine Taube gurren - denn beide kommen gern herbeigeflogen, um zu schauen, ob Angels "Pflugarbeiten" im Sand nicht den einen oder anderen Leckerbissen für sie freilegen.

Er sagt es nur auf Nachfrage: Aber ja - besonders freue ihn, wenn es er schaffe, zum Schluss einen Blick auf "seinen fertig gekämmten" Strand zu werfen - bevor die ersten frühen Badegäste ihre Fußspuren darin hinterlassen. Aber nur im April, zu Saison-Beginn, sei ihm das schon mal gelungen: "Ein schöner Anblick."

Die meisten Menschen, die frühmorgens schon zum Schwimmen kämen, zeigten aber Respekt vor seiner Arbeit: "Sie gehen bewusst den kürzesten Weg von der Holzrampe ins Meer." Nur einmal sei eine Señora so lange hin und her, kreuz und quer, durch sein frisch gepflügtes "Strandbeet" gelaufen, dass er sie gefragt habe, warum. "Der Strand gehört allen," habe sie geantwortet. "Ich kann gehen, wo ich will."

Heute lacht Angel darüber. Die Arbeit gefalle ihm - auch als Ergänzung zu seinem Kellner-Job, den er zusätzlich täglich von 14 bis 22 Uhr in der Bar "Bolerito" in Calamajor mache: "Hast, Lärm, Stress - eine ganz andere Welt." Freude habe man ja doch eher an den kleinen Dingen, findet er. Und erzählt, wie ein morgendlicher Strandbesucher ihm an seinem letzten Tag zu Saison-Ende im Oktober einen Umschlag in die Hand gedrückt habe: "Fünf Euro für einen Café und ein Foto von Strand." Das hängt jetzt in Angels Wohnzimmer: "Als Erinnerung an ein nettes Dankeschön."

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