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Die Idee von einem gemeinsamen Flug rund um die iberische Halbinsel bis nach Mallorca kam Jörg Trauboth in der Luft. 2500 Flugstunden hat der ehemalige Oberst im Generalstabsdienst bereits in seiner kleinen Privatmaschine absolviert. Weitere 2000 Stunden hat Trauboth als Navigator von Tornados und Phantom-Fliegern hinter sich. Bis zum 50. Lebensjahr steuerte der heute 70-Jährige die Kampfflieger im Auftrag der Bundeswehr. Dass man danach nicht mehr loskommt von der Fliegerei, leuchtet ein.

Vor zehn Jahren kaufte sich der erfahrene Pilot und Mallorca-Pendler eine "AA5B Grumman Tiger". Die schmucke, viersitzige Propellermaschine, Baujahr 1974, ist komplett renoviert, neu lackiert, mit einem funkelnagelneuen Motor ausgestattet und voll für den Instrumentenflug ausgerüstet. "Das gibt mir eine größere Unabhängigkeit, denn viele dieser Leichtflugzeuge können nur bei guter Sicht fliegen." Heute fliegt Jörg Trauboth mit seiner "Grumman" mehrmals im Jahr von Bonn nach Mallorca, absolviert rund 150 Flugstunden pro Jahr und verbringt zusammen mit seiner Frau Martina mindestens drei Monate in seinem Haus in Son Servera.

Zu verdanken hat er diesen Luxus harter Arbeit. Denn nach dem Ausscheiden bei der Bundeswehr machte sich Jörg Trauboth in einer zweiten Karriere als Krisenmanager für Unternehmensbedrohungen selbstständig. Mit seiner Firma "Trauboth Risk Management" stand er jahrelang sowohl internationalen Wirtschaftsunternehmen als auch Privatpersonen bei; wenn es beispielsweise um Erpressung oder Entführung ging, machte sich als Berater für Präventions- und Bewältigungsstrategien bei kriminellen Angriffen auf Unternehmen einen Namen. Dann verkaufte er seine Firma und widmet sich seitdem wieder der Fliegerei.

Rund 1000 "Grummans" gibt es weltweit. Der Pilotenverband AYA (American Yankee Association), in dem unter anderem die Flieger dieser Modelle zusammengefasst sind, organisiert jedes Jahr ein Treffen in den USA und eines in Europa. "In diesem Jahr haben wir uns in England getroffen", sagt Jörg Trauboth, und von dort aus habe er endlich einen lang gehegten Plan verwirklichen können: einen gemeinsamen Flug rund um die Iberische Halbinsel bis nach Mallorca.

Drei weitere Grumman-Teams waren schnell gefunden. "Ich rief einige Flieger-Kollegen in Norwegen, Deutschland und der Tschechischen Republik an, und alle sagten sofort zu." Das Projekt "Iberia" war geboren, frei nach dem Motto: "Einmal im Leben sollte jeder Flieger mit Freunden eine Mittelmeer-Tour erlebt haben."

Mit von der Partie: Sverre Staalem und Gunnar Folmo aus Norwegen, Carsten Korff und Sven Kröger aus Itzehoe, Sepp Reitter und Holger Sötje, ein deutsches Fliegerteam mit Wohnsitz in der Tschechischen Republik, sowie Organisator Jörg Trauboth nebst Copilot Hans Voss aus Bonn.

Am 9. Juni starten die tollkühnen Flieger in ihren Grummans (drei Tiger und eine Cheetah) im englischen Sywell, Ziel der von Trauboth akribisch geplanten Tour ist Mallorca. Mit einer durchschnittlichen Flughöhe von 700 Metern geht's zunächst Richtung Südfrankreich, Stationen sind unter anderem Jersey, La Rochelle, Santander, Porto, Evora und Portimao in Portugal sowie Granada. Von dort startet die Truppe dann die letzte Etappe bis zur Landung auf dem Flughafen Son Bonet, wo alle am 15. Juni wohlbehalten ankommen.

"Alle drei bis vier Stunden haben wir Zwischenstopps zum Tanken eingelegt, denn die ,Grummans' verbrauchen rund 40 Liter Sprit pro Stunde. Bei einem Tankvolumen von 160 Litern kommt man nicht weiter", erklärt Trauboth. Für Notfälle habe er deshalb Schlauchboot und Rettungsweste an Bord. "Aus der Höhe kann man bei Motorausfall nur wenige Kilometer gleiten. Im Fall der Fälle würde ich versuchen, neben einem Schiff auf dem Wasser zu landen."

Notsitautionen gab es auf der Reise keine, dafür umso mehr erlebnisreiche Augenblicke, bei der die vier Maschinen stets in Sichtkontakt flogen.

Atemberaubend sei die Tour für alle gewesen, denn bei der relativ niedrigen Flughöhe seien spektakuläre Ausblicke auf die iberische Halbinsel möglich gewesen. Höhepunkte der Reise: der Tiefflug über Gibraltar sowie der Anflug auf Palma mit einem tollen Blick auf die Kathedrale. "Ich wollte meinen Fliegerkollegen vor allem auch diese schöne Insel zeigen, auf der wir aus Sicherheitsgründen nicht höher als 330 Meter fliegen dürfen und bis auf 80 Meter runter gehen können." Kommentar des Norwegers Sverre, der vor der Tour noch nie außerhalb seines Landes geflogen war: "Nach dieser Tour bin ich ein anderer Pilot geworden."

Trauboth selbst steuert nach ein paar Mallorca-Tagen seine Grumman wieder nach Bonn, wo er sich inzwischen leidenschaftlich für die Notfall-Seelsorge Bonn-Rhein-Sieg engagiert. "Das ist die ehrlichste und tiefgreifendste Begleitung, die ich jemals gemacht habe. Wenn ich aus einem Fall raus bin, weiß ich jedesmal wieder neu, wie schön das Leben ist." Jörg Trauboths Lebensmotto ist deshalb: "Die Zukunft ist jetzt."

(aus MM 26/2014)