Kreative Kleinbrauereien

Ein Buch beschreibt den Bierboom der letzten Jahre

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Sergi Freixes hat sich auch mit Mikro-Brauereien auf den Mallorca beschäftigt. Fotos: Freixes/Larousse

Das Buch über Kleinbrauereien ist ein Bestseller.

Die Autoren Albert Punsola und Sergi Freixes aus Barcelona haben auf dem spanischen Buchmarkt mit einem Bierthema den Überraschungserfolg des Jahres 2014 gelandet. Ihr Titel "El Mundo de la Cerveza Artesanal" ("Die Welt der handwerklichen Bierherstellung") ist in der Amazon-Bestsellerliste auf Position zehn gelandet und rangiert beim Larousse-Verlag unter den meistverkauften Büchern auf Platz vier.

Offenbar gibt es reges Interesse an den etwa 160 Kleinbrauereien im Land, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. 50 ausgewählte Mikro-Betriebe haben die Autoren auf 200 Seiten porträtiert, drei davon auf den Balearen. "Wir waren mindestens 5000 Kilometer mit dem Auto unterwegs. Dazu kamen Flüge und Zugfahrten", so Freixes im MM-Gespräch.

Anders als der Titel vermuten lässt, geht es weniger um Bierherstellung als um Biergenuss - bis hin zu Bewertungsbögen für die Verkostung der Produkte, die teilweise als Gourmet- und Lifestyle-Getränke verkauft werden. Laut Sergi Freixes rangieren die Preise für eine Flasche zwischen 1,50 Euro und 30 Euro. Letzteres rechtfertigt er mit der Reifung im Barrique und vergleicht es mit einem guten Wein, für den ja unter Umständen auch Tausende von Euro bezahlt werden. Sogar spezielle Dunkelbiere, die auch zum Dessert passen, hätten die spanischen Kleinbrauer mittlerweile im Angebot.

Ausgegangen ist der kleine Boom kurz nach der Jahrtausendwende von Katalonien, wo mit "Glops" in L'Hostalet de Llobregat in einem alten Fabrikgebäude die erste Hausbrauerei des Landes entstanden ist. Bis heute sei die Dichte der Kleinbrauereien in der innovativen und wirtschaftsstarken Region um Barcelona die höchste, sagt Freixes. Das hat offenbar auch auf das sprachlich und kulturell verwandte Mallorca abgestrahlt, wo es inzwischen mindestens acht Kleinbrauereien gibt, und zwar in Alaró (MYQ Mayurqa), Alcúdia (BeerLovers), Algaida (Cervesa des Pla), Felanitx (Talayotika), Galilea (Cas Cerveser), El Molinar (Forastera), Palma (Tramuntana) und Sóller (Sullerica). Ein weiteres großes Projekt in Santa Maria ist in Vorbereitung. Zudem liefert der Journalist und Hobbybrauer Miquel Piris seine in Barcelona hergestellte Marke "Piris" seit August nach Mallorca. Besonderen Geschmack gefunden hat Sergi Freixes an der originellen Variante "Sullerica Recepta Original" mit einem Hauch Rosmarin und Zitrone sowie am "Red Ale" der Firma Sa Bona Birra von der Nachbarinsel Menorca, die er für besonders professionell hält - ohne sich zum Preisrichter aufspielen zu wollen: "Uns ging es auch nicht um Vollständigkeit, sondern um eine repräsentative Auswahl mit verschiedenen Ideen."

Von vorne herein aussortiert habe man lediglich Biere wie "Ibosim" aus Ibiza, das zwar mit großem Aufwand als Inselbier vermarktet wird, in Wirklichkeit aber auf dem Festland gebraut wird.

Ob eigentlich jeder das Zeug zum Brauer hat? Sergi Freixes bezweifelt es: "Einige machen leider kein gutes Bier, und bringen die anderen in Verruf", meint Sergi Freixes. Was dann wiederum dazu führen könne, dass die Branche teilweise nicht ganz ernst genommen wird und oft auch Schwierigkeiten mit der Gewerbelizenz für die Lebensmittelherstellung bekomme. Der katalanische Kleinbrauerverband Gecan versucht mit der Entwicklung von Qualitätsstandards entgegenzuwirken. Angehenden Bierherstellern empfiehlt Freixes im Übrigen die Zusammenarbeit mit professionellen Experten. "Lernen kann man es natürlich auch durch jahrelanges Experimentieren im Freundeskreis oder mit einem Braukurs in Ländern wie Deutschland und Belgien", sagt er.

(Aus MM 39/2014)

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