Gründgens gab die Richtung vor

| Portals Nous, Mallorca |
Christiane Armbrecht genießt jeden Tag aufs Neue den Blick von ihrem Balkon.

Christiane Armbrecht genießt jeden Tag aufs Neue den Blick von ihrem Balkon.

Christiane Armbrecht genießt jeden Tag aufs Neue den Blick von ihrem Balkon.Die einstige Schauspielerin als Angela in "Die Mädels vom Immenhof" mit ihrer Film-Oma Margarete Haagen.Ein Flyer des Films "Der Froschkönig", in dem Christiane Armbrecht die Prinzessin spielte.

Es ist 60 Jahre her: 1955 kam der Film "Die Mädels vom Immenhof" in die deutschen Kinos, weitere Immenhof-Abenteuer folgten. Sechs Jahrzehnte sind eine lange Zeit. Viele der damaligen Darsteller leben längst nicht mehr. Aber auf Mallorca ist ein Stück "Immenhof"-Geschichte sehr lebendig. Denn die Insel ist die Heimat von Christiane Armbrecht. Und die rüstige alte Dame hat damals eine Hauptrolle gespielt.

Christiane Armbrecht war im ersten Teil der Reihe Angela, die ältere Schwester von Dick (Angelika Meissner) und Dalli (Heidi Brühl). In den weiteren Filmen tauchte sie nicht mehr auf. Dabei hatte Christiane König, so ihr damaliger Name, einen Drei-Jahres-Vertrag mit der Filmfirma. Sie war eigentlich für die Hauptrolle in "Liane, das Mädchen aus dem Urwald" vorgesehen, durch die dann aber Marion Michael berühmt wurde. "Ich sollte die Geliebte des Produzenten werden, doch ich sagte, das kommt für mich gar nicht in Frage. Dann haben die mich ausgebootet und den Vertrag gekündigt", erinnert sich die 82-Jährige, die in Portals Nous lebt. Einen Prozess vor dem Arbeitsgericht hat sie zwar gewonnen, die Türen ins Filmbusiness blieben der jungen Frau fortan aber weitgehend verschlossen. Und die "Immenhof"-Rolle war eine einmalige.

Filmstar - das war eigentlich auch gar nicht das berufliche Ziel der Hamburgerin. Man musste sie sozusagen zu ihrem Glück zwingen. "Der Tanz, das war mein Leben", meint die Frau, die auch heute noch verrückt ist nach Musik. "Ich habe schon als Kind immer getanzt. Auch in Kriegszeiten. Die Bomben habe ich gar nicht so wahrgenommen, ich habe sie übertanzt." Schon mit zwölf begann Klein-Christiane eine Tanzausbildung an der renommierten Schule von Lola Rogge, später hatte sie dann ein Engagement am Hamburger Schauspielhaus. Intendant war damals der große Gustaf Gründgens, der sie eines Tages zu sich bestellte und ihr Leben in eine neue Richtung lenkte. "Er sagte zu mir, dass er meine Ausdruckskraft sehe und ich unbedingt Schauspielunterricht nehmen müsse." Das wollte Christiane nicht. "Der Tanz war für mich damals der Inbegriff des Lebens." Doch als sie vom Schauspielhaus ein Stipendium angeboten bekommen hat, konnte Christiane nicht mehr nein sagen.

"Die Mädels vom Immenhof" war der bekannteste Film von Christiane Armbrecht. Sie wirkte aber auch in weiteren mit, wie zum Beispiel "Der Froschkönig", "Musik, Musik und nur Musik", "Ich zähle täglich meine Sorgen" oder in der TV-Produktion "Am Abend ins Odeon". Außerdem hatte die Schauspielerin Engagements an verschiedenen Theatern.

Doch eines Tages war Schluss mit der Karriere. Christiane änderte ihr Leben radikal. Der Liebe wegen. 1963 heiratete sie Austin Armbrecht, der auf Ibiza ein Hotel betrieb, und zog zu ihm. Den Mann hatte sie einige Jahre zuvor im Urlaub kennengelernt. Während man Mallorca seinerzeit in Deutschland schon kannte, war Ibiza noch ein weißer Fleck auf der Landkarte.

Nach ihrer Hochzeit stand Christiane Armbrecht nur noch einmal während eines Gastspiels in Hamburg auf der Bühne. Der Schauspielerei sagte sie damals "Adiós".

Es folgten die Geburt von Tochter Lilian und Jahre als Gastgeberin für Touristen, die in Ferien-Apartments der Familie Urlaub machten. Hat Christiane die Schauspielerei eigentlich nie vermisst? "Nein, wirklich nicht. Die Gästebetreuung war für mich wie Theater."

Etwas fehlte Christiane Armbrecht auf Ibiza dann aber doch: "Kultur, Konzerte, Ballett. Ich wollte auch im Winter mehr Leben haben. Auf Ibiza ist dann tote Hose." Also verkaufte die Ex-Schauspielerin ein paar Jahre nach dem Tod ihres Mannes das Haus, ging aber nicht, wie viele im Umfeld vermutet hatten, zurück nach Hamburg, sondern wurde auf Mallorca fündig.

Als sie 1993 ihre Wohnung mietete, waren ihr Lage und Infrastruktur wichtig. Und ganz besonders der Blick aufs Wasser. "Wenn ich morgens aufwache und diese Aussicht sehe ... Das ist mein Leben."

(aus MM 15/2015)

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