Wie die ersten Mallorca-Urlauber Sonne und Meer suchten

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Günter Stalter 1967 als Reiseleiter bei einer Feier mit Wintergästen im Hotel Costa Azul in Palma.

Günter Stalter 1967 als Reiseleiter bei einer Feier mit Wintergästen im Hotel Costa Azul in Palma.

Günter Stalter 1967 als Reiseleiter bei einer Feier mit Wintergästen im Hotel Costa Azul in Palma.Günter Stalter in seinem Garten.

Am ersten Arbeitsplatz von Günter Stalter auf Mallorca sind schon Millionen deutsche Urlauber vorbeigekommen. Das Hotel Arenal Park eröffnete am 15. April 1966. Heute heißt es Playa Park und liegt am oberen Ende der berühmt-berüchtigten "Schinkenstraße". Dort hatte der damals 28-jährige Deutsche aus der Pfalz, den heute viele von den beliebten Touren des "Residententreffs" kennen, als Rezeptionist angefangen. Ein Jahr später wurde Günter Stalter Reiseleiter beim britischen Unternehmen Sky Tours und stieg bald darauf zum Chefreiseleiter für den Osten und Norden Mallorcas auf. Einen Job, den der polyglotte Touristiker fast vier Jahrzehnte ausfüllte.

Auf diese Weise hat Günter Stalter den Wandel des Fremdenverkehrs von der Geburt des Massentourismus bis heute aktiv miterlebt und mitgestaltet. Zieht der Ruheständler den Vergleich vom Heute zur Vergangenheit, dann muss er häufig konstatieren: "Es war anders, die Zeiten waren andere ..." Stalter macht die Veränderungen an konkreten Beispielen deutlich. "Damals gab es noch keine Koffer mit Rädern." Wer verreiste, schleppte das Gepäck. Nach der Ankunft am Flughafen und für die Fahrt ins Hotel "kamen die Koffer auf die Busse".

Man stelle sich die Knochenarbeit vor, wenn das Gepäck auf das Dach geschafft werden musste. Aber damals war für die Bewältigung der Besuchermassen viel mehr Personal im Einsatz; auch in den Hotels: "Es gab Kof-ferträger, Schuhputzer, Liftboys, Weinkellner ..." Mallorca hatte gar nicht genug Arbeitskräfte, um den Bedarf zu decken. So wurden Festlandspanier angeheuert.

Ein Telefonat von Cala Millor nach Palma sei damals ein Abenteuer gewesen, geschweige denn ins Ausland, erinnert sich Stalter. Es gab keine Kreditkarten und Bankautomaten. Wenn Stalter einmal die Woche die Einnahmen seiner 32 Mitarbeiter für die verkauften Ausflüge erhielt, deponierte er das Geld für die Nacht unter dem Korb seiner Bulldogge, bis am nächsten Tag die Bank öffnete. "Der Hund war mein Tresor."

Die Ausflüge, die gefragt waren: Fahrten nach Formentor und Valldemossa, zu den Drachenhöhlen, zum großen Barbecue auf der Finca Son Amar, Palma bei Nacht inklusive Tito's, Trocadero und Casa Oliver, wo Folkloretänze dargeboten wurden. Man habe viel für die Gäste getan. Stalter organisierte Kutschfahrten für die Hotelgäste zum Samstagsmarkt auf den Avenidas oder Gewinnspiele in den Hotels.

"Mallorca war für die Erstbesucher viel exotischer. Heute sind die Leute erfahren", bilanziert der Reiseleiter. Nur eines habe sich nicht geändert. "Die Menschen suchten die Sonne und das Meer. Das ist heute noch der Hauptgrund für Mallorca-Reisen."

(Der Bericht ist Teil des Themas der Woche im neuen MM. Die vollständige Berichterstattung lesen Sie in der jüngsten Ausgabe (52/2015), erhältlich am Kiosk auf Mallorca, sowie an den Bahnhöfen und Flughäfen in Deutschland; oder auf E-Paper.)

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