15 Dinge, die Sie über Mallorcas Prozessionen wissen sollten

Mallorca |
Die Kopfbedeckung der Bußgänger hat nichts mit dem Ku-Klux-Klan zu tun.

Die Kopfbedeckung der Bußgänger hat nichts mit dem Ku-Klux-Klan zu tun. Die spitzen Kapuzen gehen auf die Zeit der Inquisition zurück.

Foto: Foto: Teresa Ayuga

Welche ist die bedeutendste Prozession auf Mallorca?

Diese Antwort wird je nach Gemeinde sicherlich unterschiedlich ausfallen. Gemessen an der Zahl der Teilnehmer und der Verehrung der Heiligenfigur ist jedoch sicherlich die Prozession des Sant Crist de La Sang am Gründonnerstag in Palma der bedeutendste Umzug. An der Prozession nehmen 33 Bruderschaften mit insgesamt rund 5000 Büßern teil. Den Abschluss bildet die Bruderschaft mit der bedeutendsten Figur, dem Crist de La Sang.

Warum ist diese Figur so bedeutend?

Ihre Verehrung geht auf die Gründung des Hospital General nebst zugehöriger Kirche in Palma im Jahr 1456 zurück. Zu dieser Zeit verbreitete sich die Heilig-Blut-Verehrung in ganz Europa. Es hieß, dass Gebete im Gedenken an die fünf Wunden Christi am Kreuz vor einem plötzlichen Ableben und einem Tod ohne Sterbesakramente schützten.

Wie kam diese Figur auf die Insel?

Mit der Gründung der Cofraria de la Preciosíssima Sang de Nostre Senyor Jesucrist, der Bruderschaft des kostbaren Blutes unseres Herrn Jesus Christus des Hospital General, wurde dieser Kult 1552 auch auf Mallorca heimisch. Seit 1564 verlässt der Crist de La Sang am Abend des Gründonnerstag seine Kapelle. Die Historiker nehmen an, dass aus diesem Anlass die heute noch existente, mannsgroße Christusfigur aus Korkeichenholz geschaffen wurde.

Welchem Zweck diente diese Prozession ursprünglich?

Bei der Prozession sammelte die Bruderschaft Almosen. Sie wurden an Bedürftige und Kranke verteilt und zur Instandhaltung des Krankenhauses und der Kapelle de La Sang verwendet. Noch im gleichen Jahrhundert schlossen sich Büßer der Zünfte dem Umzug an.

Waren diese Umzüge wie heute?

Für heutige Verhältnisse mussten die Prozessionen ein seltsames Bild abgegeben haben: Bis in das 18. Jahrhundert hinein peitschten sich Männer und Frauen auf dem Weg vom Hospital zur Kathedrale den Rücken blutig, während am Straßenrand Händler Konfekt und Konfitüren verkauften.

Wer nimmt heute an Osterprozessionen teil?

Ganz normale Menschen, die sich in Cofraríes, also Bruderschaften, zusammengeschlossen haben. Sie nennen sich Nazarenos oder Penitentes, Nazarener oder Büßer. Die meisten Bruderschaften führen einen oder mehrere Pasos mit, geschmückte Wagen oder Bahren mit Marienfiguren oder Darstellungen aus der Leidensgeschichte Christi.

Wie viele Pasos gibt es in Palma?

An Gründonnerstag werden die Schaulustigen insgesamt 37 Pasos zu Gesicht bekommen. Zum Teil enthalten sie wertvolle Figuren. Der Paso des "Crist de la Bona Mort" (Christus des guten Todes) der Calatrava-Bruderschaft zum Beispiel besteht aus fünf Figuren mit goldbestickten Tuniken, darunter einem geschnitzten Jesus, der Ende des 16., Anfang des 17. Jahrhundert geschaffen wurde. Nur wenige Bruderschaften tragen ihre Figuren auf Bahren, wie es in Andalusien Brauch ist.

Warum vermummen die Büßer ihr Gesicht mit einer Spitzmütze und Gesichtsmaske?

Dieser Brauch hat nichts mit dem rassistischen Ku-Klux-Klan zu tun, sondern geht auf die Inquisition zurück. Damals mussten verurteilte Ketzer Büßerhemden und einen Spitzhut tragen, um sich als Sünder kenntlich zu machen. Diesen Brauch haben später die Bruderschaften übernommen. Allerdings verstecken sie ihr Gesicht hinter einem Stoffvorhang mit Augenschlitzen. Dadurch konnten sie offen Buße tun, ohne ihre Identität preisgeben zu müssen.

Tun die Prozessionsteilnehmer heute auch noch Buße?

Ja, tatsächlich nehmen manche Büßer die stundenlange Prozession sogar barfuß auf sich oder befestigen gar schwere, lange Eisenketten an den Fußgelenken und ziehen sie hinter sich her. Es gibt aber auch Teilnehmer, die weniger aus religiösen Gründen in die Büßerkutte schlüpfen, sondern eher weil sie eine kulturelle Tradition lebendig halten wollen. Grundsätzlich gilt: Die Prozession ist eine ernsthafte Angelegenheit, entsprechend respektvoll sollten sich die Zuschauer verhalten. Lebhafte Gespräche, lautes Lachen und das Laufen durch die Reihen der Bußgänger sind unangebracht.

Was ziehen manche Büßer unter der Kutte hervor, um es Kindern zu geben?

Dabei handelt es sich um "Confit" genanntes Konfekt. Das sind von Zuckerguss umgebene Mandeln. Außer Kindern bekommt schon auch mal ein Nachbar oder Kollege am Wegrand von einem Büßer ein Confit, mittlerweile auch Bonbons, zugesteckt. Im 17. Jahrhundert schenkten manche Büßer ledigen Frauen Blumen. Dies wurde jedoch als unschicklich verboten.

Wie unterscheidet sich die Prozession des Crist de La Sang von dem Umzug am Karfreitag?

Am Gründonnerstag werden die Bruderschaften von Blaskapellen begleitet. Sie geben den Büßern mit dumpfen Trommelschlägen und klagenden Trompetenklängen einen monotonen, getragenen Marschrhythmus vor. Immer wieder bricht die Musik für eine Weile ab. Dann herrscht Stille, bis die Trommeln wieder zu schlagen beginnen. Bei der Prozession an Karfreitag herrscht dagegen Stille.

Welche sehenswerten Prozessionen gibt es außerhalb von Palma?

In Pollença wird am Karfreitag um etwa 20 Uhr die Christusfigur der Kirche auf dem Kalvarienberg vom Kreuz genommen, aufgebahrt und im Schein der Kerzen die 365 Stufen des Kalvarienberges zur Gemeindekirche Nostra Senyora de les Angeles hinuntergetragen. Publikumsmagneten sind auch die szenischen Darstellungen der Leidensgeschichte Jesu Christi in Artà, Felanitx und Sant Joan.

Gibt es auch in Palma eine szenische Darstellung?

Ja, am Karfreitag findet sie um 12 Uhr an der Kathedrale auf den Stufen zu Stadtmauer hinab statt. Die Theatergruppe Taula Redonda führt dort alljährlich die dramatischsten Szenen aus der Leidensgeschichte Christi auf. Das Stück hat der mallorquinische Dichter und Schriftsteller Llorenç Moyà geschrieben, der vor 100 Jahren in Binissalem geboren wurde und 1981 in Palma starb.

Finden die Prozessionen auch bei Unwetter statt?

Nein, bei Regen und starkem Wind fallen die Prozessionen buchstäblich ins Wasser. Bei manchen Büßern fließen dann schon mal die Tränen.

Warum quietschen nach den Prozessionen beim Lenken die Autoreifen?

Schuld ist das Wachs, das von den langen Kerzen der Büßer tropft oder von Monaguillos (Ministranten) abgestrichen wird. Da nicht alle Prozessionsrouten mit Sand bestreut werden, bleibt das Wachs dann auf den Straßen, bis es vom Verkehr wieder abgetragen ist.

(aus MM 11/2016)

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