"Auf Mallorca spiele ich am liebsten Gitarre"

| Palma de Mallorca |
Volkwin Müller auf der Alten Mole von Palma. Er hat lange Zeit nach einem Domizil in der Stadt gesucht und ist 2010 fündig gewor

Volkwin Müller auf der Alten Mole von Palma. Er hat lange Zeit nach einem Domizil in der Stadt gesucht und ist 2010 fündig geworden.

"Ohne Musik könnte ich nicht mehr leben", meint Volkwin Müller und lässt seinen Blick über das Meer schweifen. "Ich würde eingehen wie eine Blume, die vertrocknet."

Der 50-Jährige tritt als Singer-Songwriter in ganz Deutschland auf. Gerade ist seine neue CD erschienen: "Mit anderen Augen". Zwölf eigene Lieder mit deutschen Texten. Songs, die zum Teil ihren Ursprung auf Mallorca haben. Denn der im nordrhein-westfälischen Detmold lebende Musiker verbringt regelmäßig ein paar Tage in seiner Wohnung in der Altstadt von Palma. Dann hat er den Kopf frei und schreibt neue Lieder. So auch jetzt wieder. "In den vergangenen Tagen sind drei Songs entstanden", erzählt Volkwin beim Treffen mit MM.

Musik macht der Mann seit einer gefühlten Ewigkeit. Die erste CD erschien bereits 1992. Leben kann er von seinen Liedern nicht. Muss er auch nicht. Denn Volkwin Müller ist im "normalen" Leben Geschäftsführer einer Firma für Umwelttechnik. Probleme mit seinem Doppelleben gibt es keine. "Vor 40 Jahren hätte man sich so eine Zweigleisigkeit nicht vorstellen können. Aber heute ist das eigentlich keine besondere Sache." Häufiger ergebe sich durch die Musik ein spezieller Kontakt zu Menschen, mit denen er in seinem Zivilberuf geschäftlich zu tun hat.

Vor vier Jahren hat Volkwin mit einem Album für ein musikalisches Ausrufezeichen gesorgt. Er wagte sich an Neu-Interpretationen von John-Lennon-Klassikern und nannte das Ergebnis "Strawberry Songs". Von der Fachpresse gab es viele gute Kritiken.

Jetzt also wieder eigene Lieder und auf Deutsch. Volkwin verarbeitet in seinen Songs Alltagserlebnisse, gibt seinen Gedanken über das Leben einen musikalischen Rahmen. Es geht um Solidarität, Freundschaft, Liebe und Verlust. Bei seinem jetzigen Aufenthalt in Palma hat er zum Beispiel ein Stück komponiert, in dem er reflektiert, wie das Internet heutzutage unser aller Leben beeinflusst. Sein Gedanke: "Ich bin offline, damit ich wieder mal mein eigenes Leben lebe."

Wenn Volkwin in seiner Wohnung in Palma sitzt und Lieder schreiben will, dann geht das nicht auf Kommando. "Ich brauche immer zwei oder drei Tage, bis der Korken aus der Flasche ist." Wenn das geschehen ist, dann zwingt der Musiker sich, am Ball zu bleiben. In der Regel sei die Rohfassung eines neuen Titels in zwei oder drei Stunden fertig, manchmal auch schneller. "Wenn du etwas spielst, das wiederkommt, dann ist das was."

Sein neues Album hat Volkwin mit namhaften Profimusikern aufgenommen. Darauf ist er stolz. Denn die akzeptieren ihn, obwohl Musik ja nur Volkwins "Nebenjob" ist. "Inzwischen habe ich in ganz Deutschland einigermaßen gut bezahlte Auftritte. So etwa 30 bis 40 pro Jahr, Tendenz steigend. Das Schöne ist, ich lege nichts mehr drauf. Das war früher, vor dem Lennon-Album, echt schwer."

Natürlich ist es der Traum jedes Musikers, eines Tages von der Kunst leben zu können. Kann sich Volkwin vorstellen, nur noch Musik zu machen? "Vorstellen kann ich mir das sicherlich", lacht der Singer-Songwriter. "Aber man muss realistisch sein. Wenn du Geld verdienen willst, dann brauchst du eine große Plattenfirma. Aber die investieren nichts mehr in Leute meines Alters."

Trotz des Alters glaubt Volkwin, dass er sich musikalisch noch weiterentwickeln wird. Und vielleicht irgendwann im Zivilberuf kürzer tritt. Mehr Zeit auf Mallorca zu verbringen, das ist auf jeden Fall eines seiner Ziele.

(aus MM 16/2016)

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