In Spanien wird das Trinkgeld meist auf einem kleinen Teller liegen gelassen. Das deutsche "stimmt so" ist hierzulande nicht angebracht. | Ultima Hora

Wie viel Trinkgeld gibt man denn hier?" ist sicherlich eine Frage, die viele Mallorca-Residenten schon gehört haben, wenn Besuch aus Deutschland zu Gast war. Denn die Gepflogenheiten, in welcher Höhe und auf welche Art und Weise die "Propina", wie die Spanier sagen, gegeben wird, unterscheiden sich von Land zu Land. Als Mallorca-Tourist möchte man einerseits nicht knausrig wirken, andererseits ist die Urlaubskasse auch nicht über Gebühr strapazierbar.

Beim Trinkgeld gibt es auch auf der Insel ungeschriebene Benimmregeln. Dabei hängt die Höhe, wie überall, auch vom Kulturkreis ab. "In Spanien sind etwa zehn bis 15 Prozent der Rechnungssumme üblich", erklärt Lena Schütz vom Reiseportal Holidaycheck. Allerdings gilt diese Faustregel vor allem in besseren Restaurants und bei höheren Rechnungsbeträgen. In kleineren und einfacheren Lokalen wie Tapas-Bars würden Summen, die beispielsweise in Skandinavien, Großbritannien oder Deutschland als angemessen gelten, einen Kellner in ungläubiges Staunen versetzen. In einfachen Lokalen ist es üblich, einen oder zwei Euro liegen zu lassen, je nachdem, wie hoch die Rechnungssumme war.

Deutsche sollten sich nicht wundern: Wird nur ein Getränk konsumiert, haben Spanier kein Problem damit, kleinste Summen Münzgeld aus den Tiefen ihrer Hosentasche zu kramen und nur wenige Cent liegen zu lassen. Als "normal" gilt im niederpreisigen Segment ein Trinkgeld, das fünf bis zehn Prozent des Rechnungspreises entspricht. Wer also für 20 Euro konsumiert, lässt einen oder zwei Euro da, das Ganze natürlich nach eigenem Gutdünken.

Das Wörterbuch der spanischen Sprache der "Real Academia Española" definiert die "Propina", also das Trinkgeld, als "Agasajo que sobre el precio convenido y como muestra de satisfacción se da por algún servicio", was soviel bedeutet wie: "Den Normalpreis übersteigende Zugabe, die man aus Zufriedenheit für einen bestimmten Service gibt." Und die spanische Knigge-Seite Protocolo.org stellt klar, dass die Gabe des Trinkgeldes nach wie vor freiwillig und niemals rechtlich verpflichtend oder aus Gewohnheit halbverpflichtend ist, wie etwa in den Vereinigten Staaten. Allerdings wundern sich viele Mallorca-Urlauber aus Deutschland oft darüber, dass diese Zugabe aus Dankbarkeit für guten Service meist recht gering ausfällt. "Die Spanier geben weniger als die Deutschen", so die einhellige Meinung von befragten Wirten und Urlaubern (siehe Umfrage auf Seite 55).

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Zur Art und Weise: Protocolo.org rät, die "Propina" so diskret wie möglich zu geben, schließlich sei die Gabe von Trinkgeld ein Akt der Höflichkeit und nicht von Exhibitionismus. Wahrscheinlich ist es gerade deshalb in Spanien nicht üblich, die Rechnungssumme aufzurunden, und dies dem Kellner mündlich mitzuteilen. Das typisch deutsche "stimmt so" ist auf Mallorca wie in ganz Spanien gänzlich ungebräuchlich. Versucht man es damit, bringt einem der erstaunte "Camarero" in der Regel trotzdem das gesamte Wechselgeld wieder. Vielmehr ist es Brauch, das Trinkgeld, welches man für angemessen hält, dann auf dem Tisch liegen zu lassen.

In den Hotels auf Mallorca scheinen die Touristen besonders großzügig zu sein: "Sie lassen bei einem Aufenthalt von einer Woche gerne mal 20 Euro fürs Zimmermädchen da", weiß Antonio Seijas, Hoteldirektor an der Playa de Palma. "Weniger ist auch in Ordnung, die Untergrenze liegt bei einem Euro pro Tag, wenngleich das schon sehr wenig ist." Auch sei es unter Urlaubern üblich, am Ende des Aufenthalts einen Umschlag für das Gesamtpersonal dazulassen. "Wir verteilen das dann gerecht in den einzelnen Abteilungen."

Wann das Trinkgeld gegeben wird, sei jedem selbst überlassen. "Das kann gleich zu Beginn des Aufenthalts oder am Ende geschehen." Wichtig aber ist, dass nicht der Eindruck entsteht, man wolle sich mit dem Trinkgeld Zusatzleistungen wie beispielsweise einen besseren Zimmer- oder Reinigungsservice erkaufen, weiß Protocolo.org.

"Und Trinkgeld geben ist etwas sehr Persönliches", so eine Sprecherin des Hotelverbandes auf Mallorca, FEHM. "Deshalb geben wir vonseiten unserer Vereinigung auch keine Ratschläge, wie oder wann die Extra-Leistung erfolgen sollte."

Offensichtlich sind die Deutschen im Urlaub von alleine spendabel genug. "26 Prozent unserer Kunden geben an, in den Ferien mehr Trinkgeld zu geben als zu Hause", so Lena Schütz. "Fast die Hälfte der befragten Urlauber macht die Höhe des Trinkgelds von den Gepflogenheiten des Gastlandes abhängig." Wer dann die Heimreise antritt und mit dem Taxi zum Flughafen fährt, darf dem Fahrer gerne ein kleines Trinkgeld geben. Richtwerte gibt es nicht, meist freut sich der "Taxista" schon über kleine Beträge. Und das Beste für alle Deutschen: Hier ist sogar ein "stimmt so" erlaubt.