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Lizz Handschmann hat gerade erst eine schwere Grippe hinter sich gebracht: "So schlecht ging es mir noch nie", erzählt die junge Österreicherin, die seit fünf Jahren auf Mallorca lebt. Das Schlimmste sei für sie allerdings nicht die Krankheit gewesen, sondern dass sie die Suche nach ihrem Hund Phelan unterbrechen musste. Seit Anfang Dezember fährt sie jeden Tag nach Manacor, weil ihr Vierbeiner dort von einem Deutschen gesehen wurde.

Wer auf Phelan trifft, kann sich in der Regel an ihn erinnern, denn er ist einem Wolf zum Verwechseln ähnlich. Die Rasse heißt Tschechoslowakischer Wolfhund und wurde in den 1980ern offiziell anerkannt. Sie entstand aus einer Kreuzung von Karpatenwolf mit Schäferhund. Seit sechs Jahren hält die 28-Jährige den Rüden Louan, auch er ist ein Wolfhund, 2014 kam Phelan dazu. "Die Rasse hat mich gereizt, die Tiere sind sehr eigenständig", erzählt die Tierenergetikerin. Die Hunde im Wolfspelz brauchen viel Erziehung und Auslauf.

Den Tag, als ihr Hund Phelan weglief, hat Lizz Handschmann noch genau in Erinnerung. Sie war auf einem Grillabend eingeladen, mit ihren beiden Rüden im Auto fuhr sie nach Palma und parkte den Wagen in La Vileta. Als sie den Kofferraum öffnete, kam gerade eine Spaziergängerin mit Hund vorbei. Das Tier sprang am Auto hoch und die Hunde von Lizz erschraken sich. Phelan lief auf die Straße, dort wurde der verängstigte Hund von einem Auto angehupt und rannte in Panik davon. "Ich habe bis nachts nach Phelan gesucht", erzählt die 28-Jährige. Mit ihrem zweiten Rüden schlief sie sogar im Wagen, falls der Vermisste an die Stelle zurücklaufen sollte. Das war im Juni vergangenen Jahres.

Sie nahm Kontakt mit Polizei, Tierschutzorganisationen, Tierheimen auf, verteilte Flugblätter und stellt die Suchmeldung nach ihrem Hund täglich in das soziale Netzwerk Facebook. Bis zu dem Dezembertag, als ein Mann das Tier in Manacor sichtete, ergab sich kein Hinweis auf den Verbleib des Wolfhunds. Er ist wie vom Erdboden verschluckt. "Die Polizei geht davon aus, dass ihn jemand auf seine Finca gebracht hatte und er jetzt weglief oder ausgesetzt wurde", erzählt sie.

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Mithilfe eines "Hundeflüsterers" sucht die 28-Jährige nun seit Wochen nach dem ängstlichen und scheuen Hund im Raum Manacor. Sie befragen Fincabesitzer und Landwirte, ob jemand den Hund gesehen hat. "Schafe hat er nicht gerissen, haben mir die Bauern gesagt." Zudem stellt sie Lebendfallen auf. Spuren hat die Halterin von ihrem Tier gefunden, auch sah sie ihn einmal in der Dunkelheit, allerdings war Phelan zu weit weg.

Hund und Frauchen haben eine schwere Zeit durchgemacht. Phelan musste an der Wirbelsäule operiert werden, es war nicht klar, ob er die OP übersteht. Daraufhin musste er in einem Käfig genesen, um sich zu schonen. "Ich habe meinen Job aufgegeben, um ihn zu pflegen", erzählt die 28-Jährige. Der Hund konnte nicht Gassi gehen, sondern musste nach draußen getragen werden. "Er hatte Schmerzen und so kann es sein, dass er negative Erfahrungen mit mir verbindet", sagt die junge Frau gefasst, um zu erklären, warum der Hund nicht zu ihr zurückkam. Durch die OP und die Medikamente wurde die Bauchspeicheldrüse angegriffen: "Phelan ist sehr dünn und braucht Medizin."

Das Leben hat sich seit jenem Junitag für Lizz Handschmann verändert, sie steht ständig unter Spannung. "Ich habe viele hilfsbereite Menschen kennengelernt, wurde aber auch oft beschimpft", erzählt sie. Durch den Stress habe ihr zweiter Hund Louan Epilepsie bekommen, zudem vermisst er seinen Gefährten. Sie arbeitete kaum noch und verbrauchte ihre Ersparnisse. Doch sie gibt die Suche nicht auf: "Wolfhunde laufen bis zu 60 Kilometer am Tag", erzählt sie. "Er könnte überall auf der Insel sein."

Hinweise oder Hilfsangebote bei der Suche an Lizz Handschmann unter Tel. 610474011.

(aus MM 03/2017)