Umstrittene Sand-Entladung in der Kritik

| | Mallorca |

Rund 30 Demonstranten haben sich am Hafen von Palma versammelt.

Foto: Pere Bota

Die Entladung der rund 5000 Tonnen Sand hat am Mittwoch hochkarätige Politiker auf den Plan gerufen. Unter den Demonstranten waren der balearische Umweltminister Vicenç Vidal, Inselrats-Vizepräsident Jesús Jurado und die Gleichstellungsbeauftragte des Inselrats Nina Parrón. Es soll sich bei der Lieferung um Sand aus der Sahara handeln. Mallorquinische Medien berichten, dass der Sand auch für Goflplätze der Insel bestellt wurde.

Warum die Diskussion so große Wellen schlägt, geht auf die Tatsache zurück, dass das Gebiet im Nordwesten Afrikas bis 1975 eine spanische Kolonie war. Seit der Entkolonialisierung des Territoriums und der Besetzung durch Marokko sind Hunderttausende aus der Westsahara geflohen, sie leben noch immer in Flüchtlingsheimen in Algerien. Außerdem berufen sich die Gegner auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, das besagt, dass das Handelsabkommen zwischen Marokko und der EU nicht für das Gebiet der Westsahara gilt und damit jeglicher Handel ohne Genehmigung illegal ist.

Die Bürgervereinigung fordert die spanischen Reedereien auf, die „Ausbeutung der natürlichen Ressource” in dem westafrikanischen Staat zu unterlassen. Bei der Demonstration machten die Gegner mit Flaggen und Parolen wie „El Sàhara no es ven. Sáhara lluire”, was so viel heißt wie „die Sahara ist nicht zu verkaufen, die Sahara ist frei”, auf sich aufmerksam. Vidal bekräftigte seinerseits bereits im Vorfeld, der Sand befinde sich wohl im Auftrag der Bauwirtschaft auf dem Weg nach Mallorca. „Es gibt derzeit keine Projekte zur Sandaufschüttung an unseren Stränden.”

Ob es sich dabei wirklich um Sand aus der Sahara handelt, ist bis dato nicht abschließend geklärt. Luis Alonso von der zuständigen Reederei „Balears Consignatorio” sagte dazu: „Wir wissen, dass das Schiff im Hafen El Aaiún in Marokko auslief, woher der Sand genau kommt, können wir nicht sagen.”

Schon zuvor hatten die Gegner vergebens versucht, das Einlaufen des Frachters zu verhindern, sie wandten sich an die Hafenbehörde und die Guardia Civil. Aufhalten konnten sie das Schiff nicht, die nötigen offiziellen Dokumente wurden vorgezeigt und es gab keinen Grund, das Schiff nicht einlaufen zu lassen. Um 14 Uhr begannen die Bagger mit der Entladung. Inselratsvize Jurado stichelte später in einem via Twitter verbreiteten Video gegen die konservative Volkspartei PP: „Die spanische Regierung und die Regierung Marokkos berauben das Gebiet und schöpfen es aus. Ich will kein Komplize sein!”

Der Verein rechnet mit insgesamt 35.000 Tonnen Sahara-Sand, der auf Mallorca eintreffen wird. Die Reederei spricht von zwei weiteren Schiffen mit je 5000 Tonnen Sand: „Das nächste soll in der kommenden Woche vom spanischen Festland nach Mallorca fahren”, so Alonso. (mh)

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Mike / Vor über 3 Jahren

Hajo, mal üben, wenn man unbedingt Fremdwörter benutzen will: "assoziert mir der Button auf dem Mund der Dame"

Hubert / Vor über 3 Jahren

Wenn man die Geschichte der spanisch-marokkanischen Kriege um 1920 nachliest wird klar , dass dieser Sand auch heute noch hochgradig mit übelsten chemischen Kampfstoffen belastet sein könnte . Deutschland hat seinerzeit bezüglich der Substanzen und der Verfahrenstechnik erstklassige Ware an Spanien geliefert . Sollte man solchen Sand nicht deshalb dort liegen lassen , wo er liegt ?? Ob zB. "Lost" in Beton für alle Ewigkeit eingebunden ist , sollten die Chemiker vorher (er)klären

Hajo Hajo / Vor über 3 Jahren

Wenn ich das Bild oben betrachte, assoziert mir der Button auf dem Mund der Dame, die Herrschaften sollten sich über was anderes aufregen. So ein Schmarrn aber auch.