Mallorcas Mai-Firas: "Bauer sein ist wieder hip"

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Auch ein Highlight in Mallorcas Fira-Kalender: Der Mittelaltermarkt in Capdepera. Er fand dieses Jahr von Freitag, 19., bis Sonn

Auch ein Highlight in Mallorcas Fira-Kalender: Der Mittelaltermarkt in Capdepera. Er fand dieses Jahr von Freitag, 19., bis Sonntag, 21. Mai, statt.

Foto: A. Bassa

Sie heißen "Fira Ecològica, Pagesa i Artesanal", "Fira del Caragol" oder "Fireta d'Artesania". Egal ob Schneckenfest, Bio-, Bauern-, Handwerksmarkt oder kleine Industriemesse - für Außenstehende wirken die Dorffeste auf Mallorca oftmals antiquiert und wie Relikte aus vergangenen Zeiten, als die Insel einzig von der Landwirtschaft und dem Handwerk lebte. Ihre Tradition aber wird von den Insulanern mit großer Leidenschaft und Hingabe hochgehalten. Warum ist das so? Warum hegen und pflegen auch viele junge Mallorquiner ihr Brauchtum, das bisweilen fast schon wie eine Glorifizierung der Vergangenheit wirkt?

"Feiertage, also Tage, an denen man sich ausruht und nicht arbeitet, sind Teil unserer abendländischen, christlichen Kultur", erklärt Felip Munar, Professor für katalanische Filologie und Verfasser mehrerer Bücher über die mallorquinische Kultur. "An einigen dieser Tage wurden seit jeher die 'Ferias' organisiert, bei denen sich die Familien versammelten und gleichzeitig den Bauern die Gelegenheit gegeben wurde, sich all das zu besorgen, was sie für die Landwirtschaft brauchen." Natürlich hätten sich die Ferias im Lauf der Jahrzehnte verändert, erklärt der Experte, das Grundsätzliche aber habe man erhalten. Auf Märkten wird gehandelt und verkauft, für das leibliche Wohl sorgen die "Fressstände".

Und warum finden gerade im Mai so viele "Firas" statt? "Das hat mit dem Bauernkalender zu tun", so Munar. "Gefeiert wird nach der Ernte und nach der Aussaat. Deshalb gibt es noch heute auf Mallorca die meisten Dorffeste im Mai beziehungsweise September." Aber für die Mallorquiner sind diese Zusammenkünfte mehr als Märkte oder Gastro-Events, sie sind immer auch Brauchtumspflege.

"Und das ist den Menschen wichtig", sagt der Professor. Als einen Grund dafür führt er die geografische Lage an. So würden auf den meisten Inseln im Mittelmeerraum Traditionen besonders intensiv gepflegt. "Das mögen andere etwas altbacken finden, aber Insulaner sehen die Welt aus einem anderen Blickwinkel und vertrauen nicht so sehr auf das, was von außen kommt." Früher habe man die Mallorquiner deshalb als besonders misstrauisch bezeichnet. "Aber das ist lange vorbei", so Munar. Auch glaubt er, dass die Bauern- und Handwerksmärkte - genauso wie die opulent gefeierten Patronatsfeste - oft Ausdruck einer tiefen Sehnsucht nach der Vergangenheit sind.

"Heute ist es wieder 'in', Bauer zu sein. Vor dreißig oder vierzig Jahren äußerte kein Kind den Wunsch, in der Landwirtschaft zu arbeiten. Der Job war hart und wenig rentabel. Heute wollen die jungen Menschen wieder raus auf die Felder, und die Eltern weinen vor Freude." Munar aber glaubt, dass diese Sehnsucht durchaus im Bewusstsein gelebt wird, dass die Zeiten von damals nicht wiederkehren.

Genau deswegen sieht er die Dorffeste auch im Wandel. "Gerade wenn es etwas mit Religion zu tun hat, ist es mit den jungen Leuten nicht mehr dasselbe." Jugendliche organisierten mittlerweile oft eigene Partys parallel zu den eigentlichen "Fiestas" und "Firas". Nicht selten kommt es auf diesen Veranstaltungen zu Alkoholexzessen oder Lärmbelästigungen.

Ein weiteres Problem, dem die Gemeinden in Zukunft verstärkt vorbeugen wollen, sind sexuelle Übergriffe. Zuletzt war es beim Piratenfest "Moros y Cristianos" in Sóller zu einem solchen gekommen. Bei der Online-Kampagne "Mallorcas Feste ohne sexuelle Gewalt" sollen die Angestellten der Gemeinden jetzt fortlaufend sensibilisiert und auf den Umgang mit möglichen Vorkommnissen dieser Art geschult werden. Es haben sich 100 Personen aus 30 Gemeinden angemeldet.

(aus MM 20/2017)

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