Der Mercado Olivar erfindet sich neu

| Palma, Mallorca |
Frischer Fisch aus mallorquinischen Gewässern ist eine Spezialität des Olivar-Marktes

Frischer Fisch aus mallorquinischen Gewässern ist eine Spezialität des Olivar-Marktes.

Foto: Patricia Lozano

Juan Carlos Moll streicht über seinen Schreibtisch. "Am Wochenende hat ein Stand im Markt gebrannt", erzählt er. "Überall zogen Staub und Ruß hin." Ein Kurzschluss an einem Sushi-Stand hatte den Brand ausgelöst. Bis in den ersten Stock, wo sich die Büroräume von Moll befinden, verteilte sich die schwarze Asche. Juan Carlos Moll ist Marktleiter des Mercat de l'Olivar, der zentralen Markthalle Palmas.

Der Markt ist bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen beliebt: "Der Mercat de l'Olivar bietet die besten Produkte und die größte Auswahl", betont der Marktleiter. 3000 Besucher zählt der Olivar-Markt durchschnittlich am Tag, er ist Bestandteil von Palma-Führungen und eine der Sehenswürdigkeiten der Stadt.

An diesem wolkigen Sommertag schieben sich Urlauber und Einheimische durch die Gänge des Marktes. Besonders beliebt: fangfrischer Fisch und Meeresfrüchte. "Viele Touristen schauen ganz interessiert und machen Fotos", erzählt Joana Fuster. Sie und ihr Mann betreiben seit 50 Jahren einen Fischstand. Sóller-Gambas, Roter Drachenkopf, Moräne, alles frisch aus dem Meer, liegt an ihrem Stand aus. Eis hält die Ware frisch. "Moräne ist köstlich", sagt Emilio de la Cámara und gestikuliert mit seinen Händen, die in Gummihandschuhen stecken: "Und ganz einfach zuzubereiten." Die individuelle Beratung und der eine oder andere Rezepttipp machen das Einkaufserlebnis besonders. "Wir schlendern hier gern durch", erzählt das Ehepaar Zabukovec, das von seiner Ferienwohnung in Cala Rajada nach Palma gefahren ist. "Aus unserer Heimat Hamburg kennen wir Fischmärkte, doch es ist interessant, die verschiedenen Arten hier zu sehen."

Im Olivar-Markt gibt es die Überlegung, die gewohnten Öffnungszeiten bis in den Abend hinein zu erweitern, bestätigt der Marktleiter. Doch die Idee sei noch nicht ausgereift. Der Großteil der 112 Stände sind Familienbetriebe, die schwerlich noch länger arbeiten können. Zudem öffnen die Fischbörse Lonja und der Großmarkt Mercapalma früh, so dass die Händler dadurch schon zeitig auf den Beinen sind.

Neuerungen gab es im Olivar-Markt immer: Die Halle wurde 1951 eingeweiht. Zuvor befanden sich die Stände auf der Plaça Major. Der erste Entwurf für das Gebäude stammt vom Stadtarchitekten Gaspar Bennàssar, er skizzierte ihn bereits 1914. Manuel Gadea passte den Entwurf 1941 an, und 1947 begannen die Arbeiten. 1998 wurde der Markt in eine Verwaltungsgesellschaft umgewandelt und die Händler zu Gesellschaftern. Fünf Jahre lang gestalteten die Händlerinnungen daraufhin den Markt um, bis er sein heutiges Gesicht erhielt. Im Obergeschoss entstand ein großer Supermarkt. Macht dieser nicht den Marktständen Konkurrenz? "In gewisser Weise schon, doch wir wollen den Kunden umfassende Einkaufsmöglichkeiten bieten", begründet Moll die Entscheidung. "Familien gehen heute einmal die Woche einkaufen und wollen dabei alles finden."

2008 setzte ein Wandel in der Markthalle ein. Neben den traditionellen Ständen und den Bars entwickelte sich ein gastronomisches Angebot. Doro und Andy Grosse speisen mit Familie Marino Sushi zu Mittag: "Das Konzept des Marktes ist super", schwärmen die Mannheimer.

"Ich war der Vater der Revolution", erzählt Thomas Wilden. Er eröffnete als erster vor acht Jahren einen Sushi-Verkauf im Olivar-Markt. "Mittlerweile herrscht hier wieder mehr Leben", sagt der Gastronom. 2009 waren viele Stände frei, heute ist alles belegt. Auch gibt es Austern mit Champagner, Tapas und Pizza. Einen kleinen Snack lässt sich das Ehepaar Richter aus Dresden schmecken. "Zu Hause haben wir so eine Markthalle nicht, deshalb kommen wir gern hierher", sagen die Urlauber.

Doch nicht jedem schmeckt das neue gastronomische Angebot. Händler beschweren sich, dass ihnen die Kunden wegbleiben, weil der Olivar-Markt sich zur Fressmeile entwickele. "Wir werden kein Gastrotempel", versichert Marktleiter Moll. Es gelte, die Balance zwischen dem traditionellen und dem neuen Angebot zu finden. Wechselt ein Stand den Besitzer und stellt sein Konzept um, muss das Marktgremium zustimmen. Ein Unternehmen wurde beauftragt, einen Strategieplan aufzustellen: "Damit der Markt fit für die Zukunft wird."

(aus MM 33/2017)

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