So heißen die Bewohner der Insel-Gemeinden

| Mallorca |
Tradition wird vor allem auf den Dörfern noch großgeschrieben. Doch wie heißen sie eigentlich, die Einwohner von Binissalem, For

Tradition wird vor allem auf den Dörfern noch großgeschrieben. Doch wie heißen sie eigentlich, die Einwohner von Binissalem, Fornalutx oder Maria de la Salut?

Foto: T. Ayuga

Die korrekte Aussprache von vielen Ortsnamen Mallorcas ist für Auswärtige ein Buch mit sieben Siegeln. Woher sollen sie auch wissen, dass Andratx und Costitx schlicht "Andratsch" und "Kostitsch" ausgesprochen werden? Trotzdem neigt der mallorquín-erprobte Resident zum Gefühl der Überlegenheit, wenn der Unkundige das doppelte "l" in Llubí ganz wörtlich nimmt, anstatt das Dörfchen "Ljubí" zu nennen, wenn er "Sineu" wie einen deutschen Ortsnamen ausspricht, anstatt "Sinä-u" zu sagen.

Doch mit der Überheblichkeit kann es ganz schnell vorbei sein. Es reicht die unschuldige Frage: Wie heißen eigentlich die Einwohner von Andratx, Costitx, Llubí oder Sineu? Da kommen selbst Mallorquiner ins Grübeln, wenn sie nicht gerade aus dem jeweiligen Ort sind. Denn wenn es bei der Ableitung ihrer Bezeichnung vom Ortsnamen überhaupt eine Regel gibt, dann gibt es noch mehr Ausnahmen.

Bei den Einwohnern von Palma ist die Sache für die Einheimischen noch ziemlich klar. In der Inselhauptstadt wohnen die Palmesans, eingedeutscht also die Palmesaner. Aha, denkt sich der schlaue Kopf, dann heißen die Einwohner von Inca, Petra, Pollença oder Selva folglich Incesans, Petresans, Selvesans und Pollencesans. Und schon hat er sich viermal grandios geirrt. Die Bewohner von Inca sind die Inquers, wer in Petra lebt, ist ein Petrer, in Pollença wohnen die Pollencins und wer aus Selva kommt, ist ein Selvatgí. Dafür heißt ein Einwohner aus Sineu wiederum Sineuer und ist - Sinä-u-er - für deutsche Zungen nicht ganz so einfach fließend auszusprechen.

Und weil der Linguist Regeln liebt, sucht er die auch bei den Einwohnern von Gemeinden, die auf einem betonten "à" enden, also Calvià, Artà und Deià: Die Menschen aus Calvià nennen sich Calvianer. Müssten die Pendants aus Artà und Deià also Artaner und Deianer heißen. Tun sie aber nicht. In Artà leben die Artanencs, in Deià die Deianencs.

Und da sind sie wieder, die Orte mit dem verflixten "tx". Ausgerechnet bei ihnen scheint sich einmal ein gerader Weg aufzutun: Marratxiner, Felanitxer, Costellitxer - dahinter lässt sich doch ein Prinzip erkennen. Wären da nicht Andratx und Fornalutx, dort wohnen nämlich die Andritxols und die Fornalutxencs. Also, kein Verlass auf nichts, auch nicht in Búger und Sóller mit den Bugerrons und den Sollerics.

Noch nicht einmal bei Orten, die ein "Sant" oder "Santa" wir ihrem Namen stehen haben. Wer in Sant Joan lebt, ist ein Sant Joaner, wer aus Santa Maria del Camí kommt, ist ein Santamarier - und nicht zu verwechseln mit dem Mariando aus Maria de la Salut. Die Einwohner von Santa Margalida und aus Sant Llorenç de Cardassar müssen sich als Margalidans und Llorencins mit weniger begnügen.

Noch komplizierter verhält es sich bei den Einwohnern von Santa Eugènia. Auf die Frage "Mit oder ohne Santa?" lautet die Antwort: Weder mit noch ohne, sie heißen Taujans. Was ein Taujà ist? Darüber gehen die Meinungen der Linguisten auseinander. Die einen vermuten, dass sich der Name aus SanTAEUGÈnia ableitet, andere verwiesen auf das gleichlautende katalanische Wort, das einen einfachen, aber gutartigen Mann vom Lande bezeichnet.

Wie beim Taujà erschließt sich auch beim Gabellí nicht auf den ersten Blick, warum es sich dabei um einen Einwohner von Capdepera handelt. Möglicherweise leitet sich der Begriff von dem arabischen Wort "gebli" ab, was einen Menschen bezeichnet, der den Berg hochsteigt - oder eben die steinige Felsküste, die im mittelalterlichen Katalanisch Cap de pera hieß.

Aber eben nur möglicherweise. Der linguistische Beratungsdienst von Capdepera lieferte noch weitere, eher volkskundliche Ableitungen: von gabella, einst das katalanischen Wort für Abgabe auf Lebensmittel, aber auch für ein Lager verpackter Gegenstände, eventuell aber auch von Gavell, dem Wort für Haufen, Stapel, Bündel oder Last. Und schließlich könnte der Begriff von dem Umstand herkommen, dass die Bewohner aus der Umgebung bei Gefahr hinter den Burgmauern von Capdepera Zuflucht suchten. Schlussfolgerung des linguistischen Dienstes: "Die Herkunft des Namens ist ungewiss."

So heißen die Bewohner der einzelnen Mallorca-Gemeinden:

Alaró: alaroner/alaronera, alaroners/alaroneres

Alcúdia; alcudienc/alcudienca, alcudiencs/alcudienques

Algaida: algaidí/algaidina, algaidins/algaidines

Andratx: andritxol/andritxola, andritxols/andritxoles

Ariany: arianyer/arianyera, arianyers/arianyeres

Artà: artanenc/artanenca, artanencs/artanenques

Banyalbufar: banyalbufarí/banyalbufarina, banyalbufarins/banyalbufarines

Binissalem: binissalemer/binissalemera, binissalemers/binissalemeres

Búger: bugerró/bugerrona, bugerrons/bugerrones

Bunyola: bunyolí/bunyolina, bunyolins/bunyolesines

Calvià: calvianer/calvianera, calvianers/calvianeres

Campanet: campaneter/campanetera, campaneters/campaneteres

Campos: campaner/campanera, campaners/campaneres

Capdepera: gabellí/gabellina, gabellins/gabellines

Consell: conseller/consellera, consellers/conselleres Illes

Costitx: costitxer/costitxera, costitxers/costitxeres Illes

Deià: deianenc/deianenca, deianencs/deianenques

Escorca: escorquer/escorquera, escorquers/escorqueres Illes

Esporles: esporlerí/esporlerina, esporlerins/esporlerines

Estellencs: estellenquer/estellenquera, estellenquers/estellenqueres

Felanitx: felanitxer/felanitxera, felanitxers/felanitxeres

Fornalutx: fornalutxenc/fornalutxenca, fornalutxencs/fornalutxenques

Inca: inquer/inquera, inquers/inqueres

Lloret de Vistalegre: llorità/lloritana, lloritans/lloritanes

Lloseta: llosetí/llosetina, llosetins/llosetines

Llubí: llubiner/llubinera, llubiners/llubineres

Llucmajor: llucmajorer/llucmajorera, llucmajorers/llucmajoreres

Manacor: manacorí/manacorina, manacorins/manacorines

Mancor de la Vall: mancorí/mancorina, mancorins/mancorines

Maria de la Salut: mariando/marianda, mariandos/mariandes

Marratxí: marratxiner/marratxinera, marratxiners/marratxineres

Montuïri: montuïrer/montuïrera, montuïrers/montuïreres; auch: montuïrenc/montuïrenca, montuïrencs/montuïrenques

Muro: murer/murera, murers/mureres

Palma: palmesà/palmesana, palmesans/palmesanes

Petra: petrer/petrera, petrers/petreres

Pobla, sa : pobler/poblera, poblers/pobleres

Pollença: pollencí/pollencina, pollencins/pollencines

Porreres: porrerenc/porrerenca, porrerencs/porrerenques

Puigpunyent: puigpunyentí/puigpunyentina, puigpunyentins/puigpunyentines

Ses Salines: saliner/salinera, saliners/salineres

Sant Joan: santjoaner/santjoanera, santjoaners/santjoaneres

Sant Llorenç des Cardassar: llorencí/llorencina, llorencins/llorencines

Santa Eugènia: taujà/taujana, taujans/taujanes

Santa Margalida: margalidà/margalidana, margalidans/margalidanes

Santa Maria del Camí: santamarier/santamariera, santamariers/santamarieres

Santanyí: santanyiner/santanyinera, santanyiners/santanyineres

Selva: selvatgí/selvatgina, selvatgins/selvatgines

Sencelles: senceller/sencellera, sencellers/sencelleres

Sineu: sineuer/sineuera, sineuers/sineueres

Sóller: solleric/sollerica, sollerics/solleriques

Son Servera: serverí/serverina, serverins/serverines

Valldemossa: valldemossí/valldemossina, valldemossins/valldemossines

Vilafranca de Bonany: vilafranquer/vilafranquera, vilafranquers/vilafranqueres

Genannt ist jeweils die katalanische und die spanische Variante.

(aus MM 36/2017)

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