Wie man auf Mallorca als Musiker (über)leben kann

| | Santa Ponça, Mallorca |
Ronald Brand hat seine Basis in Santa Ponça.

Ronald Brand hat seine Basis in Santa Ponça.

Foto: Patricia Lozano

Mallorca Magazin: Herr Brand, Sie sind seit mehr als 20 Jahren auf Mallorca ansässig und kennen die internationale Musikszene auf der Insel wie kaum ein anderer. Wie lebt es sich denn aus wirtschaftlicher Sicht als Berufsmusiker auf Mallorca?

Ronald Brand: Mallorca ist eine Insel. Das sagt eigentlich schon alles. Wir haben einen sehr begrenzten Markt. Man muss Mallorca mit einer deutschen Kleinstadt vergleichen und darf sich nicht davon blenden lassen, dass uns extrem viele Touristen besuchen. Wenn man in Sachen Musik nicht im Hotelbusiness tätig ist, dann zählen die nicht. Für uns sind diejenigen wichtig, die hier leben.

MM: Aber viele Musiker sind doch in Hotels und anderen touristischen Betrieben tätig, oder?

Brand: Ja, aber die betrachte ich nur bedingt als Profi-Musiker. Nur mit sechs bis sieben Monaten Hotel-Business kann man das Jahr nicht überleben. Das ist ein netter Nebenverdienst. Ein Profi-Musiker ist für mich jemand, der eine gewisse Ausbildung genossen hat oder über entsprechende Erfahrung verfügt und einen gewissen Status erreicht hat. Und mit dem kann man auf der Insel nicht überleben. Leider bezeichnen sich heute viele gerne als Profi-Musiker, weil sie sich ein Instrument gekauft haben, darauf herumdudeln und damit etwas Geld verdienen.

MM: Mallorca ist ja auch eine Event-insel. Firmenveranstaltungen, Geburtstage, Hochzeiten. Ergibt sich daraus nicht eine bessere Auftragslage als in einer deutschen Kleinstadt?

Brand: Nein. Klar, dass wir Profi-Musiker stark vom Event-Tourismus leben. Aber das ist ein absolutes Nischenprodukt. Wir haben vielleicht 1000 Hochzeiten von außerhalb pro Jahr. Davon fragen 300 Organisatoren nach Musikern. Die restlichen wollen einen DJ haben.

MM: Ihnen persönlich scheint es aber nicht schlecht zu gehen. Langsam müssen wir uns fragen, wovon Sie eigentlich leben ...

Brand: Wenn ich mein Geld nur mit Auftritten als Musiker verdienen würde, dann könnte ich auf Mallorca wohl nicht überleben. Oder ich müsste mich mit einem Hungerlohn zufriedengeben und mir vielleicht mit 60 noch eine Wohnung teilen. Ich bin aber nicht nur als Pianist tätig, sondern produziere komplette Entertainment-Konzepte für Firmenevents und große Hochzeiten. Meine Kunden sitzen nicht nur auf der Insel, sondern vor allem außerhalb. Nur mit Events von Kunden auf der Insel kann man vielleicht überleben. Aber nicht wirklich leben.

MM: Sie haben sich ein Netzwerk aus vielen Musikern aufgebaut, vermit-teln Künstler für den kleinsten und größten Event. Gibt es eigentlich so etwas wie eine typische Geschichte, warum es einen auswärtigen Musiker nach Mallorca verschlägt?

Brand: Es ist immer noch so, dass viele, vor allem deutsche und englische Musiker, denken, hier herrsche Goldgräberstimmung und alle warten nur auf sie. Aber diejenigen, die mit solchen Gedanken herkommen, sind im Normalfall nach ein oder zwei Jahren wieder verschwunden.

MM: Findet denn eigentlich eine Durchmischung der internationalen Musiker mit der spanischen Musik-szene statt?

Brand: Wir reden grundsätzlich von zwei unterschiedlichen Kulturen, wobei die Pyrenäen die Grenze darstellen. Alle, die aus dem Bereich nördlich der Pyrenäen stammen, brauchen erstmal zehn bis 15 Jahre, um sich an die komplett andere Musikkultur hierzulande zu gewöhnen. Umgekehrt ist es genauso.

MM: Es mischt sich also nicht so problemlos?

Brand: Das ist wirklich so. Vielleicht ein Prozent der Musiker aus dem anderen Kulturkreis vermischt sich mit den lokalen Künstlern.

MM: Das heißt, bei einem spanischen Firmenevent auf Mallorca treten andere Musiker auf als bei der Produktpräsentation einer deutschen Firma auf der Insel?

Brand: Das ist tatsächlich komplett anders. Wer kennt in Deutschland Bisbal, Chenoa oder Presuntos Implicados? Und kein Spanier weiß, wer Roland Kaiser oder Helene Fischer ist. Der Spanier ist extrem auf Latinomusik eingestellt. Amerikanische Musik wie Soul und Rock hat hier nicht das Gewicht wie zum Beispiel in Deutschland.

MM: Wie haben sich in den vergangenen Jahren eigentlich die Preise entwickelt, die für Livemusik gezahlt werden?

Brand: Es wird immer schwerer. Viele Leute fragen sich, warum soll ich eine Band mit fünf Personen buchen, wenn das auch ein Sänger mit MP3-Playbacks machen kann. Zumindest im Tourismusbusiness sind die Gagen richtig im Keller. Im Eventbereich sieht es bisher noch etwas besser aus.

MM: Ist handgemachte Musik nichts mehr wert?

Brand: Sagen wir es mal so: Der Kreis derer, die handgemachte Musik noch zu wertschätzen wissen, wird immer kleiner.

MM: Mal weg vom wirtschaftlichen Aspekt. Es wird immer wieder gesagt, Mallorca sei eine optimale Insel für die Kreativität …

Brand: Dazu kommt von mir ein uneingeschränktes Ja.

MM: Und was macht Mallorca so besonders?

Brand: Wer sich von den Touristenzentren etwas fernhält, der findet auf der Insel eine unglaubliche innere Ruhe. Das ist für Kreative ein absoluter Traum.

MM: Sie werden am Samstag 60. Ist das ein besonderer Geburtstag?

Brand: Es ist ein besonderer Geburtstag, aber nicht wegen der Zahl, sondern weil ich mir das Wochenende bewusst komplett freigenommen habe und mit meiner Lebensgefährtin romantische Stunden in einem Fünf-Sterne-Hotel auf Mallorca verbringen werde.

MM: Groß gefeiert wird also nicht?

Brand: Doch. Am nächsten Dienstag bei unserer "Tuesday Groove Session" im Hotel Golf Santa Ponça. Da erwarte ich zahlreiche Gäste.

MM: Wollen Sie den Rest Ihres Lebens auf Mallorca verbringen?

Brand: Nach derzeitigem Stand ja.

MM: Was könnte denn einen Strich durch die Rechnung machen?

Brand: Ich müsste mich zusammen mit meiner Lebensgefährtin ganz stark in eine andere Region der Welt verlieben. Das kann ich mir aber nicht vorstellen.

Mit Ronald Brand sprach MM-Redakteur Nils Müller

ZUR PERSON

Ronald Brand stammt aus Hittfeld bei Hamburg. Nach Abitur und Bundeswehr studierte er Musik am Konservatorium in Hamburg-Blankenese, verdiente danach sein Geld als Profi-Musiker und spielte in international aktiven Bands. Vor mehr als 20 Jahren siedelte er sich auf Mallorca an und wohnt heute in Santa Ponça. Als Pianist tritt Brand unter dem Namen "Rony B." auf. Mit seiner Firma (zu finden unter www.mallorca-inear.com) kümmert er sich aber auch um alle anderen Belange musikalischer Events und hat ein umfangreiches Musiker-Netzwerk aufgebaut.

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