Die ungeahnte Kraft der lila Möhre

| Mallorca |
Landwirt Tomeu Domenge hat sich der Rettung der "Safarnària" verschrieben.

Landwirt Tomeu Domenge hat sich der Rettung der "Safarnària" verschrieben.

Foto: ecu
Landwirt Tomeu Domenge hat sich der Rettung der "Safarnària" verschrieben.Die lila Möhre wird jetzt auf den Märkten verkauft.

Wie warme Semmeln gehen die Möhren von Tomeu Domenge auf dem Wochenmarkt von Llucmajor weg. Bund für Bund schwindet die orange Pracht am Stand des Biobauern. Dabei wissen die Kunden gar nicht, was sie sich entgehen lassen. Die Urkarotten haben Saison. Sie liegen direkt daneben, ähnlich in der Form, aber violett in der Farbe. Kaum jemand interessiert sich dafür. "Das sind die authentischen Karotten der Insel", meint der junge Mallorquiner. "Sie sind viel wertvoller als die normalen. Sie haben die gleichen Nährstoffe, aber viel mehr davon."

Man erfährt, dass die Möhren gar nicht immer orange waren, sondern ursprünglich violett, weiß und gelb. Karotten gehören zu den ältesten Gemüsearten. Die ersten Kulturformen gab es in der Region von Afghanistan vor 1100 Jahren. Die orangefarbene Möhre (Daucus carota subsp. sativus) ist seit Ende des 17. Jahrhunderts belegt. Angeblich sollen sie holländische Landwirte aus Verehrung des Königshauses Oranien gezüchtet haben. Doch belegt ist die Theorie nicht.

Die violette Rübe ist also eine Vorfahrin der orangefarbenen. In verschiedenen Regionen in Europa und Asien wird sie weiterhin angebaut, auch auf Mallorca. Dabei gibt es einen großen Unterschied zur üblichen Möhre. Während diese intensiv züchterisch bearbeitet wird, etwa um den Gehalt an Zucker und Carotin zu optimieren, ist die Urkarotte nicht genetisch beeinflusst. Der Samen passe sich der jeweiligen Erde an, erklärt Domenge. "Wir nennen die mallorquinische Unterart ,Safarnària' oder ,Pastenaga negra'." Um zu helfen sie zu erhalten, habe er sich vor zwei Jahren entschlossen sie anzubauen. Sie sei nicht so ergiebig. Während die orangene Möhre dreimal pro Jahr gesät werde, habe die Urversion nur im Winter Saison. "Im August wird sie gesät. Die Ernte ist von Dezember bis etwa Mai. Wärme mag sie nicht." Exemplare aus konventioneller Landwirtschaft seien größer als biologisch angebaute und hätten eine dunkelviolette Schale. Innen seien alle fast weiß.

Aus der Inselküche ist die Urkarotte weitgehend verschwunden. Dabei könne man sie für alles verwenden, selbst zum Braten und Dünsten. Dafür eigne sich die normale Karotte weniger, sagt Domenge. Das traditionelle Inselgericht mit lila Möhre sei der Eintopf "Frit de pastenagues". "Wir nehmen dazu lila Möhren, Artischocken, Speck, Frühlingszwiebeln und Kartoffeln." Konventionell angebaute Möhren sollte man schälen, bei Bioanbau reiche es, sie gut zu säubern und dann in kleine Stückchen zu schneiden ebenso wie die Artischocken, Zwiebeln und Kartoffeln. "Den Speck etwas anbraten, dann Möhren, Artischocken und Zwiebeln hinzugeben. Die Kartoffeln getrennt anbraten, dann hinzufügen und alles zusammen noch 15 bis 20 Minuten bei kleiner Hitze kochen." Wer eine "Greixonera" habe, die traditionelle Tonschüssel, nehme sie dazu. Sonst reiche auch eine normale Pfanne. "Würzen tun wir nur mit Salz und einem Lorbeerblatt." Wer es pikant möge, könne etwas Chilischote dazugeben.

Auch einige Köche der Insel haben die Urkarotte wieder entdeckt. Zu den erklärten Fans gehört der mallorquinische Food-Blogger Manu Ruiz, genannt Cat Man. Im Geschmack sei sie normalen Karotten sehr ähnlich, aber etwas süßlicher und ein ganz kleines bisschen pikant. "Dadurch geben sie Gerichten eine ganz interessante Note." Das Besondere sei natürlich die violette Farbe. "Wenn Sie mit der Safarnària kochen, färben sich die Gerichte wie bei der Roten Bete, ohne ihnen aber diesen erdigen Geschmack zu verleihen." Gleichzeitig sei sie dank ihres hohen Gehalts an Vitaminen und Mineralien sehr förderlich für die Gesundheit. Der Food-Blogger schlägt vor, die Urkarotte einmal auszuprobieren, allen voran natürlich das "Frit de Pastenaga negra" und zum Nachtisch einen Karottenkuchen. Hierfür eigne sich jedes Rezept. "Die Urmöhre macht ihn besonders saftig und süß und bestimmt errät niemand, was die dunklen Stücke im Teig sind."

(aus MM 2/2018)

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MK / Vor etwa 1 Jahr

Die Urmoehre ist super.