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Die Seniorin weiß genau, was sie will: 250 Gramm Rohrzucker, die gleiche Menge Mandelmehl, Knabbermix und Kürbiskerne für den Gatten. „Bei mir kann jeder genau die Menge kaufen, die er benötigt”, sagt Sandra Pastor, „so wird weniger weggeworfen.” Seit mehr als zwei Jahren führt sie ihr Geschäft „Granelia” (Carrer Cristòfol Pizá 25) in Sóller. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Unverpackt-Laden. Das heißt, alle Waren werden lose angeboten, gewogen und der Kunde nimmt seine Einkäufe entweder in Schraubgläsern oder in Papiertüten mit nach Hause. Plastikverpackungen oder -beutel gibt es im „Granelia” nicht.

Sandra Pastor stammt auch aus dem Orangendorf. Sie verkauft Mehl, Tees, handgemachte Pasta, Kräuter, Gewürze, Nüsse und Trockenobst. An einigen Tagen hat sie auch Obst und Gemüse im Angebot. Alles aus nationaler Produktion, einige Waren stammen von Mallorca. Wer im „Granelia” einkauft, bringt seine Behälter selbst mit – diese werden vor dem Befüllen gewogen – oder bekommt von der Inhaberin Papiertüten.

Zu ihren Kunden gehören sowohl Einheimische als auch Residenten, viele stammen aus den skandinavischen Ländern, Großbritannien und Deutschland. „Es kommen sowohl junge Leute als auch die älteren Damen des Ortes zu mir. Das Bewusstsein wächst mehr und mehr.”

Die Idee für „Granelia” hatte im Grunde ihre Großmutter: „Sie sagte immer, wenn wir voran kommen wollen, müssen wir zurückgehen.” Gemeint ist damit zu einem bedarfsgerechten Einkaufsverhalten zurückzukehren: „Wir haben die Vorratsschränke voll mit Lebensmitteln, die schlecht werden”, sagt Sandra Pastor.

Auch Hannah Russell ist der Ansicht, dass das Einkaufsverhalten von vor wenigen Jahrzehnten wesentlich umweltschonender als das heutige war. „Durch die Werbung werden wir erzogen, dass wir beispielsweise verschiedene Cremes und Seifen für verschiedene Körperstellen brauchen”, sagt die 36-Jährige. Und zack stehe das Badezimmer voller Plastikflaschen.

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Vor zwei Jahren startete die Engländerin mit ihrem Online-Shop „Viveco”, mittlerweile hat sie auch in ihrer Wahlheimat Alaró ein Geschäft (Carrer de Pere Sampol Son Curt 26) eröffnet. „Viveco” bietet Alternativen zu üblichen Plastikprodukten an: Metallrasierer mit Rasierklinge, wie sie schon Opa benutzte, Zahnbürsten aus Bambus, Seifen, Holzbürsten, Stoffbeutel für die Einkäufe, Flüssigwaschmittel in großen Behältern zum Nachfüllen und Ähnliches.

Auch hier ist die Kundschaft bunt gemischt, jung und älter, alteingesessen und zugewandert. Hannah Russell hat sich einen besonderen Käuferkreis erschlossen: Auf Yachten finden ihre plastikfreien Produkte guten Anklang. Sie selbst arbeitete jahrelang als Stewardess auf Luxusyachten und weiß, was die Bedürfnisse an Bord sind. Zudem ist ihr der Schutz der Meere wichtig, mit ihrem fünfjährigen Sohn geht sie beispielsweise zu Strandsäuberungsaktionen.

„Oft fragen mich Kunden, wie sie es schaffen können, weniger Plastik und Abfall zu produzieren.” Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: „Man muss einfach weniger kaufen.” Die Engländerin selbst geht bewusst einkaufen: Eigene Behältnisse für Fisch und Fleisch mitbringen, Stoffbeutel benutzen, Geschäfte, die zu wenig Umweltbewusstsein zeigen, meidet sie. „Klar, es ist nicht einfach, man muss sich gut organisieren.”

Das Angebot an Geschäften, die komplett auf Plastik verzichten oder zumindest dessen Verbrauch eindämmen, wächst. Sowohl in Palma als auch in den Dörfern eröffnen Unverpackt- und Plastikfrei-Läden. Hinzu kommt, dass ebenso auf den Wochenmärkten auf Plastiktüten verzichtet wird. Auf dem Biomarkt in Palma (Plaça de los Patines) bringen die Käufer ihre eigenen Taschen mit, auf dem Markt in Sineu werden Plastikbeutel nur ungern ausgegeben. Ebenso änderte Carrefour seine Vorgaben, dass jegliches Obst und Gemüse zum Abwiegen in Plastikbeutel verpackt werden muss, und Lidl hat seit diesem Sommer auch Stoffbeutel im Angebot.

(aus MM 37/2019)