Britt und Alex Jolig auf Mallorca: 2020 ist für sie das Jahr des Neuanfangs

| Mallorca |
Britt Jolig hat früher schon mal auf Mallorca gelebt, auch Alex kennt die Insel schon lange.

Britt Jolig hat früher schon mal auf Mallorca gelebt, auch Alex kennt die Insel schon lange. Jetzt ist das Eiland ihr gemeinsames Zuhause geworden.

Foto: Patricia Lozano

Mitten in der Coronazeit nach Mallorca auswandern – das haben Britt und Alex Jolig gewagt, und nicht jeder findet das gut: „Ob das jetzt sein müsse, in ein Risikogebiet zu ziehen. Dass ich fahrlässig sei, weil ich mich dem Risiko so aussetze, das kam von außen. Mir hat sogar jemand Corona gewünscht, das war schon sehr hart”, sagt Britt Jolig Anfang Oktober gegenüber MM, während sie mit einem Teelöffel langsam die Sojamilch in ihrem Kaffee verrührt.

Seit 2017 leidet die 53-Jährige an einer schweren Autoimmunkrankheit, wäre zwei Mal fast gestorben. Mittlerweile geht es ihr besser, auch die Haare wachsen nach. Doch es gibt immer noch schwere Tage. „Ich gehe verantwortungsvoll mit der Situation um! Ich leugne das Virus nicht – nur habe ich nicht dafür gekämpft gesund zu werden, um dann den Rest meines Lebens eingesperrt zu sein.”

Am 26. August sind Britt und Alex Jolig auf Mallorca gelandet, One-Way-Tickets. Dass sie eines Tages nach Mallorca umziehen, das war schon lange klar, beide haben eine starke Verbindung zur Insel. Die Entscheidung jetzt auszuwandern, die fiel dann aber doch sehr spontan. Im Mai haben die Joligs einige Wochen auf einer Finca in S’Horta verbracht und sich Hals über Kopf in die Insel verliebt. Schon wieder. Britt Jolig lebte bis 2011 bereits 14 Jahre auf Mallorca, hat die Firma Fincas4you gegründet. Ehemann Alex hat hier schon in den 80ern viele Urlaube verbracht, am Cap de Formentor tauchen gelernt, ist mit dem Motorrad die Serpentinen der Tramuntana entlanggedriftet. „Wir haben uns gerade in Düsseldorf nach einem neuen Atelier umgesehen, dann haben wir gedacht, ach, ziehen wir doch gleich hierher”, lacht der freischaffende Künstler, der im Jahr 2000 als Container-Bewohner der ersten „Big Brother”-Staffel berühmt wurde. Seine Single „Ich will nur dich” stürmte kurz darauf die Charts und machte ihn zum internationalen Star.

20 Jahre später. Der heute 57-Jährige packt den Song noch einmal an und veröffentlicht im Juni mit Stereoact einen Pop-Dance-Remix. Für die Joligs ist 2020 eben das Jahr des Neuanfangs. Nicht nur Alex ist dabei, seinen Fokus neu zu setzen, sich mehr auf Kunst und Kreativität zu konzentrieren. Besonders Britt tritt jetzt kürzer, will auf Mallorca den „Chill-out-Modus” genießen, wieder mehr Dinge tun, die Spaß machen. Stand-up-Paddling im Meer vor Ciutat Jardí, an Palmas Strandpromenade entlang radeln – die Bewegung im mediterranen Klima tut der gebürtigen Bonnerin sichtlich gut: ein leicht gebräunter Teint, die Augen strahlen unter dem modernen Pixie-Cut, während sie von der frisch bezogenen Wohnung in erster Meereslinie schwärmt. Niemand würde glauben, dass diese charismatische, lebensfrohe Frau dem Tod schon mehrfach von der Schippe gesprungen ist.

Zwei Schlaganfälle hat die Geschäftsfrau hinter sich, die Milz musste entfernt, eine Herzklappe transplantiert werden. Eine Infektion mit dem Coronavirus könnte schlimme Folgen haben, darüber ist sich das Best Ager Model im Klaren, doch sei die Ansteckungsgefahr in Deutschland ja nicht geringer. Außerdem war es ihr kaum möglich, mit der Krankheit offen umzugehen, nur selten ist sie ohne Perücke auf die Straße gegangen: „Die haben mich überall schief angesehen, als Nazi beschimpft oder anders beleidigt. Auf Mallorca geht man anders damit um, hier habe ich mich sogar getraut, mit Glatze am Strand zu sitzen.” Sich zu Hause vor dem Virus zu verstecken, das kommt für die Unternehmerin nicht infrage und ihr Mann nickt zustimmend: „Wir müssen eben lernen, mit dem Virus zu leben. So schnell wird das alles nicht vorbei sein.”

Was die Krise für Mallorcas Wirtschaft und für die Bewohner bedeutet, das mögen sich die neuen Mallorca-Residenten gar nicht ausmalen. Britt Jolig hat den Inseltourismus auch aus Unternehmersicht erlebt. Das Business der Ferienvermietung hat sie 2019 zwar ad acta gelegt – über die zahlreichen Stornierungen weiß sie dennoch gut Bescheid, über die Konsequenzen ebenfalls: „Es geht ja nicht mehr darum, dass sich die Menschen keinen neuen Kühlschrank mehr leisten können, sie können den Kühlschrank nicht mehr voll machen. Solidarität und karitative Hilfe, das wird noch ein sehr wichtiges Thema.” Anpacken und Mithelfen, für die Joligs nichts Neues. Seit Jahren unterstützen sie Hilfsorganisationen weltweit, auch „Hope Mallorca” gehört dazu: „Allein in Santanyí werden 800 bis 900 Essenspakete ausgeteilt. Pro Woche”, sagt Britt Jolig.

Nur still rumsitzen und nichts tun, das steht dem Power-Paar einfach nicht. Auch, wenn die beiden es sehr genießen, an ihrem Lieblingsplatz zu sitzen, vom kleinen Strand direkt vor der Haustüre aus auf die Kathedrale zu schauen – ganz ohne kreative Perspektiven können die zwei nicht. Aktuell sind sie auf der Suche nach einem Atelier, vielleicht im Gewerbegebiet Son Oms. Dort möchte Alex Jolig der Kunst nachgehen, Malen, Fotografieren und vielleicht Musik machen – ein neuer Song, das würde ihn schon reizen.

Auch Ehefrau Britt hat mit ihrem neuen Leben noch viel vor: Aus ihren Fotografien soll ein Bildband werden, sie möchte Pop-up-Stores eröffnen, Ausstellungen organisieren und Bücher schreiben. Das erste ist bereits in Arbeit: „Es wird ein unterhaltsames Sachbuch, mehr verrate ich noch nicht”, grinst das 1,80 Meter große Model. Vor allem aber wünschen sich die Wahl-Mallorquiner von der Zukunft: „Dass wir gesund und munter bleiben. Vor allem gesund. Wir passen auch weiterhin gut auf uns auf, aber das Leben zu genießen, das lassen wir uns nicht nehmen. Jetzt erst recht nicht.”

(aus MM 42/2020)

Kommentar

Nutzungsbedingungen

Rechtlicher Hinweis

» Der Inhalt der Kommentare spiegelt die Meinung der Nutzer wider, nicht die von mallorcamagazin.com

» Es ist nicht erlaubt, Kommentare abzuschicken, die gegen das Gesetz verstoßen oder unangebrachte, beleidigende oder ehrverletzende Inhalte haben.

» mallorcamagazin.com behält es sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

* Pflichtfelder

Majorcus / Vor 26 Tage

@Stefan Meier: "1997 erhielt Andrea Ikker ein Engagement im Orchester der Bayerischen Staatsoper München, wo sie bis heute fest angestellt ist." Quelle: www.staatsoper.de/biographien/detail-seite/ikker-andrea.html?tx_sfstaatsoper_pi4%5Bcontroller%5D=Persons&tx_sfstaatsoper_pi4%5Baction%5D=show @Mallorkus: Vielen Dank für Ihre Zeile, die gute Rückschlüsse auf Ihre Person erlaubt.

Caroline G. / Vor 26 Tage

Viele bringen für die Auswanderung alles mit was wichtig ist, die Beherrschung der Landessprache, ausreichend Kapital, Wissen über die wirtschaftliche und politische Situation des neuen Heimatlandes. Was jedoch am Wichtigsten aller aufgeführten Dinge sind, ist die Gesundheit, die kann man selbst mit viel Geld nicht kaufen. Mit schweren Vorerkrankungen würde ich persönlich nicht mehr nach Spanien ziehen ( habe selbst ein paar Jahre auf den Kanaren gelebt ) weil das Gesundheitssystem einfach nicht ausreichend ist, für spezielle Erkrankungen, auch nicht wenn man Privat Patient ist und Selbstzahler, es hilft das man ohne längere Wartezeiten Untersuchstermine bekommt, jedoch die Kapazität für spezielle Krankheiten ist dann begrenzt. Es fehlen schlicht Fachärzte!

Uschi / Vor 27 Tage

Oh Gott . Die nächsten Typen die behaupten singen oder malen zu können.

Mallorkus / Vor 27 Tage

Jawollo so is richtig...und der olle malorcus möge den Rest seines Lebens nur noch an sich selbst rumspielen.

Stefan Meier / Vor 27 Tage

Zunächst einmal liebes MM Team: Künstler sind immer freischaffend. Deshalb ist freischaffender Künstler doppelt gemoppelt. An den beiden sieht man, dass Mallorca so schnell nicht untergehen wird. Es gibt genug Kapital in Deutschland. Wenn das eine Restaurant oder Cafebar zu macht, stehen schon drei Deutsche bereit, den Schlüssel zu übernehmen. Die beauftragen dann Handwerker um das neueste supidupi Micky Maus Konzept umzusetzen. Untergehen werden nur die miesepetrigen Deutschen, die überall den nahenden Untergang sehen. Als Geschäftsmann muss man die Chancen sehen, die Corona bietet.

Gerhard M.F.Stock / Vor 28 Tage

Mögen eure Wünsche in Erfüllung gehen. Alles Gute und immer beste Gesundheit.