So überlebt eine deutsche Gastronomin die Corona-Pandemie auf Mallorca

| Pollença, Mallorca |
Annette Adolph (r.) mit ihrer Mitarbeiterin Claudia Hartwig vor ihrem Laden in Pollença.

Annette Adolph (r.) mit ihrer Mitarbeiterin Claudia Hartwig vor ihrem Laden in Pollença.

Foto: an
Annette Adolph (r.) mit ihrer Mitarbeiterin Claudia Hartwig vor ihrem Laden in Pollença.Der Kalvarienberg mit seinen von Zypressen gesäumten 365 Stufen – die Zahl steht symbolisch für ein ganzes Jahr – ist eine der größten Attraktionen Pollenças.

Annette Adolph tritt vor ihren Laden und sieht – nichts. Dort, wo sich üblicherweise große Touristenmassen bewegen, herrscht gähnende Leere. Die 57-jährige gebürtige Mannheimerin, betreibt seit dem Frühjahr 2012 zusammen mit ihrem Berliner Lebensgefährten Kai Metzner einen Feinkostladen im mallorquinischen Dorf Pollença, das sich am Fuße des malerischen Tramuntana-Gebirges erhebt. Die Leere ist ein Zustand, der nicht allein auf den touristenarmen Winter zurückzuführen ist. „An einem so schönen Tag Mitte September um 12 Uhr wäre die Treppe vor unserem Laden normalerweise voll von Touristinnen und Touristen gewesen“, sagt Adolph und deutet mit dem Finger auf ein Foto, das sie in der eigentlichen Hauptsaison aufgenommen hat und das beispielhaft für den Ausfall des Tourismusjahres 2020 steht.

Die Lage ihres Delikatessen-Geschäftes könnte besser nicht sein: Pollença ist kein klassischer Übernachtungsort auf Mallorca, aber dennoch ein Ziel, das täglich von mehreren Hundert Touristen angesteuert wird. Grund ist die einladende und von Restaurants umsäumte Plaça Major sowie der Kalvarienberg mit der kleinen Kapelle Eglésia del Calvari. Vom Ortskern führen 365 Treppenstufen – symbolisch eine für jeden Tag des Jahres – den Kalvarienberg hinauf zu der kleinen Kapelle, von der aus ein imposanter 360-Grad-Rundblick über die Ebene und das sich fast schon bedrohlich erhebende Tramuntana-Gebirge einlädt. Hat man den Gipfel des Kalvarienbergs erreicht und – wie Romantiker erklären – bei jeder Stufe einen Tag des vergangenen Jahres Revue passieren lassen, gibt es – in guten Zeiten – eine Erfrischung in einem winzigen Kiosk, der direkt im Anschluss an die Kapelle eingerichtet ist. Gesellschaft bieten dabei mehrere schläfrige Katzen, denen der übliche Trubel scheinbar ein größeres Gefühl von Geborgenheit gibt. Mitunter entlockt auch ein Alleinunterhalter seiner Gitarre sanfte Töne, ehe man sich von diesen Eindrücken begleitetet wieder auf den Weg nach unten macht, um sich beim Abstieg die Wünsche für die kommenden 365 Tage zu überlegen.

Im von unten betrachtet ersten Drittel des für Ungeübte nicht ganz stressfreien Stufenmartyriums wartet Annette Adolphs Laden mit dem einladenden und nach Sonne und Genuss lechzenden Namen „Sol y tierra“ (zu deutsch: Sonne und Erde). Die Produkte sowie die Zutaten, die sie gemeinsam mit einem erfahrenen Koch in ihrer kleinen Manufaktur verarbeitet, stammen fast ausschließlich von Mallorca. 2018 schaffte es ihr Aprikosen-Balsamico sogar in die Genuss-Beilage des „Stern”-Magazins. Zugegeben, mit der Lage ihres Ladens profitiert sie mit Sicherheit auch von den ersten zwingenden Verschnaufpausen der Touristen, die sich sonnengeplagt, aber aufopferungsvoll die Stufen nach oben schieben. „Und es ist für mich ein toller Ort zum Arbeiten, der Laden ist licht- und luftdurchflutet, von der Tür aus der tolle Blick auf den Kalvarienberg und auf der anderen Seite auf den Puig Maria – schöner geht kaum“, gerät die einstige Odenwälderin ins Schwärmen. Im Jahr 2011 war ihr Entschluss gereift, nach 20 Jahren Dienst im sozialpädagogischen Bereich ein neues Kapitel in ihrem Leben aufzuschlagen. „Seit 2007 sind wir regelmäßig nach Mallorca geflogen und haben die Insel liebgewonnen. Wir wollten für unser Ziel keinen touristischen Ort am Meer, sondern einen Standpunkt, wo auch Einheimische einkaufen und leben“, erklärt Adolph die Wahl des neuen Domizils. „Und natürlich genießen wir die dörfliche Struktur unheimlich. Dazu ist es landschaftlich schön, Natur und Wetter waren am Ende ausschlaggebend, hierher zu kommen.“

Inzwischen ist die Auswanderin mit ihrem Berliner Lebensgefährten in Pollença nicht nur akzeptiert, sondern bereits fest integriert. „Zu unseren mallorquinischen Nachbarn haben wir ein super Verhältnis, sie haben über die Jahre gesehen, wie hart wir arbeiten und ich denke, wir sind voll akzeptiert, mit einigen auch befreundet“, bestätigt Adolph.

Doch auch für sie war das Jahr 2020 besonders. Die Corona-Pandemie beeinflusste die Touristenströme nach Mallorca enorm. Ausgangssperren, Lockdowns, fehlender Publikumsverkehr – Einschränkungen, die manch anderem Gewerbetreibenden auf der Insel den Garaus gemacht haben – bei Annette Adolph federte der glücklicherweise gut funktionierende Onlineshop und eine treue Stammkundschaft diese Ausfälle zumindest teilweise ab. Zudem hat das Corona-Virus im Vergleich zu umliegenden Gemeinden wie Sa Pobla, wo inzwischen die gesamte Bevölkerung Massentests unterzogen wurde, um Po-llença lange einen großen Bogen gemacht. „Über viele Monate waren die Zahlen hier relativ niedrig, erst in den vergangenen sechs Wochen sind sie stärker angestiegen.” Absurd sei die Situation im Sommer gewesen: „Obwohl bei uns in Pollença kaum Touristen waren, es sich leicht Abstand halten ließ, hier schon lange Maskenpflicht herrschte und die Ansteckungszahlen niedrig waren – wurde ganz Mallorca zum Risikogebiet erklärt“. Annette Adolph schüttelt den Kopf. „Währenddessen haben sich in Deutschland die Leute ohne Abstand und Masken in den heimischen touristischen Gebieten regelrecht gestapelt, und es war alles völlig überlaufen.“

Die unterschiedlichen Bewertungen der Corona-Lagen im Sommer 2020 kann Annette Adolph nur schwer fassen. Darum richtet sie ihren Blick auch lieber in die Zukunft und hofft, dass 2021 ein besseres Touristenjahr wird. Dann will sie ihre Erzeugnisse und Leckereien wieder persönlich und im direkten Gespräch den Kunden offerieren können.

Kommentar

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wala / Vor 1 Monat

@s.Meier

Man wünscht sich, bei Ihrer Einstellung und Kommentaren, dass Ihr Laden/Betrieb, sollten Sie einen auf dem Festland betreiben, Pleite geht. Ich fürchte fällt mal wieder der Zensur zum Opfer.

M / Vor 1 Monat

@Tscharlie Häusler: Zeugt von Ihrer stolzen, positiven Voreingenommenheit über sich selbst, wenn ausgerechnet Sie über "noch viel dümmere Kommentare!" schreiben ...

M / Vor 1 Monat

@Stefan Meier: Sonst sind Sie doch kritisch - warum glauben Sie hier alles, was geschrieben steht?

Tscharlie Häusler / Vor 1 Monat

Stefan Meier: Es gibt dumme und noch viel dümmere Kommentare! Ihr überflüssiger Kommentar ist jedenfalls nicht dumm! Weiter so!

petkett / Vor 1 Monat

Idee gut, Ware ehrlich und ohne Schnick, Schnack. Wenn es dann noch lecker ist und optisch anspricht, warum nicht. Der Erfolg war da und kommt wieder, viel Glück, denn das braucht man auch.

Toni Paul / Vor 1 Monat

Was für ein wiederholt dämlicher Kommentar von S.M.. Wer nichts zu melden hat sollte einfach mal die Klappe halten.

Ich kenne das Geschäft und auch die Inhaber. Super nett und echt leckere Sachen gibts da. Haltet durch!

Son Vidarius / Vor 1 Monat

@Stefan Meier, ist das bei Ihnen die Sonne oder die abflauende Grippepanik, die zu immer mehr verworrenen und inhaltslosen Beiträgen führt? Wenn Sie nix mit Feinkost am Hut haben, Ihr Ding. Durch die Kontrolle schmuggeln? Hä? Ist Balsamico eine Droge? Wenn ja, hatten Sie zuviel davon

SK / Vor 1 Monat

Herr Meier, wo sehen Sie das Problem für den Touristen? Im Koffer sind solche Produkte durchaus erlaubt, warum sollte man es unbedingt im Handgepäck unterbringen? Auch Einheimische lieben durchaus das Besondere, viele werden es gern kaufen.

Luis Dietl / Vor 1 Monat

@Stefan Meier: Es gibt anscheinend genug Kunden, wozu ich mich ebenfalls zähle, die ihre Produkte kaufen. Sonst hätten sie bestimmt schon lang geschlossen, zumal der Onlineshop trotz der Lage gut läuft. Sie haben sich über die Jahre dort etabliert. Ich finde, da sollte man trotz anderer Ansichten ihnen etwas mehr Respekt entgegenbringen.

rocco / Vor 1 Monat

Für Frau Adolph wird es sicherlich weiter gehen, wenn sie sowohl Stammkundschaft und einen online-shop hat. Das ist schon mal ein guter Plan B. Plan C wäre dann, wenn ihr die Immobilie gehören würde. Das geht allerdings aus der Berichterstattung nicht hervor. Sie könnte nämlich noch gelassener sein, wenn keine Miete für das Ladenlokal anfallen würde.