Als Fortbewegungsmittel für den mallorquinischen Straßenverkehr empiehlt der Ex-Handballprofi die Vespa.

Auf einer roten Vespa kommt der 1,93 Meter große Hüne in den Hafen von Palma hineingefahren, die Sonnenbrille im Gesicht, den Helm auf dem Kopf, und parkt vor dem Hard Rock Cafe. Michael Roth, ehemaliger Handballprofi und aktiver Handball-Trainer, genießt seine etwas ruhigeren Zeiten momentan auf Mallorca. Und ganz besonders tankt er hier Kraft von der balearischen Sonne ... fernab von seiner Heimat Hamburg, die für ihr feuchtes Wetter bekannt ist. Die Statistik gibt ihm in dieser Hinsicht in der Tat Recht: In der Hansestadt regnet es durchschnittlich 15,8 Tage im Monat, auf Mallorca sind es lediglich 4,25.

Seinen ersten Kontakt mit den Balearen hatte der ehemalige „Spielmacher” schon früh. In jungen Jahren reiste er häufig mit Mannschaftsfahrten nach Ibiza. Erst später kam Michael Roth dann nach Mallorca. Zwischen beiden Inseln gibt es für ihn einen feinen Unterschied: „Ibiza ist mit seinen vielen Clubs eher für junge Leute, zum Feiern und Party machen, und hat eine wunderschöne Natur. Mallorca ist etwas ‚erwachsener’ und mehr gesettled. In puncto Natur steht es Ibiza aber in nichts nach, ganz im Gegenteil. Ich habe Mallorca zwar erst viel später entdeckt, aber mich dann sofort in die Insel verliebt.“

In seiner sportlichen Laufbahn erklomm Michael Roth fast alle denkbaren Höhen. Der Gipfel seines Erfolgs war sicherlich die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles, wo er mit der deutschen Mannschaft die Silbermedaille holen konnte. Bei 44 Länderspielen trat er dann für die deutsche Handballnationalmannschaft an und nahm 1986 auch an der Weltmeisterschaft teil. Als Ehrung für seine sportlichen Leistungen wurde ihm vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker das Silberne Lorbeerblatt verliehen. Immer mit an seiner Seite: Der Zwillingsbruder und Weggenosse Uli, seinerzeit in der Position als „Kreisläufer”.

Auch danach als Trainer hat Roth eine beachtliche Karriere vorzuweisen: Nach vielen Stationen als Bundesliga-Trainer folgte die Betreuung des Teams der Sydney Universität bei der Vereinsweltmeisterschaft. Zuletzt trainierte er die Füchse Berlin und war Nationalcoach des Königreichs Bahrain. Bis ihm Corona einen Strich durch die Rechnung machte. Jetzt lässt er es ein bisschen ruhiger angehen – dafür ist Mallorca für ihn ideal.

Das frühzeitige Ausscheiden der deutschen Mannschaft noch vor dem Halbfinale bei der Handball-EM bedauert Michael Roth. Ihm zufolge waren die Bedingen für das corona-gebeutelte Team sehr schwierig, und Schweden sei ein ernstzunehmender Gegner gewesen.

Auch nach dem Ende seiner Sportler-Karriere gönnt sich der Ex-Handballprofi keine zu langen Auszeiten. Denn dazu ist seine Geschichte zu vielseitig, einfach zu facettenreich. 2009 traf ihn und seinen fünf Minuten älteren Bruder ein harter Schicksalsschlag: Innerhalb von wenigen Wochen erhielten Michael und Uli beinah zeitgleich die Diagnose Prostatakrebs. „Vielleicht ist das in unserer Familie genetisch so vorbedingt”, vermutet Roth. Jetzt, nach einer Operation und über ein Jahrzehnt später, gelten beide Brüder als geheilt. Die Erfahrungen mit der Krankheit haben Michael und Uli in zwei Büchern verarbeitet. Mit seiner Geschichte möchte Michael anderen Betroffenen Mut zusprechen. Dazu gehören auch TV-Auftritte wie am 15. Februar in „Showtime of my Life – Stars gegen Krebs” auf Vox. In der Sendung berichten Prominente anlässlich des Weltkrebstages von ihrem Umgang mit der Krankheit.

Was den Handball anbelangt, kann sich Roth vorstellen, auch auf der Insel eine Mannschaft zu trainieren. „Im Moment bin ich offen für Trainer-Angebote”, sagt er mit einem Augenzwinkern. Auch eine andere Sportart hat es ihm auf der Insel angetan – das Golfen. „Wir wohnen direkt neben einer Golfanlage bei Bendinat. Und durch den Golf hier kommen wir auch in Kontakt mit vielen Einheimischen und ausländischen Residenten”, hebt Roth hervor. Ein weiteres karitatives Engagement ist seine Mitgliedschaft bei den Gofus, den „golfenden Fußballern”, die ab und an auf Mallorca Golf-Turniere spielen. Zwar kommt Roth in dem Verein als Handballer eine Sonderrolle zu, doch ist hier der gute Wille ausschlaggebend. In der Vereinigung haben sich 500 aktive und ehemalige prominente Fußballer zusammengetan, um gemeinsam für den guten Zweck zu spielen und Spenden für Hilfsprojekte und gemeinnützige Organisationen zu akquirieren.

In seiner Zeit auf Mallorca entdeckte Michael auch das Wandern für sich. „Wandern ist etwas, was bei mir mit einem kaputten Knie und neuer Hüfte als ehemaliger Sport-Profi noch geht”, lacht er. „Zusammen mit meiner Frau erkunden wir hier die Natur, und vielerorts hat man in der Serra de Tramuntana eine traumhafte Aussicht. Nur manchmal könnten die Wege ein bisschen besser ausgeschildert sein, denn vor wenigen Tagen haben wir uns in der Wildnis verlaufen”, lacht er. Trotzdem fühle er sich auf der Insel pudelwohl. „Man hat hier als Fremder immer das Gefühl, willkommen zu sein! Zudem ist hier alles top organisiert. Und da es auf Mallorca viele Deutsche gibt, sollten gerade wir den Insulanern, den selben Respekt entgegenbringen”, resümiert der ehemalige Profi-Handballer.

Auch jetzt, in der schwierigen Corona-Zeit, schneidet die Insel für ihn im direkten Vergleich mit Deutschland bestens ab: „Die Regeln hier sind einfach viel klarer und transparenter, mit Sinn und Verstand. Hier heißt es: Draußen Maske anziehen und fertig! In Deutschland gibt es ein ewiges Hin- und Her, und zu der Winterdepression kommt jetzt noch Corona hinzu. Der Vorteil auf Mallorca ist eben auch, dass sich das Leben sogar im Winter zu großen Teilen draußen im Freien abspielen kann.” Und diese Vorzüge, die die Insel zu bieten habe, gelte es auch auszukosten. Dazu gehört für den 59-jährigen Ex-Sportler auch die mallorquinische Küche. „Meine Frau war 15 Jahre in der Gastronomie tätig und hat daher ein Faible für gute Restaurants. Einmal im Monat gehen wir hier auch gerne mal in Palma ins „Vandal”. Neben der spanischen schätzen wir zudem die peruanische und südamerikanische Küche”, schwärmt Michael. „Dazu trinke ich gerne einen mallorquinischen Wein, denn dieser ist eine Klasse für sich. Und nach dem Essen darf es ein ,Hierbas’, ein Kräuterlikör, sein”, schwelgt er. „Wir gehen auch in den Mercat de l´Olivar, um Fisch oder Fleisch zu kaufen. Da wird man dann schon mal vom Metzger begrüßt. Diese kleinen Dinge sind es, die das Lebensgefühl ausmachen. Von daher ist Mallorca einfach unschlagbar.”

Roth kann nicht nachvollziehen dass viele bei Mallorca immer nur an Sommer denken. Doch die Insel habe auch in den Wintermonaten ihren Reiz. „Denn jetzt ist es ruhiger, da die vielen Touristen weg sind,” so sein Fazit.

Selbstverständlich hat Michael auch Lieblingsorte hier auf der Insel. Neben Palma, Cala Ratjada und Alcúdia ist Port d’Andratx für ihn besonders sehenswert. Sein Geheim-Tipp für den mallorquinischen Verkehr: Die Vespa. „Der große Motorroller ist einfach perfekt für kurze Wege auf der Insel. Damit hat man keine Parkplatz-Probleme und zudem wird er von den Behörden gut akzeptiert”, fasst der Handballer seine Erfahrungen zusammen. Noch pendelt Roth zwischen dem Festland und Mallorca. Auch beruflich ist er momentan viel unterwegs. Sein Ziel ist es jedoch, zunehmend mehr Zeit auf der Insel und sogar den Lebensabend hier zu verbringen. Doch bis dahin gilt es für Roth, als Trainer noch weitere sportliche Erfolge zu erringen.