Kochen, putzen und bügeln gehen ab jetzt auf den Balearen nur noch mit mehr Rechten. Vor allem Frauen und Ausländer werden von den verbesserten Arbeitsbedingungen profitieren. | J. Bagur

Man kommt von der Arbeit nach Hause und das Essen steht auf dem Tisch, die Wäscheberge sind weggebügelt, der Boden frisch gewischt und der Einkauf erledigt. Klingt nach einer himmlischen Vorstellung, oder? Die "guten Seelen" vieler Haushalte auf Mallorca leisten oft einen großen Beitrag zum Familienleben und haben nun mehr Rechte.

Im September wurde in Spanien das entsprechende Gesetz auf den Weg gebracht. Haushaltsangestellte dürfen jetzt nicht mehr ohne triftigen Grund gekündigt werden, und wenn doch, erhalten sie eine angemessene Abfindung. Bisher fiel diese oft mickrig aus. Außerdem haben sie jetzt Anspruch auf das spanische Arbeitslosengeld "paro".

Dank der Gesetzesreform haben sie das Recht auf Schulungen und Gesundheitsuntersuchungen, zudem muss der Arbeitgeber "eine Bewertung der berufsbedingten Risiken" vornehmen und "Präventionsmaßnahmen planen", wie Miguel Garcia Martín, Anwalt für Arbeitsrecht in der Kanzlei "Dr. Stiff & Partner" in Palma, gegenüber MM erklärt.

Denn die von der spanischen Zentralregierung veröffentlichten Zahlen machen deutlich: Die Branche ist eine Frauendomäne. 95 Prozent der Arbeitnehmer sind Frauen und mehr als die Hälfte von ihnen arbeitet in Teilzeit. Hinzu kommt, dass acht von zehn Frauen in einem Alter sind, in denen ihnen vor allem die körperlichen Arbeiten schon schwerfallen. Zu guter Letzt sind 44 Prozent der spanienweit im Haushalt angestellten Kräfte Ausländer, die vor allem aus Kolumbien, Rumänien und Honduras kommen.

Lässt man diese Zahlen einmal sacken, wird schnell klar, dass der Nährboden für Ausbeutung und Diskriminierung seit Jahren gegeben war. Mit dem neuen Gesetz, das seit diesem Oktober greift, sollen neue Zeiten anbrechen. Es sei das Ende einer "absolut inakzeptablen Ungerechtigkeit", äußerte Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez.

Auch in deutschen Haushalten auf Mallorca ist es nicht unüblich, eine Haushaltskraft zu beschäftigen. Wer zum Beispiel arbeitet und Kinder großzieht, ohne die Hilfe von Oma und Opa zu haben, oder auch seine Rente hier genießen möchte, investiert oft lieber ein paar Euro, anstatt selber den Putzwedel zu schwingen. Es gibt aber auch Deutsche, die ihre Dienste anbieten und einen Nebenverdienst ausüben.

Egal, ob es sich hierbei um eine Stunde oder 40 Stunden Arbeit in der Woche handelt, im Haushalt angestellte Personen müssen korrekt bei der Seguridad Social, der spanischen Sozialversicherung, angemeldet werden. Das geht über das Formular TA.6.0138_Hogar, das es auf der Webseite seg-social.es als PDF-Download gibt. Wer bereits eine Hausangestellte beschäftigt, muss die Daten noch einmal anpassen. Dafür wurde auf den Internetseiten der Dienst "Modificación de datos laborales en empleo de hogar" angelegt.

Wie so oft in Spanien, können die bürokratischen Hürden nervenaufreibend sein. Denn um die oben genannten Schritte selbst online erledigen zu können, werden viele Unterlagen und Zugangsdaten benötigt, wie etwa das "certificado digital" oder die „Cl@ve permanente”. Daher lassen viele Arbeitgeber den Papierkram von einer Gestoría erledigen.