Ein Mallorca-Kleinod unter Palmen, das zunehmend verfällt

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Anwohner füttern mitunter das auf dem Siedlungsgelände lebende Pferd.

Anwohner füttern mitunter das auf dem Siedlungsgelände lebende Pferd.

Foto: Patricia Lozano
Anwohner füttern mitunter das auf dem Siedlungsgelände lebende Pferd.Die Atmosphäre ist fast kolonial.So ziemlich alles ist hier zugemauert worden.Blick in leere Fensterhöhlen.

Man sieht ihn nur, wenn man weiß, dass es ihn gibt. Auf dem Weg zum Golfplatz Alcanada bei Port d’Alcúdia, wo die Mini-Insel mit dem Leuchtturm einen verzaubert, befindet sich unauffällig links ein architektonischer Schatz, der auf der Insel seinesgleichen sucht: Es ist die ehemalige Siedlung für die Arbeiter des schon vor Jahrzehnten stillgelegten und unter Denkmalschutz stehenden Elektrizitätswerks mit den zwei bereits vom Flugzeug aus sichtbaren Schornsteinen. Sie stammt vom Baumeister José Ferragut (1912-1968), demjenigen also, der auch das im funktionellen Stil gehaltene, seit Langem leer stehene Gesa-Gebäude in Palma errichtet hatte.

Die „Urbanización” in Alcúdia wurde 1955 – es regierte der Diktator Francisco Franco – vom damals allmächtigen Spanischen Industrieinstitut in Madrid geplant und bis 1957 fertiggestellt. Architekt Ferragut mischte mallorquinische mit modernen Elementen wie beispielsweise großen Fensterflächen und Steinmauern oder Dächern ohne Ziegel und schuf eine Art Kleinod. Und so mutet das Areal mit 29 Gebäuden samt Gärten und den vielen Palmen und sonstigen Bäumen und singenden Vögeln ein wenig wie eine Kolonialsiedlung in Afrika in den 40ern an, wo man die Füße auf die Veranda stellen und bei einer Zigarre die Natur betrachten konnte.

Jetzt sieht das eingezäunte Etwas, das im Jahr 2017 von einem Privat-Investor für 3,1 Millionen Euro erstanden worden war, wie ein verwunschenes Abbild von früher aus. Die Kirche steht noch, das gilt auch für das Gebäude, in welchem sich der Supermarkt befand, den Spielsalon, das Café und auch die Straßenlaternen, deren Formen an Nierentische und -stühle von anno dazumal erinnern. Unterwegs sind hier bei der MM-Inspektion nur ein Esel und ein Pferd, die von Anwohnern immer mal wieder liebevoll gefüttert werden.

Das Sterben der „Urbanización Gesa” war ein langsamer Prozess über mehrere Jahrzehnte. Nachdem Gesa 1983 in Endesa aufgegangen war, kümmerte man sich nicht mehr allzu intensiv um das Dorf. Jedes Mal, wenn ein Endesa-Mitarbeiter pensioniert wurde oder freiwillig ging, folgte ihm kein Nachbewohner, und die Fenster des Hauses wurden zugemauert. Alle verbliebenen Einrichtungsgegenstände wie Bäder wurden systematisch unbrauchbar gemacht. Und wer in Rente war, dort aber noch wohnte, wurde ab dem Jahr 2000 in Briefen unmissverständlich aufgefordert, zu verschwinden. Parallel dazu ließ man alles weiter verfallen. Dennoch waren 2008 immerhin noch 13 Bungalows bewohnt.

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