Nicht die Augen verschließen

Benefiz-Konzert für Kinder in Ostafrika: Liedermacher Rainhard Fendrich im MM-Interview

| Artà |
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Rainhard Fendrich, Teatro Artà

Der österreichische Liedermacher Rainhard Fendrich verbringt mit Familie viel Zeit in seinem Haus bei Artà. Auftritte des Österreichers auf der Insel sind recht selten. Aber am Samstag, 22. Oktober, gibt Fendrich ab 19.30 Uhr im Theater von Artà mit seiner Band ein Benefizkonzert zugunsten von Kindern in Ostafrika. Im MM-Interview erläutert der 56-Jährige, was dahintersteckt.

Mallorca Magazin: Herr Fendrich, wie kam es zu der Idee für das Benefizkonzert?

Rainhard Fendrich: Ich möchte einen Kontrapunkt setzen gegen die Einstellung „Man kann ja doch nichts tun". Die Dinge, die in Ostafrika geschehen, berühren die ganze Welt. Immer wieder gibt es Meldungen, dass Hilfslieferungen nicht ankommen. Ich aber vertraue der Organisation „Sternstunden" und weiß, dass das Geld dort ankommt, wo es hin soll. „Sternstunden" arbeitet zum Beispiel mit AMREF zusammen. So heißt die Gesellschaft für Medizin und Forschung in Afrika, es geht um Nahrung, Wasser und medizinische Grundversorgung.

MM: Warum unterstützen Sie gerade die Organisation „Sternstunden"?

Fendrich: Ich bin von „Sternstunden" im Dezember zu einer Benefiz-TV-Sendung eingeladen. Zusammen mit meinen Freunden Richie Schmidt und Max Stebegg, die mich hier vor Ort bei der Organisation des Konzerts unterstützen, habe ich mir überlegt, dass ich zu der Sendung mit einem Scheck kommen und sagen möchte „Das ist von meinen Freunden aus Artà". Es geht mir darum, ein Zeichen zu setzen auf einer Insel, auf der es vielen von uns so gut geht.

MM: Nicht alle unsere Leser kennen „Sternstunden" ...

Fendrich: Dabei handelt es sich um die Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks, die sich schon seit 1993 für bedürftige Kinder einsetzt. Äußerst seriös. Und das Theater von Artà hat mich immer schon angelacht. Daher der Gedanke: Lasst uns doch hier was versuchen. Es ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber jeder erlösende Regen beginnt mit einem Tropfen. Wenn es uns gelänge, die Leute, die hier im Paradies leben, und wir leben im Paradies, dazu zu bringen ein Zeichen zu setzen, dann löst das vielleicht einen Dominoeffekt aus.

MM: Was bekommen die Leute denn am 22. Oktober in Artà geboten?

Fendrich: Einen amüsanten Abend. Das hoffe ich zumindest. Ich werde sicher keinen Betroffenheitsabend machen, finde aber, dass Unterhaltung etwas mit Haltung zu tun hat. Es handelt sich um unser aktuelles Programm, das wir schon über 150-mal im deutschsprachigen Raum gespielt haben. Und Gott sei Dank gab es nicht eine schlechte Kritik. Darauf bin ich stolz.

MM: Bitte ein paar mehr Worte zum Programm ...

Fendrich: Die Leute kennen Rainhard Fendrich als „Herzblatt"-Moderator oder als „Macho Macho". Sie bekommen anfangs etwas präsentiert, was vielleicht manchen leicht verunsichert. Natürlich spiele ich alle meine Hits. Aber auf dem Weg dahin erhoffe ich mir Aufmerksamkeit. Das hat bisher geklappt.

MM: Sie treten mit Ihrer Band auf. Ist es nicht mit Aufwand und Kosten verbunden, die Musiker einzufliegen?

Fendrich: Nein, die Band ist ohnehin hier. Ich habe mir ein Studio eingerichtet, klein aber fein. Da wollen wir künftig in unregelmäßigen Abständen, alle paar Wochen an Songs für das nächste Album arbeiten.

MM: Das klingt, als würde Mallorca immer mehr zum Lebensmittelpunkt. Ist das so?

Fendrich: Ich bin österreichischer Steuerzahler und hier ein Extranjero. Meine Frau Ina und ich wollen zusammen mit unserem kleinen Julius, der am 10. März geboren wurde, jetzt auch einige Zeit im Winter auf Mallorca verbringen. Die Insel ist mein Kreativ-Arbeitsplatz geworden, meine Heimat bleibt immer Österreich.

MM: Den Konzert-Abend beginnen soll der auf Mallorca lebende Autor Ulrich List, der Auszüge aus seinem Programm präsentiert, das er mit dem Pianisten Bernd Speier entwickelt hat. Was gibt es dazu zu sagen?

Fendrich: Ich habe Uli in einer Kneipe kennengelernt. Es handelt sich um einen 71-jährigen Dichter. Ich habe ein Faible für Dichter. Uli hat einen der wichtigsten Sätze meines Lebens gesagt: „Alles, was in deinem Leben geschehen ist, war notwendig, um dort zu sein, wo du heute bist."

MM: Erläutern Sie doch noch mal etwas genauer, was Sie antreibt, sich für Ostafrika zu engagieren.

Fendrich: Globalisierung kann nicht nur Ausbreitung sein. Diese Dürre ist etwas Natürliches, aber die Menschen dort dürfen nicht allein gelassen werden. Wir sollten Zeichen setzen, gerade wo europäische Vorfahren die Länder lange Zeit ausgebeutet haben. Das, was dort geschieht, darf uns nicht gleichgültig sein.

MM: Waren Sie schon mal persönlich in der betroffenen Region?

Fendrich: Ich war in Kenia. Und zwar nicht an den Urlauberstränden, ich habe wirklich große Armut erlebt. Aber das, was ich heute im Fernsehen und Internet gezeigt bekomme, habe ich nicht gesehen. Es hat wirklich tief mein Herz berührt. Zumal ich ja selber ein Kind verloren habe. Wenn ich eine Mutter sehe, die ihr Kind in den Armen hält und keine Milch mehr hat, und das Kind verhungert in ihren Armen, das bricht mir das Herz.

 

MM: Ihre Tochter starb 1989 mit gerade mal eineinhalb Jahren.

Fendrich: Ja, genau. Ich glaube, wenn man ein Kind verloren hat, dann empfindet man andere Schicksale wesentlich intensiver. Es erwächst auch eine gewisse Verantwortung. Man kann nicht nur zusehen. Es bedarf zum Beispiel ganz weniger Dinge, um Menschen einen Lebensraum zu schaffen. Der Bau eines Brunnens in Afrika kostet 5000 Euro. Dann hat das Dorf Wasser, sie können etwas anbauen, haben dann Gemüse und können es verkaufen. Den Menschen nur Brot zu geben, ohne ihnen zu zeigen, wie man das backt, das halte ich für bedenklich.

MM: Wie viel Euro sollen denn am 22. Oktober zusammenkommen?

Fendrich: Es geht mir nicht nur um das Geld, sondern darum, ein Zeichen zu setzen, dass wir nicht die Augen verschließen dürfen vor dem Elend der Welt. Ich möchte mit einem Scheck zu den „Sternstunden" reisen, auf dem mindestens ein Betrag von 10.000 Euro steht. Wenn wir das nicht zusammenbekommen sollten, dann stocke ich die Summe selber auf.

Mit Rainhard Fendrich sprach MM-Redakteur Nils Müller

 

TICKETS AB 25 EURO
Das Benefiz-Konzert von Rainhard Fendrich und seiner Band zugunsten von Kindern in Ostafrika beginnt am Samstag, 22. Oktober, um 19.30 Uhr im Theater von Artà. Tickets gibt es in zwei Preiskategorien: 25 und 35 Euro. Vorverkauf am Theater von Artà, mittwochs, donnerstags und freitags von 19 bis 21 Uhr. Reservierungen unter Tel. 971-829700. In der Boutique S.A.L.E. in Cala Rajada, Avenida Cala Agulla 28, bekommt man Karten montags bis samstags, von 10 bis 13 und von 17 bis 22 Uhr, Tel. 606-796648. Außerdem findet der Vorverkauf in der Bar "Casa Nova"statt, an der Hafenpromenade von Cala Rajada, jeden Tag ab 20 Uhr geöffnet.

ZUR PERSON
Am 27. Februar 1955 wurde Rainhard Fendrich in Wien geboren. Heute kennt ihn das deutschsprachige Publikum als Liedermacher, aber auch als TV-Moderator (zum Beispiel "Herzblatt") und Schauspieler. In seiner Heimat Österreich brachte Fendrich 1980 die erste Platte auf den Markt, später hatte er auch in Deutschland großen Erfolg.Zu seinen bekanntesten Hits zählen „Strada del Sole", „Macho, Macho" und „Blond" aber auch „Haben Sie Wien schon bei Nacht geseh'n", „Midlife Crisis" oder „I am from Austria", das schon längst als heimliche österreichische Nationalhymne gilt.

 

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