Perfekt designtes Landwirte-Hightech

Private Volkskunde-Schau: Weingut Ramanyà präsentiert seine einzigartige Sammlung an handwerklichen Gerätschaften.

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Eine Ölmühle  "Made in Mallorca".

Eine Ölmühle "Made in Mallorca".

Foto: Foto: Patricia Lozano
Eine Ölmühle  "Made in Mallorca".Eine originalgetreu restaurierte Schmiede.Magdalena Matas und Toni Ramis vor ihren Fundstücken.Eine Backstube mit einer automatischen Brotschneidemaschine.Toni Ramis mit dem "Omnibus", der Nobel-Kutsche für die Herrschaften.

Toni Ramis hat immer schon innovative Wege beschritten. Der Winzer der Bodega Ramanyà in Santa Maria auf Mallorca kreierte sowohl den ersten roten Dessertwein der Insel als auch den ersten Sekt Rosé, jeweils aus heimischem Mantonegro.

Eingeweihten ist zudem bekannt, dass der 37-jährige Ramis mit seiner Tante Magdalena Matas ein skurriles Hobby teilt: Schon als junges Mädchen sammelte die Mallorquinerin Werkzeuge und Gerätschaften, die im Wandel der modernen Zeiten immer weniger gebraucht wurden. Meist auf Flohmärkten erstand sie Arbeitsutensilien, wie sie früher auf Mallorca in vieler Menschen Hände im Einsatz waren, die sich damit Lohn und Brot erarbeiteten.

Die Rede ist etwa von Messern aus frühindustrieller Zeit, wie sie Winzer nutzten; Hobel, wie sie in Schreinereien Späne zu Boden fallen ließen; Hämmer, wie sie in der Schmiede geschwungen wurden; Sägen, die sich mit überlangen Zähnen ruckweise in den Marès-Sandstein hineinfraßen ...

Liebevoll entfernte Matas den Rost von dem eisernen Werkzeug, besserte die hölzernen Griffe aus, schärfte die Klingen. Doch wohin mit dem vielen Zeug, das sie gemeinsam mit ihrem Mann Jaime Vallés und dem Neffen Ramis zusammentrug oder von Bekannten geschenkt erhielt?

Schon seit einigen Jahren spielte das Trio mit dem Gedanken, die mehr als 2000 Einzelstücke als Sammlung zu präsentieren. "Ich möchte diese Dinge bewahren", sagt Matas, "denn eines ist klar: Unsere Vorfahren mussten hart mit diesen Gerätschaften arbeiten, damit wir heute da stehen, wo wir sind."

Es ist eine gigantische Leistung, die die Familie in den vergangenen Jahren - neben der Weinproduktion - erbracht hat. Der ehemalige Stall des Bauernhauses wurde umgebaut zu einem Privatmuseum, in dem die angejahrten Werkzeuge ausgestellt sind. Mehr noch: Es ist die wohl größte Sammlung an landwirtschaftlichen und handwerklichen Gerätschaften, die Mallorca zu bieten hat - eine Volkskunde-Schau, die ohne einen einzigen Zuschuss an öffentlichen Mitteln finanziert wurde.

Allein in der Vorhalle stehen sechs Pferdekutschen aus dem 19. Jahrhundert. Der opulente "Omnibus" war das wahrlich PS-betriebene Fortbewegungsmittel der "senyores", der Herrschaften. In Handarbeit hat die Familie die ramponierte Kalesche wieder originalgetreu aufgemöbelt. Die Sitzpolster wurden mit eingearbeitetem Stroh gefüllt, die Wandbekleidung der Kutsche wurde aus Samt zu rhombischen Formen vernäht, jeder einzelne Halterungsknopf erhielt seine eigene Umkleidung aus diesem Stoff. "An diesen Knöpfen haben wir ganze Nächte gesessen", erinnert sich Toni Ramis.

Um die Ecke ist eine Pflugschar zu sehen. Mit Geräten wie diesen wurde seit römischen Zeiten die Scholle der Insel umgebrochen. Der Holzpflug blieb bis zum 20. Jahrhundert nahezu unverändert, nur die Pflugspitze trug einen eisernen Aufsatz.

Viele Maschinen in der Sammlung belegen, dass Mallorca in frühindustrieller Epoche ein Hort an Erfindergeist und technischer Innovation gewesen war. Die meisten Gerätschaften wurden auf der Insel entwickelt und hergestellt. Jene Holzkisten, aufgereiht in der Halle, waren "Balearen-Produkte" zum mechanischen Aufbrechen von Mandeln, zum Trennen der Schalen und Kerne, zum Sortieren der Mandelkeime nach Größe.

Angetrieben wurde dieses perfekt designte Landwirte-Hightech von Maultieren, per Handkurbel oder später per Motorkraft. "Man kann sich das heute nicht mehr vorstellen, aber diese Kisten waren noch vor zwei, drei Generationen in Gebrauch", sagt Ramis. Viele Exponate sind Erbstücke von Großeltern, Freunden, Nachbarn. So hat ein Verwandter das Sattlerwerkzeug seines Ahnen gestiftet. Dieser war einst für das Zaumzeug der Kavallerie in Palma zuständig gewesen.

Nebenan sind die Arbeitsgeräte einer Schmiede aus Santa Maria aufgestellt, die 1959 endgültig ihre Pforten schloss. Alles wurde bewahrt, auch der Wandkalender von damals.

Zu sehen sind zudem Nummernschilder, wie sie für Kutschen vorgeschrieben waren, samt Ortsnamen. Ramis' ehrgeiziges Ziel: Ein Nummernschild aus jedem Dorf Mallorcas aufzutreiben. "Doch es gibt kaum welche. Sie verschwanden mit den Eselskarren aus dem Alltag."

Eine weitere Besonderheit ist eine Dreschmaschine von 1928 sowie ein auf Mallorca hergestellter "Titan Motor" zum Antreiben von Maschinen. Der Zweitakter, der auch mit Olivenöl befeuert werden konnte, ist heute ein gesuchtes Sammlerobjekt.

Wie viel Geld, geschweige denn Zeit, hat die Familie in den vergangenen 20 Jahren in ihr Hobby investiert? "Ich weiß es nicht. Und will es auch gar nicht wissen" - gesteht Ramis - "aus Angst vor dem Gesamtbetrag."

INFO

Besichtigungstermine der Sammlung: Mittwoch und Freitag um 16 Uhr (samt Rundgang und Probe zweier Weine) oder nach Vereinbarung (Telefon 680-417929). Preis: 10 Euro. Die Finca liegt außerhalb von Santa Maria, Camí de Coscolls, 16.

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