Menorca, Mallorca, das Mittelmeer sind im Werk des Schriftstellers als Unterströmung wahrzunehmen. | Foto: Archiv Ultima Hora

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Seine Kindheit wurde beeinflusst durch Menorca, seine Jugend durch sein Geburtsland Algerien, sein Leben als Erwachsener führte er in Frankreich: der Nobelpreisträger für Literatur Albert Camus (1913 bis 1960). Vergangene Woche (exakt am 7. November) wäre er 100 geworden. In seinen gesammelten Essays "L'Envers et l'Endroit" (erschienen 1937) - auf Deutsch: Licht und Schatten - hat er über Palma, über die Kirche Sant Francesc und über seinen Besuch auf Ibiza geschrieben. Diese Arbeit gehört zum poetischsten, was je über die Balearen veröffentlicht wurde, nachdem er in den frühen dreißiger Jahren auf die Balearen gereist war. Camus hat sich immer als ein Mensch des Mittelmeeres empfunden.

Im Jahr 2010, anlässlich seines 50. Todestages entstand ein Dokumentarfilm von Joana Mas und Luis Ortas, der die balearischen Wurzeln und deren Auswirkungen auf sein Werk beleuchtet: "Amour de vivre". Viele Menorquiner wanderten im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts nach Nordafrika aus. In seinem Geburtsort Mondovi (damals Französisch-Nordafrika, heute Algerien) waren unter den 29.000 Einwohnern 7000 Menorquiner. Meist Handwerker und kleine Händler.

Auch die Familie von Camus - die Mutter war eine geborene Sintes Cardona, die Großmutter wurde 1857 in Sant Lluis geboren - war arm. Im Hause Camus wurde neben Französisch auch Menorquín gesprochen. Das spiegelte sich später, als der begabte Camus zur Elite der Intellektuellen in Frankreich zählte, in seiner Arbeit wider.

Camus spricht in seinem posthum erschienenen Werk "Der erste Mensch" immer wieder über seine Kindheit. Algier, Tipasa oder Djemila, Orte, auf die er in seiner Literatur zurückkommt, hatten für ihn immer menorquinisches Flair.

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Seine Verbindung zu katalanischsprachigen Schriftstellern wie Joan Maragall, Llorenç Villalonga oder Blai Bonet war eng. Er übersetzte spanische Literaten wie Calderón de la Barca ins Französische.

In dem Kapitel "Liebe zum Leben" in "Licht und Schatten" heißt es: "In Palma zieht sich nachts das Leben langsam in die Viertel hinter dem Markt zurück, wo in den Kaffeehäusern Musik gemacht wird: dunkel, stille Gassen, bis man zu den Türen gelangt, durch deren Rollläden Licht und Töne sickern. Einmal habe ich beinahe eine ganze Nacht in einem dieser Cafés zugebracht. Der Raum war rechteckig, klein und sehr niedrig, grün gestrichen und mit rosa Girlanden verziert. Die holzgetäfelte Decke war mit winzigen roten Glühbirnen übersät. Wie durch ein Wunder fanden auf der kleinen Fläche ein Orchester, eine Theke mit bunten Flaschen und das Schulter an Schulter gezwängte Publikum Platz. Es gibt eine gewisse Ungezwungenheit in der Freude, die ein Kennzeichen der wahren Kultur bildet. Und die Spanier sind eines der wenigen Völker Europas, die Kultur besitzen."

Camus beeinflusste mit Romanen, Dramen und Essays maßgeblich das europäische Geistesleben nach dem 2. Weltkrieg. Der Absurdität der menschlichen Existenz, welche er rational als sinnlos erkannte, setzte Camus die unaufhörliche Suche nach einem Weg zur Erfüllung des natürlichen Glücksverlangens entgegen. In seinem Essay "Der Mensch in der Revolte"(1951) zeigt Camus einen Ausweg aus dem Nihilismus: in der Auflehnung gegen gegebene Situationen, der Revolte. Die aktive Solidarität mit den Mitmenschen als Lebensbejahung ermöglicht die Bewältigung der Sinnlosigkeit.

Die wichtigsten Werke von Albert Camus sind die Romane "Der Fremde" und "Die Pest" sowie die Dramen "Der Belagerungszustand" oder "Die Gerechten". 1957 wurde Camus der Nobelpreis für Literatur verliehen. Er starb 1960 durch einen Autounfall.