Der Schweizer aus Ses Salines

Böse, witzig, spöttisch: Atelierbesuch bei Rudy Schwizgebel

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Ob Karikatur, Bild oder Skulptur: Schwizgebel möchte einfache, ehrliche Kunst machen.

Ob Karikatur, Bild oder Skulptur: Schwizgebel möchte einfache, ehrliche Kunst machen.

Ob Karikatur, Bild oder Skulptur: Schwizgebel möchte einfache, ehrliche Kunst machen. Rudy Schwizgebel: "Kunst darf durchaus humorvoll sein". Rudy Schwizgebel: "Kunst darf durchaus humorvoll sein". Rudy Schwizgebel: "Kunst darf durchaus humorvoll sein". Rudy Schwizgebel: "Kunst darf durchaus humorvoll sein". Rudy Schwizgebel: "Kunst darf durchaus humorvoll sein".

"Ich bin wie eine Krake", sagt Rudy Schwizgebel. "Ich breite mich aus." Und er breitet sich aus. In seinem Haus in Ses Salines im Süden von Mallorca gibt es einen großen Patio mit anschließendem Garten. Hier stehen viele, sehr viele seiner Skulpturen. Und etliche der Fundstücke, mit denen er arbeitet. Das Haus selbst ist voll mit seinen Bildern. Und dazu hat er außerhalb des Dorfes noch eine Finca, wo noch einmal Skulpturen zu finden sind. In seinem Studio, das verhältnismäßig klein ist, dann Farben, Bücher und natürlich der Computer, in dem Karikaturen, Zeichnungen, Konzepte für künftige Arbeiten gespeichert sind.

Der Mann ist unglaublich vielseitig: Rudy Schwizgebel (geboren 1949 in Wetzikon/Schweiz) - Architekt, Designer, Maler, Bildhauer. Als Karikaturist sind ihm nicht nur "Los Alemanes de Mallorca" (erschienen 1997/98), sondern seine eigenen Landsleute stets eine Portion Spott wert: "Los Suizos de Mallorca" erschien 2011. Für etliche weitere Bücher hat er Zeichnungen und Illustrationen geliefert. Und für eine Veröffentlichung "Mallorca - Geschichten und Märchen". Böse, witzig, spöttisch.

Seit Jahren nimmt Schwizgebel Skandale der hiesigen Politik aufs Korn: die Banken, die Krise oder - ganz deftig - "Kamasutra rural". Schwizgebel kennt das ländliche Mallorca gut; er lebt seit 1986 mit seiner Familie auf der Insel.

"Es gibt Zustände, da möchte ich lieber lachen als mich ärgern", sagt er. Die Karikaturen sind da ein gutes Ventil. Immer mit einem Augenzwinkern.

Seit Schwizgebel auf Mallorca ist, widmet er sich nach jahrelanger Tätigkeit als Architekt nur noch der Kunst. Und ein wenig der lokalen Politik. Vor zehn Jahren war er Mitbegründer der Associación Cas Perets, die sich dem Schutz und Erhalt von Land und Bräuchen widmet. Benannt nach einer Region zwischen Ses Salines, Santanyí und Campos. "Wir wollten, dass keine verdeckten Urbanisationen entstehen, was auch gelungen ist. Ein Brunnen aus dem 13. Jahrhundert und viele Trockenmauern wurden restauriert."

Einige Zeit war Schwizgebel für die Partido Popular im Dorfparlament, 2005 hat er eine eigene Partei mitgegründet, die "Nou Independents Locals", die 2007 mit zwei Abgeordneten in den Gemeinderat zog. Ohne ihn: "Ich halte mich lieber im Hintergrund."

Integration ist für Rudy Schwizgebel kein Thema. Was braucht es, um sich zu integrieren? "Die wichtigste Voraussetzung ist die Sprache. Meine Frau und ich sind durch die Kinder hineingewachsen. Und man muss sich bewusst machen: Die Mallorquiner warten nicht auf die Fremden. Man muss etwas zurückgeben, muss sich am Dorfleben beteiligen."

"Grumet de Sal" (Salzkorn) heißt eine überdimensionale Skulptur, die er für die Gemeinde gemacht hat: "Es war ursprünglich als Medaille gedacht, die Ses Salines verdienten Menschen überreichen wollte. Ich habe daraus eine Skulptur gemacht. In ganz groß. Die kleinste Version wird nun überreicht. Die Sache sollte mit der Gemeinde zu tun haben. Salz wurde hier schon von den Arabern abgebaut."

In der Kunst liegt sein Schwerpunkt auf der Malerei; sein Curriculum weist eine stattliche Zahl von Ausstellungen auch im Ausland auf. "Ich bin geprägt von Max Bill, der Züricher Schule der Konkreten, vom Minimalismus, von der Pop-Art. Ich möchte einfache und ehrliche Kunst machen."

Gerne denkt er in Projekten, wobei das Gesamtkunstwerk immer wieder die zentrale Rolle spielt wie bei der Ausstellung "Pendent d'un fill vermell" (Hängend am roten Faden): eine Performance mit Bildern, Skulpturen, Tanz, Musik und Poesie.

Die Sache mit dem "Roten Faden" ist für den Schweizer aus Ses Salines Programm und Wortspiel zugleich: Denn der rote Faden des Seiltänzers in seinen Bildern zieht sich auch wie ein roter Faden durch die Serie.

Seine Bilder und Skulpturen sind immer definierbar: "Ich halte nichts von abstrakter Kunst." Und sie sind auch dann witzig, wenn sie ernst sind: "Kunst darf durchaus humorvoll sein. Ich wehre mich gegen die sakrosankte Haltung der Kunst gegenüber."

Sein neuestes Werk heißt "Matanza" (Schlachtfest). Kleine Schweinchen am laufenden Meter vor einem Bild, darüber hängt drohend die Sobrassada, und neben den Schweinchen fällt alle paar Sekunden ein Messer als Fallbeil herunter. Hier vereinigt sich, was Rudy Schwizgebel ausmacht: Kunst vom Feinsten, Spott, Witz und eine ganze Menge Liebe zu Mallorca.

(aus MM 29/2014)

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