Die Geschichte der entschwundenen Jungfrau

| | Lluc, Mallorca |
Die Marienfigur von Lluc wird von den Mallorquinern liebevoll "Sa morenita", die kleine Schwarze, genannt.

Die Marienfigur von Lluc wird von den Mallorquinern liebevoll "Sa morenita", die kleine Schwarze, genannt.

Eben noch hat die Schwarze Madonna von Lluc gnädig vom goldglänzenden Hochaltar ins Kirchenschiff des Klosters Lluc herabgeschaut. Doch jetzt, da die Messe gelesen und der Kinderchor verstummt ist, schiebt sich ein Bild vor sie. Ehe die Kamera zur Hand ist, ist sie weg.

Das scheint Programm zu sein. Schon die Legende von ihrem Auffinden berichtet von einem mehrmaligen Verschwinden der heiligen Jungfrau. Kurz nach der Eroberung Mallorcas durch König Jaume I. hatten sie der Hirtenjunge Lluc und ein Mönch bei Escorca zwischen Felsen entdeckt. Sie brachten ihren Fund in die Gemeindekirche. Als das Volk sie dort am nächsten Tag bestaunen wollte, war sie nicht mehr da. Man fand sie erneut zwischen den Felsen. Wieder brachte man sie in die Kirche und wieder verschwand sie an ihren Fundort. Da baute man ihr dort eine Kapelle.

Die Kapelle Santa Maria de Lluc wird erstmals 1268 urkundlich erwähnt. Sie ist freilich nicht mehr vorhanden. Die heutige Kirche wurde zwischen 1622 und 1691 erbaut. Die Fassade stammt gar von 1925, nur das Portal datiert noch aus dem 17. Jahrhundert.

Auch die ursprüngliche Marienfigur existiert nicht mehr. Die jetzige Figur wurde 1520 von einem mallorquinischen Händler in Flandern erworben, der sie dem Kloster stiftete. Sa Morenita (die kleine Schwarze), wie die Einheimischen sie liebevoll nennen, ist eine von vier schwarzen Madonnen in ganz Spanien. Als sie 1884 von Mallorcas Bischof gekrönt wurde, nahmen 12.000 Pilger an dem festlichen Akt teil. Denn so eine Ehrung hatte es zuvor erst einmal in Spanien gegeben.

Und wo ist die Madonna nun abgeblieben? Ein Pater zeigt auf eine Treppe, die in eine Kapelle hinter dem Hochaltar führt. Des Mysteriums Offenbarung: Die Marienfigur steht in einer drehbaren Nische. Außerhalb der Messen kann man sie deshalb in aller Ruhe in der Kapelle betrachten. Und bei Bedarf anbeten.

(aus MM 53/2016)

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