Weihnachtskonzert in Palma: Musik, die von den Hirten kam

| Palma, Mallorca |
PALMA - CONCIERTO DE FIN DE AÑO DE LA ORQUESTRA SIMFONICA DE BALEARS EN EL TEATRE PRINCIPAL.

Joji Hattori (Mitte) wird bei dem Konzert am Dirigentenpult stehen. Er tritt außerdem als Geigensolist auf.

Foto: ARCHIVO

Was macht ein Konzert eigentlich zu einem Weihnachtskonzert? Beim ersten Weihnachtskonzert des Sinfonieorchesters der Balearen unter der Leitung von Pablo Mielgo liegt die Antwort auf der Hand: die Vertonung von Bibeltexten der christlichen Heilsgeschichte, vor allem aber eine gut 270 Jahre alte Gepflogenheit. Denn mit dem Händel-Oratorium "Messiah" stand letzten Donnerstag und Freitag in den Auditorien von Palma und Manacor ein Werk auf dem Spielplan, das traditionell in der Adventszeit aufgeführt wird.

Beim zweiten Konzert am Donnerstag, 21. Dezember, sind es zunächst Ort und Titel: Explizit als Weihnachtskonzert ausgewiesen, findet es in der Basilika Sant Francesc in Palma statt. Und weil Weihnachtszeit auch Spendenzeit ist, gehen die Einnahmen aus diesem Konzert an die Asociación Española Contra el Cáncer, die Spanischen Vereinigung gegen den Krebs.

Die Leitung hat diesmal Joji Hattori, der zusammen mit Mielgo künstlerischer Leiter der Sinfoniker ist. In seiner Eigenschaft als Violinist wird Hattori auch als Solist auftreten. Als solcher tritt er schon beim ersten Werk des Konzerts in Erscheinung, dem Concerto Grosso Op. 6 Nr. 8 von Arcangelo Corelli. Der italienische Barockkomponist, der selber ein versierter Geiger war, fügte diesem Stück ausdrücklich die Bezeichnung "fatto per la notte di Natale" hinzu, zu Deutsch: "für die Weihnachtsnacht gemacht".

Hört man das Stück unvoreingenommen, klingt es freilich wie zahlreiche andere Werke des Barock auch. Mithin drängt sich die Frage auf: Was, bitte sehr, ist an diesem Werk weihnachtlich?

Ein Mensch der Barockzeit hätte sich bei dieser Frage nur an die Stirn getippt. Denn am Ende des Konzertes steht eine Pastorale, damals der Inbegriff instrumentaler Weihnachtsmusik. Ihren Ursprung hatte die "Hirtenmusik" in Rom, wo Corelli seit 1675 lebte. "Pifferari" nannte man dort die Hirten, die ein fester Bestandteil der Volkskultur waren. In der Adventszeit zogen sie aus Kampanien und den Abruzzen in die Stadt, um vor den Marienbildern an den Straßenecken zu musizieren. Ihren monotonen Gesang begleiteten sie mit Schalmei (piffero) und Dudelsack (piva), manchmal auch mit Drehleier.

Der unverwechselbare Klang dieser Instrumente, der wiegende Rhythmus und die lang anhaltenden Basstöne fanden nicht nur in der Bevölkerung Anklang. Auch Corelli und andere Komponisten nahmen diese musikalischen Eigenheiten für ihre Weihnachtskonzerte auf. Die Instrumente der Pifferari galten allerdings als zu profan für die hohe Musik und wurden durch Streichinstrumente ersetzt.

Von Rom aus verbreitete sich die Pastorale in ganz Europa. Ein Stück des Händel-Oratoriums "Messiah" etwa ist mit "Pifa (Pastoral Symphony)" überschrieben, und Bach begannn die zweite Kantate seines Weihnachtsoratoriums mit einer pastoralen Sinfonietta.

Von Bach werden die Sinfoniker mit dem Universitätschor der Balearen aus der Kantate "Herz und Mund und Tat und Leben" den Choral "Jesus bleibet meine Freude" singen, der dieses Werk zu einer der populärsten Kantaten des Komponisten gemacht hat. Bach hatte sie ursprünglich 1716 für die Aufführung zu Advent geschrieben, sie später aber für das Kirchenfest Mariä Heimsuchung erweitert.

Chor und Orchester werden außerdem die Motette "Ave Verum Corpus" von Wolfgang Amadeus Mozart aufführten. Mit Weihnachten hat dieses Stück nichts zu tun, sieht man von dem Umstand ab, dass es sich um geistliche Musik handelt: Mozart hatte das Werk für Fronleichnam geschrieben.

Eine zwar getragene, aber weltliche Musik ist das berühmte "Air" aus der Orchestersuite Nr. 3 von Johann Sebastian Bach.

Selbiges gilt für die "Vier Jahreszeiten", obwohl sie von einem Geistlichen geschrieben wurden, von Antonio Vivaldi, der wegen seiner Haarfarbe auch "Der rote Priester" genannt wurde. Zwar sind "Die vier Jahreszeiten" alles andere als Weihnachtsmusik, dafür endet Vivaldis populärstes Werk aber mit dem Winter, der just am Tag des Konzertes beginnt.

INFOS ZUM KONZERT

Termin: DO, 21. Dezember, 20.30 Uhr
Sinfonieorchester und Universitätschor der Balearen,
Leitung und Violine: Joji Hattori
Weihnachtskonzert: Corelli, Bach, Mozart, Vivaldi.
Eintritt: 15 und 20 Euro; zugunsten der Asociación Española Contra el Cáncer.
Karten: Abonnentenclub Ultima Hora (Paseo Mallorca 30), El Corte Inglés, Colegio Sant Francesc, Büro der Asociación Española Contra el Cáncer in Palma (Carrer d'Aragó 215).
Ort: Basilica de Sant Francesc, Plaça Sant Francesc, Palma

Kommentar

Nutzungsbedingungen

Rechtlicher Hinweis

» Der Inhalt der Kommentare spiegelt die Meinung der Nutzer wider, nicht die von mallorcamagazin.com

» Es ist nicht erlaubt, Kommentare abzuschicken, die gegen das Gesetz verstoßen oder unangebrachte, beleidigende oder ehrverletzende Inhalte haben.

» mallorcamagazin.com behält es sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

* Pflichtfelder

Lutz Minkner / Vor etwa 1 Jahr

Lieber Herr Breuninger, Sie denken doch sonst groß, warum diesmal so kleinlich. Vielleicht heißt das Weihnachtskonzert nur deshalb so, weil es zu Weihnachten aufgeführt wird. Es wird bestimmt ein schöner Konzertabend - auch wenn Sie die Weihnachtslieder vermissen. MfG LM