Schau zeigt: Ohne Zeit und Erinnerung kein „Danach”

| Palma de Mallorca |
Christian Boltanski: Seine Kindergesichter wirken wie Geistererscheinungen.

Christian Boltanski: Seine Kindergesichter wirken wie Geistererscheinungen.

Foto: Patricia Lozano
Christian Boltanski: Seine Kindergesichter wirken wie Geistererscheinungen.Bertrand Lavier: In seinen Spiegeln wird der Betrachter selbst zum Geist.Angelika Markul: Ihre Arbeit ist Teil des Projektes "Ausgrabungen aus der Zukunft".

Ein Danach gibt es weder ohne Zeit noch ohne Erinnerung. Mit eben diesen beiden Begriffen spielt die Schau: "Après" (Danach). Unter diesem Titel stellen mit Christian Boltanski, Bertrand Lavier und Angelika Markul drei international renommierte Künstler in der Galería Kewenig in Palma aus.

Das "Danach" bezieht sich zunächst auf den Tod des Galeristen Michael Kewenig am Ostersonntag 2017. "Das ist zwar keine Hommage an Michael, aber etwas, das mit ihm in Zusammenhang steht", erklärt Boltanski den Ausstellungstitel. „Danach” ist auch ein Anfang nach einem Ende. "Die Galerie macht weiter und die Künstler machen weiter, aber eben danach."

Boltanski, geboren 1944 in Malakoff bei Paris, ist einer der anerkanntesten Künstler seiner Generation, was sich auch in seinen internationalen Ausstellungen widerspiegelt. Die Galerie Kewenig sei eine der wenigen Galerien, die stets einen familiären Umgang mit den Künstlern gepflegt habe, sagt Boltanski. Angesichts der engen Freundschaft, die er zu seinem Galeristen pflegte, bezeichnet er "Après" als "eine Art Familienausstellung". Da spricht er für seine Kollegen mit: "Und wir entschieden, das zu machen, um zu sagen: Wir sind hier, und die Dinge gehen weiter."

Die Installation, die Boltanski in der Galerie zeigt, besteht aus zwölf blass und geisterhaft wirkenden Kinderporträts, Fotografien, die auf seiner Arbeit "Écoliers d'Oiron" aus dem Jahr 1993 basieren. Die Porträts sind auf einen transparenten Untergrund aufgebracht und in Metallrahmen, die ihrerseits auf vertikalen Metallstangen fixiert sind. Wie Standbilder sind sie um eine große Glühbirne angeordnet.

Wirken die Kindergesichter wie Geistererscheinungen, dann wird der Betrachter in zwei Spiegeln von Bertrand Lavier selbst zum schemenhaften Geist. Lavier, der 1949 in Châtillon-sur-Seine geboren wurde, kommt eigentlich aus dem Gartenbau und hat es als Autodidakt in die bedeutenden internationalen Kunstmuseen geschafft.

Seine beiden Arbeiten der Ausstellung sind vor Ort im Ausstellungsraum der Galerie, eine alten gotischen Kapelle, entstanden. Auf zwei Spiegel hat er mit dicken Pinselstrichen ein farbloses Gel aufgetragen. Nur die Ränder ließ er frei, nur in ihnen spiegelt sich die Wirklichkeit wider. An seinen Rändern kann man die Reflexion der Realität sehen. "Ein Gemälde stellt gewöhnlich etwas dar, aber dieses Gemälde stellt den Spiegel selbst dar. Und der Betrachter ist selbst im Bild, wie gefroren, wie ein Geist", präsentiert Lavier seine Arbeit.

Der Kommunikation zwischen den Arbeiten von Boltanski und Lavier kann man sich nicht entziehen. Wer in den fast opaken Spiegel von Lavier schaut, wird zum Geist. Durch die transparenten Fotografien Boltanskis dagegen erscheinen die porträtierten Kinder wie Geister, entsteht gar eine Geisterwelt, da hinter einem Bild auch die anderen zu sehen sind. "Christian und ich sind seit Langem enge Freunde. Deshalb ist es einfach für uns, zu tanzen", kommentiert Lavier mit sichtlichem Vergnügen die Kommunikation der Arbeiten.

Auch die Installation von Angelika Markul ist in diese Kommunikation eingebunden. Die mehrfach ausgezeichnete Film- und Installationskünstlerin wurde 1977 in Szczecin geboren. Sie studierte in Paris Kunst, lebt und arbeitet in Paris und Polen und hat in internationalen Museen ausgestellt.

Aus Filz und Seilen, die sie mit einem schwarz pigmentierten Wachs überzogen hat, schuf sie zwei Arbeiten, die auf dem Altar der ehemaligen Kapelle liegen. Über ihnen strahlt das Licht eines blauen Neonkreises.

Wie mumifizierte Objekte wirken die Exponate, wiedergefundene Mumien, deren Kopf und Glieder unter der Wachsplane verborgen zu sein scheinen. Ein Zufall ist dies nicht. Die Arbeit ist Teil ihres Projektes "Excavations of the Future" (Ausgrabungen aus der Zukunft), zu dem die Künstlerin durch eine Reise nach Mexiko in die prähistorische Ruinenstadt Teoptihuacán mit ihren Stufentempeln inspiriert wurde.

Mir ihren Arbeiten zeigen die drei Künstler drei unterschiedliche Sichtweisen auf das "Danach", die Lavier als "Unterhaltung" bezeichnet. Und Markul sagt: "Wir haben eine Art Theaterstück, eine Geschichte geschaffen."

INFOS ZUR AUSSTELLUNG
Dauer: Bis Samstag, 17. März
Öffnungszeiten: MO bis FR 10-14 Uhr und 16 bis 20 Uhr, SA 10-14 Uhr
Ort: Galería Kewenig, Oratori de Sant Feliu, Carrer de Sant F. Feliu s/n, Palma

(aus MM 5/2018)

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