Großes Mozart-Konzert in Palmas Kathedrale

| Palma, Mallorca |
Chefdrigent Pablo Mielgo: „Das Orchester ist auch dazu da, um Glück zu schenken.”

Chefdrigent Pablo Mielgo: „Das Orchester ist auch dazu da, um Glück zu schenken.”

Foto: Ultima Hora

Mallorca Magazin:Herr Mielgo, kein Karwochenkonzert in der Kathedrale ohne das Sinfonieorchester der Balearen?

Pablo Mielgo:Das Sinfonieorchester der Balearen und der Universitätschor der Balearen arbeiten verlässlich mit dem Projecto Hombre zusammen. Seit es die Aufführung eines Requiems vor Ostern in Gang gesetzt hat, ist es zur Tradition geworden, dass man am Montag der Karwoche in der Kathedrale ein Requiem hören kann.

MM:Die Akustik in der Kathedrale ist ganz anders als in einem Konzertsaal ...

Mielgo:Natürlich ist die Akustik in der Kathedrale durch einen starken Nachhall geprägt. Die Räumlichkeit einer Kathedrale ist für das Wort gedacht. Man muss aber bedenken, dass die Requiems für Aufführungen an ähnlich emblematischen Orten gedacht sind. Deshalb kann es für die Thematik und die Symbologie keinen perfekteren Ort geben, auch wenn die Akustik nicht die idealste ist.

MM:Wie muss man an so einem Ort die Spielweise ändern?

Mielgo:Man muss bestimmte Dinge in Betracht ziehen, was zum Beispiel den Klang des Orchesters betrifft. Und die Tempi dürfen nicht besonders schnell sein, damit sich die Klänge nicht vermischen. Aber es ist auch wahrer Luxus, wie der Klang fliegt. Die Kathedralen mit ihrer räumlichen Großartigkeit sind ja genau dafür gemacht, dass sich der Klang umfassend oder unendlich verbreitet.

MM:Das Requiem ist Mozarts letztes Werk, zu Ende geschrieben hat es vor allem sein Schüler Franz Xaver Süßmayr. Wie viel an diesem Werk ist von Mozart?

Mielgo:Süßmayr hat versucht, die Mozart‘sche Sprache zu nutzen, um das Werk zu vervollständigen. Ein großer Teil seiner Ergänzungen gründet auf Mozarts Entwürfen der Melodien und der musikalischen Idee für die unvollständigen Teile.

MM:Immer wieder gab es Diskussionen über die Arbeit Süßmayrs. Was halten Sie davon?

Mielgo:Wenn ich mich nicht irre, befand Mozarts Frau Constanze die Ergänzungen Süßmayrs für gut. Man darf auch nicht vergessen, dass Süßmayr sehr eng mit Mozart zusammengearbeitet hat. Und seine Ergänzungen finde ich nicht schlecht. Denn wenn man die Musik Mozarts und das Requiem hört, hat man in keinem Moment das Gefühl, dass dieses Werk geringfügiger ist. Im Gegenteil, das ganze Werk ist ganz von Mozarts Geist durchdrungen.

MM:Einer der Solisten beim Requiem ist der menorquinische Bassbariton Simón Orfila. Er scheint fast schon zum Inventar des Orchesters zu gehören.

Mielgo:Simón ist Artist in Residence des Orchesters. Ich schätze ihn sehr, denn er ist nicht nur künstlerisch, sondern auch menschlich außergewöhnlich und setzt sich sehr für die Entwicklung der Musik auf den Balearen ein. Er ist eine großherzige Person, und seine Verbundenheit mit dem Orchester ist ganz besonders. Als Sänger ist er außerordentlich etabliert und singt an großen Häusern. Und man darf nicht vergessen, dass für ihn als Bassbariton jetzt die besten 15 Jahre beginnen. Aber die übrigen Sänger sind auch fantastisch.

MM:Nicht nur beim Konzert in der Kathedrale engagiert sich das Sinfonieorchester der Balearen für soziale Zwecke.

Mielgo:Das Orchester ist nicht nur ein Instrument für die Kunst. Es ist auch dazu da, um Glück zu schenken, nicht nur im Konzertsaal. Das kann man auch auf der Straße oder in einem Krankenhaus oder einem Gefängnis machen. Es ist grundlegend, dass die Musik zu den Leuten kommt, die nicht zu ihr kommen können.

MM:Das Konzert ist dem Gedenken an den Verleger Pere Serra gewidmet, der im vergangenen November starb. Kannten Sie ihn persönlich?

Mielgo:Ich bin ihm bei verschiedenen Gelegenheiten persönlich begegnet. Ich habe ihn erst in seinen letzten Jahren kennengelernt und hatte generell das Gefühl, dass er ein überzeugter Verfechter der Kultur als Modell für die Entwicklung der Inseln war. Zudem war die Familie Serra immer außerordentlich herzlich und aktiv in ihrem Engagement für das Orchester und seine Arbeit. Für mich war es immer ein Vergnügen, wie Pere Serra und die ganze Verlagsgruppe mit ihren Medien auf die Kultur setzten und setzen.

MM:Irre ich mich, oder hat die emeritierte Königin Sofía keines der Karwochenkonzerte in der Kathedrale versäumt?

Mielgo:Sie hat nie gefehlt. Sie liebt die Musik und verfügt über ein profundes musikalisches Wissen. Sie ist eine große Gönnerin und Verfechterin der Entwicklung der Musik in Spanien und der spanischen Musiker. Es ist mir eine Freude, dass sie hier ist.

MM:Ihr Vertrag als Chefdirigent der Sinfoniker wurde vergangenes Jahr bis 2020 verlängert. Würden Sie gerne länger bleiben?

Mielgo:Ich wollte in meiner Zeit im Orchester von Anfang an drei wesentliche Dinge bewirken, eine gute Programmgestaltung, einen neuen Sitz, den „Musikkasten“ und eine stabile Personaldecke mit neuen Stellenbesetzungen. Das sind für mich die drei Pfeiler eines gesunden Orchesters. Das erste Ziel ist erreicht, die anderen beiden sind im Gange und ich würde sie auch gern als erreicht sehen. Wie lange das dauert, hängt aber von anderen ab.

MM:Ist unter Ihrer Leitung nicht auch die Zahl der Abonnenten und des Publikums allgemein beträchtlich gestiegen?

Mielgo:Zuletzt haben wir gute Eintrittszahlen erreicht. Und speziell die Kathedrale wird praktisch voll sein. Die Anerkennung durch das Publikum ist für jedes Kulturprojekt ein Luxus und für das Selbstwertgefühl der Musiker fantastisch. Und natürlich ist es auch wesentlich, dass die eigenen Einnahmen so viel wie möglich steigen. In diesem Sinne bin ich glücklich. Ich glaube, dass die Musiker große Anstrengungen unternommen haben. Sie arbeiten viel, und das hat auch zu dieser Entwicklung beigetragen.

MM:Beim Requiem von Mozart bekommt man als Zuhörer Gänsehaut. Geht einem das als Musiker auch so?

Mielgo:Ja. Am 11. und 12. April steht das fünfte Klavierkonzert von Beethoven auf dem Programm und danach machen wir das Requiem von Mozart. Wie soll man da nicht begeistert sein! Wir sind privilegiert, diese Musik zu spielen, sie zu interpretieren.

Die Fragen stellte 
Martin Breuninger

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