Im Internet brummt der Kulturbetrieb

Mit Konzertstreams und virtuellen Museumsbesuchen entkommt man der Ausgangssperre

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Es hat ein wenig gedauert, bis sich die Kulturszene auf Mallorca auf die Ausgangssperre eingestellt hat. Mittlerweile gibt es einige Angebote, um die Zeit zu Hause nicht zu lange werden zu lassen. Das Museum Es Baluard in Palma kann zwar nicht mit einer virtuellen Besichtigung aufwarten. Dafür finden sich bei www.esbaluard.org/colecci on/arxiu-balears eine Reihe von Künstlern, die in Videoclips über sich und ihre Arbeit sprechen. Leider nicht auf Deutsch, sondern je nach Person auf Spanisch, Katalanisch, Englisch und Französisch. Selbiges gilt für Podcasts von Vorträgen, die unter 20deac.esbalu ard.org/multimedia abrufbar sind.

Gäbe es die Ausgangssperre nicht, könnte man in der Beletage des Casal Solleric in Palma die – nicht ganz jugendfreie – Ausstellung „Col·lapse. Màquina cèlibe“ von Joan Morey sehen. So muss man sich mit Instagram (@joanmorey) begnügen, wo der Künstler höchstselbst in verschiedenen Videos auf Spanisch durch die Schau führt.

Der Vorteil des Internets: Man ist örtlich nicht gebunden. Deshalb lässt sich die Ausgangssperre bestens mit einen Besuch der großen Museen der Welt online umgehen. Über die örtliche Plattform www.palmacultura oberta.com/continguts-culturals-oberts führen Links zu zehn bedeutenden Einrichtungen wie dem Louvre in Paris, den Vatikanischen Museen, den Uffizien in Florenz, dem Museo del Prado in Madrid und der Hermitage in Sankt Petersburg; ebenso zu den nächtlichen Streams der Metropolitan Opera in New York und zu digitalen Bibliotheken mit spanischsprachiger Literatur.

Für naturwissenschaftlich interessierte Zeitgenossen lohnt sich ein virtueller Besuch im Deutschen Museum. Über die Adresse digital.deutsches-museum.de/virtuell „Durch Welt, Raum und Zeit“ lassen sich drei interaktive Audiotouren durch die Geschichte der Schiff-, Luft- und Raumfahrt machen. Das Stöbern lohnt sich auch in den Sammlungen des Museums ( www.deutsches-museum. de/sammlungen ). Dabei stößt man nicht nur auf kuriose Objekte, sondern findet auch einen Link zu dem Projekt „Once Upon a Try“. Diese größte Online-Ausstellung über Erfindungen und Entdeckungen aller Zeiten ist eine Koproduktion des deutschen Museums und Google Arts & Cultures. Letztere Plattform ist in Sachen Kultur eine wahre Fundgrube und enthält Inhalte für lange Tage und Nächte.

Auch auf Live-Musik muss dieser Tage dank der sozialen Netze niemand verzichten. Mallorquinische Liedermacherinnen und Sängerinnen unterschiedlichster Stilrichtungen veranstalten bis Samstag, 29. März, täglich von 18 bis 19.30 Uhr Konzerte von Haus zu Haus. Zu finden sind sie auf Instagram unter @somtantissimesfestival. Live-Musik streamt auch die Plattform Malditos Cantautores. Diese „verdammten Liedermacher“ von Mallorca treten dienstags um 20.30 Uhr und sonntags um 19.30 Uhr im Internet auf. Sehen und hören kann man dies auf Instagram (@mal ditoscantautores_ib) .

Mit Cloud-Raves macht Clubbing TV die Wohnzimmer zur Tanzfläche. Wann und mit welchen DJs, ist auf www.clubbingtv.com/stayhome-with-clubbingtv veröffentlicht. Die Raves werden auf den Facebook-Seiten von Clubbing TV und den jeweiligen DJs live übertragen. „Wenn schon alleine feiern, dann richtig“, heißt es auch bei den Berliner Clubs. Auf der Plattform unitedwestream.berlin öffnen sie täglich ab 19 Uhr ihre virtuellen Türen für eine mehrstündige Party.

Krachen lassen kann man es auch bei Magenta Musik 360 ( www.magenta-musik-360.de) . Die Plattform streamt ganze Konzerte von Top-Acts aus Pop, Rock und Hiphop. Das Angebot wird regelmäßig aktualisiert und ist kostenlos verfügbar.

Für Klassik nutzt Ignasi Cambra Instagram (@ignasi.cambra) fürs Livestreaming. Der blinde Pianist aus Barcelona, der an bedeutenden Häusern dies- und jenseits des Atlantiks aufgetreten ist, hat in Zeiten von Corona die eigene Wohnung zur Bühne gemacht. Von dort aus gibt er Abend für Abend um 20.30 Uhr ein Live-Konzert.

Es geht noch ein paar Nummern größer. „Die Philharmonie ist geschlossen – wir kommen zu Ihnen!“ Unter diesem Motto laden die Berliner Philharmoniker dazu ein, ihren virtuellen Konzertsaal kostenlos auf www. digitalconcerthall.com zu besuchen. Das Publikum erhält dort zahlreiche Konzerte sowie Bonus-Videos aus dem Backstage-Bereich.

Auch für die Opernfreunde ist gesorgt. Für die Dauer der Schließung hat die Berliner Staatsoper unter den Linden ( www.staatsoper-berlin.de ) bis 19. April ein täglich wechselndes und kostenloses Programm zusammengestellt, für das niemand auf die Straße gehen muss. Die Deutsche Oper Berlin ( www.deutsche operberlin.de) sowie die Staatsopern in Stuttgart ( www.staatsoper-stutt gart.de/spielplan/oper-trotz-corona ) und München ( www.staatsoper.tv) trotzen dem Coronavirus ebenfalls mit gratis Videos-on-Demand, wenngleich nicht im täglichen Wechsel.

Absolut sehenswert auf www.philharmonie.tv : Die Aufführung der Johannespassion von Bach durch das Bach Collegium Japan unter Masaaki Suzuki. Das Konzert fand hinter den verschlossenen Türen der Kölner Philharmonie statt. Kein Husten, kein Knistern von Bonbon-Papierchen, nur die Schritte der Musiker und Sänger beim Betreten der Bühne, gut zweieinhalb Stunden Musik und nach dem Schlussakkord absolute Stille, ehe sich alle Mitwirkenden erheben und stumm verbeugen. Das war fast schon theaterreif.

Apropos: „Wir kommen in Ihr Wohnzimmer“, bietet das Wiener Burgtheater allen Interessierten an. Jeden Tag um 11 Uhr können Sie bei www.burgtheater.at/myho meismyburgtheater eine neue Lesung eines Ensemblemitglieds aus einer rettenden Geschichte abrufen. Theater für zu Hause steht auch bei den Münchner Kammerspielen ( www.muenchner-kam merspiele.de ) auf dem Online-Programm. Während die Türen des Theaters geschlossen bleiben müssen, wird jeden Tag für 24 Stunden ein interner Mitschnitt einer Inszenierung aus dem Spielplan online gestellt.

Die Berliner Schaubühne zeigt auf www.schau buehne.de täglich ab 18.30 Uhr für 24 Stunden eine Fernsehaufzeichnung von Inszenierungen, die seit der Gründung des Theaters aufgeführt wurden. Zuvor, um 18 Uhr, richtet sich jeweils ein Ensemblemitglied an das Publikum, mit einer Lesung, einer Improvisation, einer Geschichte oder einem Lied.

Zu aktivem Austausch lädt das Berliner Ensemble ein. Dessen Mitarbeiter wollen die Zeit des „Social Distancing“ für eine „Bedenkzeit“ nutzen. Zum Beispiel zu der Frage, worüber sich Gemeinschaft herstellt. „Diskutieren Sie mit uns in den sozialen Medien auf Facebook, Twitter und Instagram – Fantasie ausdrücklich erwünscht“, so die Einladung auf www.berliner-ensemble.de/bedenkzeit.

„Die Corona-Tagebücher“ sind ein Projekt des Literaturhauses Graz. Es hat eine Reihe österreichischer Autorinnen und Autoren eingeladen, ein Tagebuch über die Auswirkungen des Corona-Virus und die Maßnahmen seiner Bekämpfung auf das alltägliche Leben und den Zustand der Gesellschaft zu führen. Die Beiträge werden jeden Freitag auf die Webseite www.literaturhaus-graz.at/die-corona-tagebue cher gestellt.

Fazit: In Zeiten der Ausgangssperre liefert das Internet mehr denn je Kultur frei Haus. Eines bliebt dabei niemandem erspart: die Qual der Wahl.

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