Konzertkritik: Impressionistische Reise durch die Ewige Stadt

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Szene von der Aufführung.

Szene von der Aufführung.

Foto: Martin H. Müller

Italienische Impressionen im Konzertsaal haben Tradition: von Mendelssohns "Italienischer Sinfonie" (1833) über das „Capriccio Italien“ von Tschaikowsky (1880) und die sinfonische Dichtung „Aus Italien“ von Richard Strauss (1886) spannt sich der Bogen bis hin zu Ottorino Respighis impressionistischer Rom-Trilogie, die am Donnerstagabend im Trui Teatre unter dem Gastdirigenten Álvaro Albiach eine packende Aufführung erlebte.

"Die besinnliche Stunde des Sonnenuntergangs", "Vogelgezwitscher und Blätterrauschen", "Aufleben uralten Ruhms", "Drehorgeln aus einer Schaubude" und vieles mehr, das der Komponist expressis verbis in die Partitur geschrieben hatte, konnte man in den drei sinfonischen Skizzen "Fontane di Roma", "Pini di Roma" und "Feste Romane" heraushören. Aber man musste es nicht, genauso wenig, wie es zwingend war, Anklänge an die offizielle Ästhetik des Faschismus wahrzunehmen, die einige Exegeten Respighi unterstellen. Die musikalische Realität spielt sich wie immer ausschließlich in den Noten ab, in dynamischen Anweisungen, in der Instrumentation und der sinfonischen Entwicklung. Nichtsdestoweniger können programmatische Hinweise die Fantasie des Hörers in die vom Komponisten intendierte Richtung lenken.

Warum Albiach die drei Stücke nicht in der Reihenfolge ihrer Entstehung (zwischen 1916 und 1928) spielen ließ, bleibt sein Geheimnis. Möglicherweise schien ihm der Schlusssatz von "Pini di Roma" mit seiner Nähe zur Filmmusik der geeignetere Anknüpfungspunkt zum letzten Werk des Abends, der "La Strada"-Suite von Nino Rota zu sein.

Die Musik Respighis weist deutliche Anklänge an Ravel auf (das "Pini"-Finale wartet mit einem regelrechten „Bolero“-Effekt auf, wenngleich der Grundrhythmus mit seinem Marschgestus simpler gestrickt ist als das Ravel’sche Ostinato). Und an Richard Strauss , allerdings um einiges brachialer als dessen "Aus Italien". Ihm deswegen Epigonentum und Eklektizismus vorzuwerfen, geht allerdings zu weit: dazu ist die Tonsprache des Italieners zu eigenständig.

Albiach leitete das glänzend aufgelegte Orchester mit überspringendem Temperament und einer sehr präzisen Schlagtechnik durch die Partitur. Vom Piano-Beginn der "Fontane di Roma" bis zur grandiosen Steigerung und dem orgiastischen Schluss der "Pinien" nutzte er die gesamte dynamische Bandbreite. Die Akustik des Trui Teatres (meines Erachtens die beste der drei Spielstätten dieser Saison) tat ein Übriges, um die Suggestionskraft der drei sinfonischen Kolossalgemälde bis in den letzten Winkel des Saales zu verbreiten.

Alle drei bestehen aus je vier ineinander übergehenden Sätzen, jeder mit einer mehr oder weniger plakativen Überschrift versehen. Sinfonisch im eigentlichen Sinn sind sie nicht: eine Entwicklung der Motive fehlt weitgehend, es herrscht eher das Prinzip der Aneinanderreihung, was der Wirkung aber keinen Abbruch tut. Ein kleiner Gag überrascht in den "Pinien auf dem Gianicolo": in ihrem Geäst ertönt der Gesang einer Nachtigall – nicht von Instrumenten imitiert, sondern von einer Bandaufnahme des natürlichen Vogelgezwitschers. Das war schon bei der Uraufführung 1924 so, Respighi hatte darauf bestanden – und wurde damit zum Vorreiter der Integration von Geräuschen ins musikalische Geschehen. (Richard Strauss setzte Jahre später eine Windmaschine und Donnerbleche in seiner Alpensinfonie ein.)

Unter dem Geschmetter von Signaltrompeten (laut Partituranweisung „naht ein Konsul mit seinem Heer, um im Glanz der aufgehenden Sonne zur Via sacra und triumphierend zum Kapitol zu ziehen) findet die Trilogie ihren bombastischen Abschluss. Das Orchester konnte noch einmal alle Register ziehen, die Blechbläser übertrafen sich gegenseitig in Höchstleistungen.

Die letzten 13 Minuten des Abends waren Nino Rota gewidmet. Zwei Sätze aus seiner „La Strada“-Suite erklangen. Rota hatte Teile seiner Musik (zu Fellinis Film von 1957) zu einem Ballett umgearbeitet, wohl um ihr Liveaufführungen zu ermöglichen, der Filmton war damals noch recht bescheiden.

Lang anhaltender Applaus für Dirigent und Orchester am Ende.

Mit diesem Konzert ging der Trui-Teatre-Zyklus zu Ende. Die Aboreihe im Teatre Principal tut es am kommenden Donnerstag (19.Mai) mit Schostakowitsch (Cellokonzert Nr. 2 mit Alban Gerhardt als Solisten) und Scriabin (Sinfonie Nr. 2). Dieses letzte Konzert der Temporada 2021/22 ist noch einmal Chefsache: Pablo Mielgo wird am Pult stehen.

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