Leadsänger Kelly Hansen: Am 14. Juni tritt er mit seiner Band Foreigner auf der Driving Range des Clubs Golf de Andratx in Camp de Mar auf. | Severin Schweiger

Mallorca Magazin: Letztes Jahr fiel das Mallorca-Konzert von Foreigner ins Wasser. Mit welchen Gefühlen kommen Sie jetzt auf die Insel?

Kelly Hansen: Ich freue mich darauf. Wegen all der unterschiedlichen und wechselnden Covid-Regelungen konnten wir letztes Jahr nicht die geplanten Auftritte in Europa machen und mussten in den USA bleiben. Dort hatten wir um die 85 Auftritte.

MM: Was machen Sie an den Tagen, an denen Sie nicht auf der Bühne stehen? Haben Sie noch andere Projekte?

Hansen: Wenn ich nicht auf der Bühne stehe, ruhe ich mich für die nächste Show aus. Wir sind acht oder neun Monate im Jahr auf Tour, da will ich mir nicht noch mehr Arbeit aufhalsen, wenn wir nicht auftreten. Denn es braucht körperlich und stimmlich viel Energie, um auf dem Niveau aufzutreten, das ich mir abverlange. Ich genieße es dann, meine Auszeit zu haben, zu Hause zu sein und ein normales Leben zu leben.

MM: Wie halten Sie sich fit für die Bühne?

Hansen: Es gibt Dinge wie gute Ernährung, Training, körperlich auf mich aufpassen. Ich habe auch Hobbys, ich repariere und fahre Motorrad und koche gerne. Ich war auch im amerikanischen TV in einer Kochsendung und vielleicht gibt es in der Zukunft ein Kochbuch. Ich habe also neben der Musik noch andere Interessen. Es ist besser für den Geist, mehr als eine Sache zu tun.

MM: Wie war es für Sie, 2005 als Leadsänger bei Foreigner einzusteigen?

Hansen: Ich hatte gemischte Gefühle. Natürlich war ich von der Chance begeistert, aber ich war auch ängstlich, weil ich die ganze Reihe der Lieder kannte, die schwer zu singen sind. Aber manchmal im Leben muss man einfach darauf vertrauen, dass man die nötigen Fähigkeiten hat. Und hoffentlich sieht das Publikum, dass ich alles gebe, aufrichtig mit den Liedern umgehe und ihnen hoffentlich den Nachdruck und die Qualität der Darbietung gebe, die sie verdienen.

MM: War es schwer, als Nachfolger von Lou Gramm akzeptiert zu werden?

Hansen: Die Fans waren wirklich gnädig mit mir. Es wird immer Leute geben, die jemanden nicht mögen, der nicht der ursprüngliche Sänger ist. Aber ich hatte das Glück, dass ich willkommen geheißen wurde und die Leute mich unterstützen. Und Mick (Mick Jones, Mitbegründer, Gitarrist und Songschreiber von Foreigner; Anm. d. Red,) stand zu 100 Prozent hinter mir, das war in dieser Anfangszeit sehr wertvoll für mich.

MM: Das letzte Studioalbum von Foreigner kam 2009 heraus. Wann wird es ein neues Album geben?

Hansen: Wir haben viele Dinge in verschiedenen Stadien der Fertigstellung. Aber ich bin mir nicht sicher, ob wir ein komplettes neues Album herausbringen sollen.

MM: Warum nicht?

Hansen: 2009 verbrachten wir ein ganzes Jahr damit, „Can‘t Slow Down” zu schreiben und aufzunehmen. Jeden freien Tag flog entweder ich nach New York oder Mick nach L.A., und wir arbeiteten an Songs, während wir auf Tour waren. Dann schnitt ich auch noch ein ganzes Live-Video. Das dauerte ein Jahr meines Lebens und brachte mich fast um. Und am Tag, an dem das Album veröffentlicht wurde, konnte man es schon kostenlos im Internet herunterladen. Das war eine sehr enttäuschende Erfahrung angesichts der Zeit, des Aufwandes, des Geldes und der Emotionen, die wir für die Aufnahme aufbrachten. Vielleicht ist das nicht mehr die richtige Art, neues Material zu veröffentlichen.

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MM: Werden Sie einzelne neue Songs bei Ihren Auftritten spielen?

Hansen: Es ist immer ein Problem, zu viele bekannte Lieder zu haben. Denn um einen neuen Song zu bringen, muss manchmal ein Hit verschwinden.

MM: Würden Sie denn gerne mal andere Songs singen?

Hansen:Nein, selbst wenn ich immer die gleichen Lieder singe, gibt es so viele Variablen, der Ort, die Größe und Energie des Publikums, die Uhrzeit der Show, der Soundmix, der Groove ... Ich versuche immer, eine gute Show zu machen, das Publikum zu bewegen und zu begeistern und eine gute Zeit zu haben. Das ist schwierig und jeden Tag anders. Deshalb habe ich mit den Songs keine Probleme. Ich versuche immer, mein Bestes zu geben, und dessen wird man nie müde.

MM: Wenn ich Sie so reden höre, frage ich mich, ob Sie sich ein Leben ohne Bühne vorstellen können.

Hansen: (Lacht) Es gibt Leute, die auf der Bühne sterben wollen, weil sie nicht loslassen können. Ich gehöre nicht dazu.

MM: Nimmt man es irgendwann für selbstverständlich, vor Tausenden von Menschen aufzutreten?

Hansen: Das ist sehr seltsam, denn ich sehe mich als eine ganz normale Person. Dann gehe ich auf die Bühne und es ist fast so, als hätte ich mir eine Art Superman-Outfit übergestreift. Auf einmal bin ich ein Darsteller. Natürlich kann die Begeisterung und Energie, die man auf der Bühne ausstrahlt, im Alltag nicht aufrechterhalten werden. Der Auftritt ist ein ganz besonderer kleiner Moment in der Zeit, in dem man fast wie eine andere Figur ist. Deshalb ist es manchmal schwer für mich, diese beiden Dinge zusammen zu sehen.

MM: Brauchen Sie nach dem Auftritt Zeit, um wieder runterzukommen?

Hansen:Ich bin ein theatralischer Mensch, und was ich auf der Bühne mache, ist eine Aufführung. Das ist ein Teil dessen, was ich bin, aber nicht alles. Wenn die Show vorbei ist, bin ich erleichtert und erschöpft, und ich bin einfach ich.

Foreigner bei der Classic Rock Night von Legends VIP

Beginn: 21 Uhr

Einlass: 19.30 Uhr

Tickets: 55 bis 350 Euro; www.legendsvip.com

Ort: Driving Range, Golf de Andratx, Camp de Mar