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Es hört sich nach wenig an: Die Stadt Palma will das Radwegenetz auf 36 Kilometer Länge ausbauen. Doch die Wichtigkeit dieser Nachricht lässt sich nicht in Kilometern messen. Sie bedeutet nicht mehr und nicht weniger eine 180-Grad-Wende in der Verkehrspolitik der Stadt.

Bislang hat die Kommune ausschließlich auf den Individualverkehr gesetzt. Alle Verbesserungen am öffentlichen Nahverkehr waren kosmetisch. Was etwa nützt ein neuer Bus, wenn er genauso unpünktlich und überfüllt ist wie ein 20 Jahre altes Gefährt?

Gab es bislang Radwege nur zur Naherholung – die Strecke vom Paseo Marítimo ist schön und wird gut angenommen – geht es jetzt darum, den innerstädtischen Verkehr in den Sattel zu bekommen. Da die Fahrt auf zwei Rädern inmitten der Blechlawinen ziemlich gefährlich ist (vom Spaß wollen wir gar nicht reden), müssen Radwege her.

36 Kilometer sind aber in der Tat nicht besonders viel. Sie dürfen wirklich nur der Anfang sein, denn ein Radwegenetz wird nur dann funktionieren, wenn es wirklich flächendeckend ist. Ansonsten fungiert es als Feigenblatt à la „Schaut nur, wir haben Radwege, aber keiner fährt darauf”. Benutzt werden die markierten Strecken nur dann, wenn sie zielstrebig von A nach B führen. Deswegen darf es auch nicht zu viele Umwege geben, denn die kosten Kraft und Zeit. Im Sommer, wenn es warm ist, auch noch literweise Schweiß.

Außerdem muss gewährleistet sein, dass die Radwege genutzt werden können. Auf dem für Radler reservierten Platz geparkte Autos müssen gnadenlos, vor allem aber schnell abgeschleppt werden. Die Wege müssen saubergehalten werden. Der Asphalt sollte nicht nur glatt sein, sondern auch bleiben, selbst wenn ein Bautrupp mal ein Loch gegraben hat.

Radwege sind billig und gut. Besser, aber teurer, wäre ein modernes System von Bussen und Bahnen in der Stadt. Wie wäre es etwa damit, bei der EMT einen Busfahrschein einzuführen, der auch zum Umsteigen berechtigt?