Warnsignal für ökologische Missetaten

Chemikalien und Milben machen den Bienen zu schaffen

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Mallorcas Honigsorten gelten als exquisit. Eine besondere Leckerei ist zum Beispiel der rosa gefärbte Mandelblütenhonig, der im Nachgeschmack leicht an Marzipan erinnert und von den Imkern im März geerntet wird. Gibt es Regen, ist er nur schwer zu gewinnen und kommt wie in diesem Jahr nur in geringen Mengen auf den Markt.

Dieses Schicksal könnte in Zukunft auch die gängigeren Sorten wie den Orangenblütenhonig ereilen, der zurzeit aus den Bienenstöcken eingebracht wird. Laut Pep Matas, dem Vorsitzenden von Mallorcas Imkerverband, ist die Zahl der Bienen auf Mallorca stellenweise um bis zu 60 Prozent zurückgegangen. Betroffen seien insbesondere die Gebiete in der Inselmitte mit Hochburgen wie Llubí, wo jedes Jahr im November auch eine Honig-Feria stattfindet.

Zu schaffen machen den Tieren vor allem Insektengifte und Pflanzenschutzmittel, wie sie in der Landwirtschaft verwendet werden. Dazu kommen Probleme mit der Averroa-Milbe, die 1985 über Deutschland den Weg aus Asien nach Mallorca fand. Die Tierseuche befällt vor allem die Larven und im Winterhalbjahr auch erwachsene Bienen. PepMatas spricht beim Bienensterben von einem globalen Phänomen, das nicht allein Mallorca betrifft, sondern weltweit vor allem die Gebiete mit intensiver Landwirtschaft. Weniger beeinträchtigt seien naturbelassene Zonen wie das Tramuntana-Gebirge, wo die Zahl der Bienen nur um fünf bis zehn Prozent zurückgegangen sei.

Das unterstreicht auch Bartomeu Gual Riutort von der Bio-Honig-Kooperative Èsmel. Die Insel sei insgesamt weniger betroffen als zum Beispiel die Getreideanbaugebiete in Zentralspanien. Die Honigverluste durch das Bienensterben sind nur schwer zu beziffern, da die Produktion auf Mallorca stark vom Klima beeinflusst wird. In guten Jahren wie 2010 werden inselweit 100.000 bis 150.000 Kilo erzeugt, in besonders schlechten wie 2008 dagegen nur 50.000 Kilo. Schädlich ist dabei vor allem der Wechsel zwischen Regenphasen und Sonne wie in diesem Frühling.

Der Rückgang der Bienenzahl pro Volk wird laut Imkerverbandschef Pep Matas teilweise durch ein wachsendes Interesse an der Imkerei kompensiert. Immer mehr Rentner verbringen ihre Freizeit mit der Bienenzucht und halten die Zahl der Völker auf einem hohen Niveau. Insgesamt gibt es derzeit etwa 11.000 Bienenstöcke mit einer steigenden Tendenz.

Mallorcas Imker sind sich allerdings darin einig, dass ihre Völker heute viel empfindlicher und pflegeintensiver sind als früher, worin auch ein Frühwarnsignal für ein gestörtes ökologisches Gleichgewicht gesehen wird. „Ohne die Hilfe der Menschen würden viele der Völker in einem Jahr sterben”, so jedenfalls Pater Bartomeu Barceló, der sich im Tal von Sóller seit Jahrzehnten der Imkerei widmet.

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