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Berlin, 19. Mai – Mallorca hat Berlin so einiges voraus: Die Insel ist vom Meer umgeben, das Wetter ist schöner – und Mallorca hat die Ballermann-Debatte schon hinter sich.

Ballermann-Debatte? Richtig gelesen. Während Mallorca sich irgendwie damit abgefunden hat, bevorzugtes Ziel sehr, sehr durstiger Urlauber zu sein, geht in Berlin der Zauber erst los. In so manchem Kiez regt sich Widerstand gegen die „Partytouristen”.

Berlins Tourismus-Chef Burkhard Kieker bestätigte gegenüber dpa, dass er sogar schon vom Wallstreet Journal auf das Thema angesprochen worden sei. Und er warnt davor, zu viel über die internationalen Gäste zu schimpfen. Ohnehin sei alles gar nicht so schlimm: „Einen Ballermann-Tourismus habe ich hier noch nicht entdeckt”, sagte der Leiter der städtischen Marketing-Organisation visitBerlin bei der Vorstellung des Sommerprogramms der Berliner Clubs.

Das sehen viele Bürger in Kreuzberg anders. „Hilfe, die Touris kommen”, lautete eine viel beachtete Podiumsdiskussion der Grünen, bei der nicht nur über Lärm und Müll geklagt wurde, sondern generell über die Vielzahl an Hotels und Kneipen. Dpa berichtet von Aufklebern, die den Besuchern vermitteln sollen: „Berlin liebt dich nicht.” Der Name der Falckensteinstraße in Kreuzberg wurde auf einem Schild überklebt: „Ballermannstraße” stand da plötzlich zu lesen.

Der boomende Tourismus bringt Berlin auch viel junges Publikum. Absolut "in" sind Reisen in die deutsche Hauptststadt vor allem auch bei partyfreudigen Spaniern, die das gute Preis-Leistungs-Verhältnis zu schätzen wissen. Gefeiert wird im Berlin-Urlaub nicht nur in den Clubs, sondern auch gerne mal auf Bürgersteigen oder in rollenden Kneipen, den so genannten „Bierbikes”. Tourismus-Chef Kieker kann die damit verbundenen Nöte der Anwohner zwar nachvollziehen, warnt aber vor Kritik, die als fremdenfeindlich ausgelegt werden könnte: „Das können wir überhaupt nicht gebrauchen.” Auch die Barbetreiber betonen, dass die ganze Stadt doch von Touristen lebe.

Der Kreuzberger Bezirksbürgermeister hat laut dpa jetzt ein Mediationsverfahren eingeleitet. Am Runden Tisch sollen Anwohner und Behörden nach Lösungen suchen. Kieker wird mit den Worten zitiert: „Ich hoffe, dass sich das alles einpendelt.”

Die Erfahrung auf Mallorca mit den Ballermännern zeigt: Das kann dauern.