Trauer, Anteilnahme und Angst

11. September 2001: Die Terror-Anschläge in den USA

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, 8. September – Bartomeu "Tummy" Bestard saß im Auto, als ihn sein Sohn auf dem Handy erreichte: "Sie reißen die Türme ein", hörte der Konsular-Agent der Vereinigten Staaten auf den Balearen seinen Sohn sagen. Fassungslos hielt er augenblicklich an einer Tankstelle in Bendinat an und ließ sich dort den Fernseher anmachen. Ungläubig starrte er auf die Bilder aus dem Land, das er seit fast 40 Jahren vertrat. Zwei Stunden konnte er sich nicht vom Fernseher lösen, dann fuhr er in das Konsulat und berief eine Sondersitzung ein. Anschließend gab er eine Pressekonferenz. Während alle Welt über die Verursacher, die Zahl der Opfer und die Möglichkeit weiterer Anschläge rätselte, musste sich Bestard mit speziellen Teilfragen befassen, die fast genauso schwer zu beantworten waren. Wie viele Mallorquiner sind unter den Opfern? Wie geht es den Angehörigen der auf Mallorca lebenden US-Amerikaner? Die ersten Informationen ergaben: Rund 40 mallorquinische Touristen hielten sich in New York auf. Entwarnung gab es danach: Allen ging es gut.

Bestard hatte zudem eigene Sorgen. Ein Freund von ihm war ihm World Trade Center, zwei Schwestern und ein Neffe seiner Frau Olga hielten sich gerade in New York auf. "Wir beteten ständig an diesem Tag", erinnert er sich. Bestard sollte in diesen Tagen noch häufiger im Einsatz sein. Am 12. September wohnte er einem Trauergottesdienst in der Kathedrale bei. Es war der Gottesdienst zum Regionalfeiertag Diada de Mallorca, den der Inselrat kurzfristig abgesagt hatte. Den Gottesdienst behielt man bei und widmete ihn den Opfern der Attentate.

Bestard sagte damals, er sei "zerstört". In der Konsulatsagentur auf Mallorca habe man sechs Monate zuvor die Überwachungsanlage erneuert. Es habe Hinweise auf Anschläge gegen amerikanische Einrichtungen gegeben.

Neben Trauer und Anteilnahme herrscht in den Tagen nach den Anschlägen eine diffuse Angst auf Mallorca. Am Flughafen Son Sant Joan ruft Betreiber Aena "maximalen Alarm" aus. Reisende müssen drei Sicherheitskontrollen über sich ergehen lassen. Laut einem damaligen Bericht in der Ultima Hora sollten die Guardia Civil-Beamten auf "spitze Gegenstände und Leute mit seltsamen Aussehen" achten. Die Folge: Es bildeten sich lange Schlangen vor dem Sicherheitscheck. Nach Angaben der Vereinigung spanischer Fluggesellschaften wurden zwischen 15 und 20 Prozent aller Flüge storniert. Wie hoch die Verluste damals ausfielen, gaben die Airlines nicht bekannt.

Andere Dinge gewährten keinen Aufschub: Mallorcas Champions-League-Spiel gegen Arsenal London am Dienstagabend fand statt. "Wir fragen uns, ob diese Ausgabe überhaupt Sinn macht. Viele Seiten mit Fiestas und Mode, mit Fußball und Wandern sind schon fertig", schrieb damals MM-Chefredakteur Bernd Jogalla in der Ausgabe, die zwei Tage nach den Anschlägen erschien. Das Leben ging weiter.

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